Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Human Abfall gehören zu dieser seltsamen Stuttgarter Post-Punk-Szene, denen unter anderem auch Gruppen, wie Die Nerven und Karies angehören. Ist man Teil einer solchen Subkultur mit einem derartig anderen musikalischen Output, geht das an keinem spurlos vorbei und so hangeln sich eben auch Human Abfall weit weg von allem entlang, was man üblicherweise kennt.

Frontmann Flavio Bacon singt nicht. Stattdessen bezeichnet er das, was er tut, als „Agitation“. Er keift, er ist sauer, er ist aggressiv und verbindet das mit einem schauspielerischen Konstrukt, das diesem Projekt das zusätzliche i-Tüpfelchen aufdrückt. Hinter ihm spielt die Band feinen, sphärischen Post-Punk mit deutlichen Wave-Einschlägen. Die Gegensätze, die man einerseits in ihrer Musik hört und andererseits auf der Bühne sieht, wirken mindestens ambivalent.

Ihre Ambivalenz zeigten sie zuletzt auch wieder live in Hamburg, genauer gesagt im Hafenklang und nachdem ich die Gruppe im vergangenen Mai in der Skybar des Molotow kennenlernte und absolut mitgerissen wurde, wollte ich mich noch einmal auf diese komische, aber ebenso großartige Reise mitnehmen lassen.

Ohne Support kamen Human Abfall an diesem Abend direkt auf die Bühne und sofort war sie da, diese angespannte Atmosphäre, die Bacons Blicke beinahe schneidet. Gaffend schaut er in die Leere, wenn er nicht gerade keift und mit „Nicht Stoppen“ und „Montags“ werden bereits im Anfangsdrittel hervorragende Beispiele dafür geliefert, wofür Human Abfall auf der Bühne stehen.

Diese Spannung verlässt das Hafenklang an keinem Zeitpunkt. „Es ist, wie es ist“ und „RTLM“ verfestigen das Gebilde und bringen dazu noch groovige Beats und Riffs ins Spiel. Einerseits sind sie musikalisch vielfaltig, andererseits verlassen sie nie ihr künstlerisches Konzept und ihren eigenen Anspruch an sich selbst. Diese inkonsequente Konsequenz ist bemerkenswert und fängt ein.

Im Endeffekt sitzt jeder Song und jede Zeile. Alles greift ineinander, obwohl es kaum stärker gegeneinander arbeiten könnte. Nach der obligatorischen Zugabe verschwinden sie schließlich von der Bühne und ich bin ebenso beeindruckt, wie vor fast einem Jahr. Die Faszination, die Human Abfall mit zunehmender Zeit immer stärker ausstrahlen ist so stark, wie bei kaum einer anderen Post-Punk-Band. Aggression, vorgetragene und zur Schau gestellte Gesellschaftskritik mit gleichzeitigem musikalischem Abriss. Human Abfall suchen ihresgleichen.

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