Was war das damals für eine Aufregung als mit „Yancey Boys“ das erste Album von Illa J erschien. Durfte der das? Einfach so auf Beats seines verstorbenen Bruders, dem legendären J Dilla, rappen? Im Nachhinein erscheint die Frage geradezu lächerlich. Das Album steht mittlerweile als sogenannter „Classic“ in Plattensammlungen von Schöneberg über Barmbek bis Ehrenfeld. Nun erschien vor kurzem das neue Album „Home“.

Gerappt wird allerdings nur noch selten. Stattdessen singt und croont sich der Detroiter durch zehn von Calvin Valentine bereitgestellte Instrumentals. Astreiner, geschmeidiger Sample-Sound, der Illas Heimat alle Ehre macht. Motown anyone? Diese Heimat gibt nicht nur musikalisch den Ton an, die Motorstadt ist auch zentrales Motiv in den meisten Songs. Das Album heißt ja schließlich auch „Home“. Macht Sinn.

Ich gebe zu, dass ich selber kaum mit einem so tollen Album gerechnet habe. Rapper, die anfangen zu singen? C’mon. Das Konzept geht allerdings erstaunlich gut auf. Illa J präsentiert sich zwar nicht als neuer Ray Charles, weiß aber seine Stärken auszunutzen und Schwächen zu kaschieren. Das Zusammenspiel mit dem mir bis dato unbekannten Calvin Valentine funktioniert einfach hervorragend.

Erschienen ist das Album auf dem Kölner Label Jakarta, was in mir die zusätzliche Hoffnung weckt, Illa J demnächst noch einmal live erleben zu können. Bereits vor circa zwei Jahren hat der hochsympathische Dude im Hamburger Stellwerk eine tolle Show abgeliefert. Bis es soweit ist, wird jede Textzeile von „Home“ auswendig gelernt. Ein geniales Album, das einem perfekt das Gefühl von ‚Heimat‘ vermittelt.

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