Iggy Pop 10

Mit seinem aktuellen Album „Post Pop Depression“, das in Zusammenarbeit mit Josh Homme, Dean Fertita (Queens of the Stone Age) und Matt Helders (Arctic Monkeys) entstanden ist, meldete sich Iggy Pop eindrucksvoll zurück, nachdem seine letzten Alben größtenteils unbemerkt blieben. Er hat es noch immer drauf und kann für relevante Musik verantwortlich zeichnen.

Auch live beweist er das aktuell. Zusammen mit seinen drei Kompagnons sowie Troy van Leeuven (ebenfalls Queens of the Stone Age) und Matt Sweeney (Chavez) ist er aktuell in Europa unterwegs. In Deutschland spielten sie in Berlin sowie in Hamburg. Bei letzterem Konzert im Mehr! Theater war ich dabei – obwohl die Konzerttickets schweineteuer waren, denn: Hätte ich mir dieses Iggy-Pop-Konzert mit dieser Besetzung alleine aus finanziellen Gründen nicht angeschaut, würde ich mir das in Kürze selbst vorwerfen. Der innere Schweinehund wurde also in den Urlaub geschickt – ab zu Iggy Pop!

Das ist ja wie im Theater!

Noveller

Die Support-Solokünstlerin Noveller spielte bereits einige Minuten, als ich die elendig lange Warteschlange vor dem Eingang des Mehr! Theaters endlich überwunden konnte. Ihre Musik ist weit von dem weg, was man wohl als „Anheizen“ beschreiben würde. Stattdessen erfüllten atmosphärische Klänge die volle, jedoch nicht gänzlich ausverkaufte Konzerthalle. Diese erzeugt sie live über ihre Gitarre und einer Vielzahl an Effekten.

Wenn man sich darauf einlässt und vor allem auch die innere Vorstellungskraft wirken lässt, offenbart sich Noveller als spannende Künstlerin, die ohne jegliche Texte und nur anhand ihrer Klänge verschiedenste Gefühle und Szenerien kreieren kann. Leider lies sich offenbar nicht jeder darauf ein, denn die kumulierte Lautstärke des Gequatsches wurde im Publikum über den Verlauf des Auftritts immer größer – das ist schade und der Künstlerin gegenüber äußerst respektlos, aber das lernen manche wohl nicht.

Nachdem Noveller ihren Auftritt beendete, ging ein roter Vorhang runter und es begann die Umbauphase. Spätestens durch den Vorhang wurde klar, dass das Konzert einer Art Theaterspiel nahekommen sollte. Das fängt bei jenem Vorhang an, geht über Novellers spezielle und künstlerische Musik und hört beim Bühnen-Layout und der Positionierung der Band auf. Die Kernaussage: Konzerte und Musik im Allgemeinen sind nach wie vor eine Kunstform – etwas, das heutzutage immer öfter vergessen wird. Das Ganze ist recht subtil; denkt man aber etwas darüber nach, wird es einem klar.

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Iggy Pop, wie er leibt und lebt

Iggy Pop 04

Nach einer gefühlt ewig andauernden Umbaupause ging der Vorhang endlich wieder auf und „Lust for Life“ erklang. Iggy Pop war sofort Feuer und Flamme für den Abend, wirbelte vom einen Ende der Bühne zum anderen und zog alle Blicke auf sich. Im weiteren Verlauf des Konzertes wurde er auch nicht müde (was man ihm anhand seines Alters verzeihen könnte); stattdessen suchte er immer und immer wieder den Kontakt zu den Fans, übte sich zwei Mal im Stagediving, sang einen Song direkt in der Menge und posiert lasziv, während die eigene Spucke die Brust runterfließt. Das alles ist Iggy Pop – er, wie er leibt und lebt!

Iggy Pop 07

Auch die, stets gut angezogene und prominent besetzte, Backing-Band wusste komplett zu überzeugen. Homme, van Leeuwen, Fertita und Sweeney tänzelten bewegungs- und stilsicher über die Bühne, während Matt Helders seine Drums tighter denn je spielt. Jeder von ihnen hatte Spaß beim Spielen und das übertrug sich auch auf das ohnehin schon gut gelaunte Publikum, das den Auftritt regelrecht feierte.

Iggy Pop 08

Die Setlist wurde natürlich von den Songs des aktuellen Albums dominiert, allerdings auch von einer ganzen Reihe älterer Tracks ergänzt, sodass am Ende eine bunte Mischung aus Iggys Diskographie entstand. Ob nun „American Valhalla“, „Sixteen“, „Gardenia“ oder „Tonight“ – jeder Song wurde überaus gut von der Crowd angenommen. „The Passenger“ war natürlich der erwartete Volltreffer, bei dem das Publikum praktisch ausflippte. Anschließend wurde das reguläre Set mit „China Girl“ beendet.

Iggy Pop 02

Nachdem es kurz still wurde, setzte die Gruppe zu einer ungewöhnlich langen Zugabe an: Insgesamt sieben Songs wurden noch zum Besten gegeben. Angefangen bei „Break Into Your Heart“, über „Repo Man“ bis hin zum introvertierten „Chocolate Drops“ wurde nochmal eine Palette toller Songs gespielt. „Paraguay“ und „Success“ bildeten dann die beiden abschließenden Songs, die inhaltlich gegensätzlicher nicht sein könnten. Gerade aber „Success“ war eine tolle Möglichkeit, um das fast zwei Stunden lange Konzert mit einem zusammenfassenden Höhepunkt zu beenden.

Eine Höhepunkt-Ära für Iggy Pop

Iggy Pop 09

Am Ende lässt sich nur noch sagen, dass sich der Besuch des Konzertes absolut gelohnt hat! Es standen sechs Ausnahmemusiker auf der Bühne, die wunderbar miteinander harmonieren und jeden Song zelebrieren. Ein solches Gefühl der echten Freude sieht man nicht bei jedem Musiker – vor allem nicht bei Konzerten dieser Größe, da muss man einfach mal ehrlich sein.

Iggy Pop 03

Den fünf Mannen um Iggy Pop geht jedoch ganz offensichtlich das Herz auf, wenn sie mit ihm auf der Bühne spielen und fanden – man sagt es ja so schön – das kleine Kind in sich wieder. Allem voran steht dann Iggy Pop, der in Topform war und den Auftritt alleine durch seine Art zu etwas ganz besonderem machte.

In den vergangenen Monaten drangen ja immer wieder Informationen durch, dass er nach der „Post Pop Depression“-Ära aufhört und wenngleich das natürlich schade wäre, steht aktuell die Frage offen: Wie will er das alles nochmal steigern? Er befindet sich auf einem erneuten Höhepunkt seiner Karriere und das weiß er selbst. Man soll ja aufhören, wenn es am Schönsten ist und diese Tage dürften für ihn im Herbst seines Lebens mehr, als nur „schön“, sein.

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