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Was wurde im Vorfeld nicht alles gemeckert. So wurde das bargeldlose Bezahlen eingeführt und man hatte ein Déjà-vu. Wird das diesmal funktionieren und falls ja, möchte man das alternativlose Konzept überhaupt für sich in Anspruch nehmen? Dann noch die obligatorische Frage nach der Qualität des Line Ups. So hatte man viele Bands an der Spitze des Festivalplakats, welche bereits vor zwei Jahren beim Hurricane und Southside waren und/oder beim Deichbrand letztes Jahr gespielt haben. Hinzu kommt die Gretchenfrage nach den Headlinern. So wirkt es verwunderlich wieso Marteria Headliner wird, obwohl dieser vor der letzten Welle noch nicht an der Spitze gestanden hat.

Es hat schon mit Kult und Vertrauen zutun, weshalb man sich eine Wildcard kurz nach dem Festival kauft. Der Weg führte also wieder nach Scheeßel, auch wenn man das Gefühl nicht los wird, dass mehr Wiederholungstäter und weniger Raritäten oder Legenden sich im Line Up wiederfinden.

Donnerstag

Bereits zu Beginn des Festivals wird man mit dem bargeldlosen Bezahlen konfrontiert. So passiert es, dass ich in meiner neunjährigen Hurricanegeschichte zum ersten Mal aufs Campinggelände komme, ohne ein Bändchen um meinen Arm zu haben. Das System würde nicht funktionieren, man solle doch mit dem Ticket auf den Campingplatz. Total erstaunt wandere ich zum Greencamp und wundere mich. Irgendwas fehlt doch? Kein einziges Dixi steht auf dem gesamten Green Camp. Dies sollte noch bis Freitag andauern, was zu enorm langen Schlangen bei den Sanitären Anlagen führte. Wieder so ein Novum in meiner persönlichen Festivalgeschichte.

Weit und breit keine Dixies zu sehen

Weit und breit keine Dixies zu sehen

Nachdem sich das Camp versammelt, gehen schon die ersten Gerüchte umher. So wird mir erzählt, dass FKP angeblich so wenig Tickets verkauft hätte, dass man sich die Dixies nicht leisten konnte. So endet ein dennoch entspannter Donnerstag, aufgrund einer angenehmen Campinggemeinschaft und der kurzen Wege vom Parkplatz neben dem Greencamp. Das Angebot der White Stage habe ich nicht in Anspruch genommen, dennoch ist dies eine gelungene Ergänzung für das Festivalvolk.

Freitag

Mein Festivaltag am Freitag startet dann tatsächlich um 15 Uhr. Nachdem ich mir die ersten zwei Tracks von The Mirror Trap in der Whitestage anhöre, gehts Richtung Green Stage. Dort spielen die Sunset Sons und sorgen für Sonnenschein und gute Musik.Anschließend geht der Weg hinüber zur blauen Bühne, auf welcher The Districts spielen. Diese kannte ich vorher nicht wirklich, umso glücklicher war ich, dass ich sie dennoch gesehen habe. Eine tolle Show der Jungs aus Pennsylvania.

Im Anschluss spielen dort die Counting Crows. Diese werden von einer Bank seitlich der Türme vor der Blue Stage angeschaut. Nachdem Mr. Jones gespielt wurde setzt sich der Marathon fort, diesmal wieder zur White Stage. Dort spielen Gengahr. Diese spielten ebenfalls ein solides Set.

Die nächste Überraschung sollte dann auf der Blue Stage folgen. Dort spielen die Geschwister Angus and Julia Stone. Auch hier habe ich keine Zeit investiert und kannte nur den Klassiker Big Jet Plane, was sich als Fehler herausstellte. Mir hat ihre Musik sehr gut gefallen, auch wenn ich mir ein Clubkonzert schöner vorstelle.

Eigentlich waren The Dø eine kann, muss aber nicht Band auf dem Zettel gewesen. Nachdem diese ihren Gig mit Keep your Lips Sealed eröffnen, ändert sich das Ganze schlagartig. Eine grandiose Show und meine größte Überraschung des Festivals.Mit großen Schritten geht der Weg ein weiteres Mal in Richtung blauer Bühne. Auf dem Weg erzählt mir Fat Mike von Nofx, man habe die Wahl zwischen den coolen Lagwagon und den langweiligen The Gaslight Anthem. Ich werde mir keine der beiden Bands anschauen. Dort spielt die Parov Stelar Band, welche laut Kollege Torge vor zwei Jahren eine geile Show auf der White Stage hingelegt haben. Auch auf einer größeren Bühne scheint der Electroswing voll aufzugehen, während ich mir den Seitan Gyros mit Fladenbrot gönne – lecker!

Cafe

Anschließend fängt es an zu regnen und es wird extrem kalt. Ein langer Tag macht zudem müde, weshalb der Funken bei Alt-J nicht überspringen will. Die Lichtshow ist super, die Songs sind auch klasse aber die Kälte sagt mir, dass ich eigentlich schlafen möchte.

