Ibrahim-Lässing

Lässi(n)g: Schon wieder ein Album von Bayerns sympathischstem Schreihals! Diesen Titel hat er sich zumindest bei mir redlich mit seinem ersten Album verdient, die Rezension dazu lest ihr hier. Aber von Alben kann man eigentlich gar nicht so recht sprechen – schon „Kaugummiautomat” hatte bloß sieben Songs, auf dem neuen „Hoverboard” sieht es ganz ähnlich aus. Das erklärt allerdings auch den sportlichen Veröffentlichungszyklus: Das letzte Mini-Album erschien im Mai, am Freitag nun bereits der zweite Release bei Fettmusic. Lässing selbst betitelt es im Pressetext als zweiten Teil des Debüts, und das passt doch wunderbar, ist doch auch das Hoverboard Hauptbestandteil von Zurück in die Zukunft Teil 2!

Mit ungewohnt sanften Klängen eröffnet er seine neue Platte, eine simple Akustikgitarre leitet die bereits von uns vorgestellte Videosingle „McFly” ein – aber okay, nur ein paar Sekunden später setzen auch schon seine bekannten Fuzz-Gitarren und -Bässe ein und ein „Ich will die kotzende Crowd auf Stelzen übergehen” heißt uns mal wieder herzlich Wilkommen in der dreckig-bunten Welt des Ibrahim Lässing.

Spätestens, wenn er dann kurz darauf die schlechten Zeiten roll’n growlen lässt, stellt der Landshuter unter Beweis: Pessimistische Szenen durch seine meist geschrienen Texte in euphorisch rockende Songs zu verwandeln, das hat er drauf wie kein Zweiter. Am besten ist diese Gabe wohl zu hören im umwerfenden „Nessie, Yeti, wahre Liebe”, in dem die sagenumwobene wahre Liebe mal schnell zum kryptozoologischen Phänomen erklärt wird. Die Synthies machen einen auf Akte X und das Ganze bleibt so dermaßen im Ohr hängen, dass es keiner, der diese bis dato eher unter dem Radar stattfindende Platte zu hören bekommt, so schnell vergessen wird.

„Neben Nessie und dem Yeti steht die wahre Liebe! Jeder hat ’ne eigene unglaubwürdige Geschichte zum Publikumsmagnet im Museum der Gerüchte!”

Den extravagenteren Part des Albums markiert „Wann kommt der Doktor?” – Takte werden gewechselt, Gitarren penetriert, Stimmverzerrer zum Einsatz gebracht. Und in „Da war kein großer Bruder” werden die Dinge beim Namen genannt:

„Ich fahre keinen Hemi Cuda, nur einen schrottigen Passat! Ich bums‘ keine geilen Luder, ich mach’s mir selber jeden Tag!”

Nach weniger als 20 Minuten Spielzeit und Lässings abschließendem Kommentar zum Zeitgeist seiner Generation – HoverboardIch, du, er, wir, sie, müssen alle in Therapie!” – ist das ganze Spektakel auch schon wieder vorbei. Aber genau so war es mal wieder: Spektakulär! In seinem Garage-Skatepunk-Indie-Songwritertum hat sich Lässing einen so eigenen Stilmix geschaffen, dass man gar nicht anders kann, als das zumindest spannend zu finden, tendenziell sogar richtig beeindruckend! Ist dieser Künstler die Zukunft der deutschsprachigen Musik? Das Hoverboard hat er jedenfalls schonmal!

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