Die Illegalen Farben aus Köln sind wieder da! Aber waren sie denn jemals so richtig „weg“? Ihr selbstbetiteltes Debütalbum erschien erst vor ziemlich genau anderthalb Jahren. Nun also bereits der Nachfolger „Grau“ – ein nicht ungefährliches Unterfangen, potenziert das doch durchaus die Gefahr, dass man mehr oder minder bloß eine zweite Version des Erstlings produziert.

Während man sich also noch in diesen Gedankenspielen wähnt, pustet einem der Opener „Marsch ins Verderben“ bereits alle Gehörgänge frei und Zweifel weg. Die hart verzerrte Harmonika, die regelrecht den Aufbruch zum Marsch herbeibrüllt, macht ganz zu Beginn klar, dass man sich keine Sorgen machen muss. Um ganz sicher zu gehen, dass man nicht abdriftet, setzt es dann später auch noch ein verprügeltes Ölfass aufs Ohr.

Sicher: Die Quintessenz dessen, was die Farben ausmacht, ist auch hier noch vertreten, aber eben deutlich weiterentwickelt und erweitert. Sie haben noch immer eine sehr eigenwillige und sperrige Auffassung ihrer Musik, mit der sie Indie- und Post-Punk mit Neuer Deutscher Welle zusammenfügen. Ihre Eigenwilligkeit ist auf der anderen Seite aber auch das, was sie so greifbar macht. „Grau“ schlägt eine Brücke aus anspruchsvollen Ideen, tanzbaren Rhythmen und ohrwurmverdächtigen Melodien.

Insbesondere „Problemzone Mensch“ und die aktuelle Single „Frequenz“ setzen sich sofort in einem fest, um sich dann vor allem lyrisch extrem zu entfalten. Dinge in die eigene Hand nehmen, Verzweiflung, Sehnsucht – „Grau“ bietet unheimlich viel und löst beim Hören genauso viel in einem aus und wird von Sänger Thom Kempkes so energisch und eindringlich vorgetragen, dass man sich all dem weder erwehren mag noch kann.

Und wir werden nicht mehr warten
Und wir werden nicht mehr warten bis es uns passiert
Und wir fallen nach unten in den Schatten
Bis die Sonne dann aufgeht
Um uns herum zerfallen die Wände
Um uns herum eine steigende Tendenz
Wir stehen wieder auf den Beinen
Wir tanzen gegen die Frequenz

Illegale Farben – Frequenz

Auf die Spitze treibt das dann nur noch der Closer „Moor“. Wurde man zuvor vor allem durch die forsche Energie durch das Album getrieben, weicht diese hier einem atmosphärisch höchstkalten Post-Punk-Stück, das sich gewaschen hat und auf einem stimmungstechnischen Level mit Turbostaats „Eisenmann“ ist. Wer bis dahin an der Vielseitigkeit der Kölner zweifeln wollte, muss diese nun endgültig fallen lassen.

Was die Illegalen Farben mit „Grau“ abliefern, ist alles andere, als ein bloßes Aufwärmen bekannter Praktiken. Neue Ideen, neue Herausforderungen und musikalisch nochmal deutlich ausgereifter, als es beim Debüt ohnehin schon der Fall war. Viel mehr festigt die Band ihren ganz eigenen und unwiderstehlichen Platz im großem Haifischbecken aktueller Indie- und Post-Punk-Bands.