Am Ende des langen Tages geht es zu Placebo, welche eins meiner zwei Highlights sein sollten. Auch hier war es nicht wärmer und der Sound war zudem hinten so leise, dass keine Stimmung aufkommen möchte. Auch hier war die Band schuldlos.

Samstag

Mein erster Act des Tages war The Tallest Man On Earth. Die Stimmung ist gemütlich und das Wetter spielt diesmal mit. Dennoch geht der Weg in die White Stage, um dort Public Service Broadcasting anzuschauen.

Interview mit Public Service Broadcasting

Diese liefern eine gute Show und sorgen am Ende mit ihren Ansagen für reichlich Lacher bei meinen Kollegen. Ähnlich wie beim größten Mann, wirkt der Gig bei George Ezra. Auch bei ihm ist eine ähnlich gute Stimmung im Publikum.

Nachdem ich den vorherigen Tag so lange vor den Bühnen verbracht habe, entschließe ich mich auch mangels Alternativen dafür, möglichst früh ins Camp zurückzukehren und dort mit den Freunden zu feiern. So endet eine lange Partynacht, in der sich das im Chor gesungene Soul Meets Body in ein neues Spiel den selben Song nochmal der Cantinaband entwickelte.

Sonntag

Nachdem alle Sachen ins Auto verstaut wurden, begann ein weiterer langer Tag auf dem Festivalgelände. Zum Mittag gab es unter anderem ein mit Mozarella und Gemüse gefülltes Fladenbrot. Auch hier muss ich sagen, dass das Essen sehr lecker war und FKP mit ihren Änderungen auf dem Gastrobereich erfolgreich waren. Auch das bargeldlose Bezahlen funktioniert die ganze Zeit einwandfrei, auch wenn man gelegentlich Berichte liest, dass teilweise aus Versehen oder sogar mit Absicht zuviel Geld vom Bändchen abgebucht wurde.

The Vaccines sind dann die ersten an diesem Tag, wobei ich sagen muss, dass sie mir vor zwei Jahren besser gefallen haben. Im Anschluss spielt Death from Above 1979, welche auf der großen Bühne eher verloren wirkten und auch kein dankbares Publikum hatten. Schade, vielleicht wäre das im Zelt ganz anders geworden. Dort spielen nämlich St. Paul and the Broken Bones, welche dort eine richtig gute Show ablieferten.

Im Anschluss soll es dann direkt in den ersten Wellenbrecher zu Death Cab for Cutie gehen. Diese liefern eine klasse Setlist ab, auch wenn das Publikum auch diesmal lahm wirkte und die Band die Songs teilweise sehr routiniert herunterspielt, ohne groß auf das Publikum einzugehen. Musikalisch war das jedoch ein einwandfreier Gig!

Bei Noel Gallagher erlebe ich erneut ein Déjà-vu. Der Auftritt erinnert mich an seinen ersten Gig 2012, bei welchem ich auch dort glückliche Menschen sehe, die Don’t Look Back in Anger singen. Das zieht auch Künstler aus dem Backstagebereich vor die Bühne, wie z.B. Casper, welcher Fotoanfragen seiner Fans ablehnt und lautstark mitsingt. Auch der Keyboarder von Death Cab For Cutie wollte keine Fotos machen, schade, wenn auch verständlich. Der Frontmann von The Vaccines gab sich am Rande der Bühne auch kurz die Ehre.

Justin Young von The Vaccines

Justin Young von The Vaccines

Hinzu kommen dann ein bisschen Archive, welche mich mit Fuck you glücklich machen und Of Monsters and Men, welche das Publikum mit ihrem Klassiker Little Talks einheizen.

Das Wochenende wird dann auf der Tribüne neben der Green Stage abgeklungen. Dort liefern Madsen eine große Show ab und heizen das Festival ein, unter anderem mit einem Cover von I was made for loving you und Smells Like Teen Spirit. Große Klasse und eine der Überraschungen des Wochenendes, wenn es auch doch sehr zu bedauern ist dass Ben Howard nicht spielen konnte. Am Ende nehme ich noch Florence and the Machine mit, welche authentisch auf der Bühne tanzen und das Publikum zum kochen bringen.

night

Das Festival endet dann im Stau auf dem Parkplatz, auf welchem wir eine gute Stunde brauchen, um überhaupt erst auf die Straße zu kommen. Die Bedenken zum bargeldlosen Bezahlen haben sich bei mir, trotz des holprigen Starts, nicht bestätigt. Das Angebot an Essen der neuen Gastrostände ist super und die Preise meiner Meinung nach sehr fair.

Soll man sich nun eine Wildcard holen oder nicht? Ich persönlich warte lieber noch in der Hoffnung, dass weniger Bands aus dem diesjährigen Deichbrand Line Ups dabei sind und stattdessen mehr Bands wie Faith No More, Massive Attack oder Moby gebucht werden. Erinnert sich noch jemand an die Blue Stages von einst?