Indie und Punk – das ist inzwischen eine bekannte Mischung, die von einer Menge Bands zelebriert wird. Das aber zusammen mit NDW? Kann das funktionieren? Die Kölner Newcomer von Illegale Farben, die am 25. März ihr selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlichen werden, wollen beweisen, dass das geht. Der Grundsatz „Punk ist das, was Du draus machst“ soll gelten.

Illegale Farben - Illegale Farben (Album-Cover)

„Newcomer“ ist dabei jedoch eine oberflächliche Betrachtung, denn die fünf Mannen um Sänger Thom haben in den vergangenen Jahren bereits in mehreren anderen Bands (teilweise aus der Hardcore-Szene) gespielt. Eine Sturm-und-Drang-Phase, wie man sie bei jungen bzw. neuen Bands zuverlässig beobachten kann, findet sich auf dem neuen Album also nicht. Das Gegenteil ist viel mehr der Fall, denn man erkennt an den 12 Songs eine gewisse musikalische Reife, die man auf Debütalben sicherlich nur selten findet.

Ich lernte die Band erstmals als Support für Love A in Oberhausen kennen. In Anbetracht des Albums lassen sich durchaus grundsätzliche Gemeinsamkeiten beobachten: Die Illegalen Farben machen Punk-Musik für Punks, die dem Oi-Punk gewissermaßen entwachsen sind (oder sich nie zu dieser speziellen Punk-Szene hinzuzählten, wie ich) und mehr von der Punk-Musik wollen, als drei Akkorde und anspruchslose, weil einfache Parolen. „Wie sieht es aus in Deinem Leben / Kommst Du da lebend wieder raus? / Wie komm ich lebend wieder raus?“ – eine Textzeile des Openers „Wieder raus“, die auffällig passend wirkt.

Dass die Kölner sehr eigenständige Musik produzieren, zeigt sich in allen Ebenen ihres Outputs. Die Texte sind anspruchsvoll, bleiben aber im Gedächtnis. „Der alte Affe will raus aus der Stadt“ skandieren sie in „Endlich wieder was los“, ihrem Ausbruch aus dem generischen und langweiligen Alltag. Oftmals muss man die Songs mehrmals auf sich wirken lassen, um den Sinn hinter den Texten zu verstehen. Irgendwie ist die Verständnis um die Aussage der Songs greifbar nahe, aber doch so weit weg, dass man sich noch einmal mit dem Song beschäftigen will. „Macchina“ ist da ein gutes Beispiel:

Das Kollektiv erhebt sich
Der Schaltkreis, der begehrt Dich
Maschinen übernehmen
Dich wie ein Mensch zu fühlen

Illegale Farben – Macchina

Musikalisch erkennt man einen losen roten Faden, der sich über das Album hinweg zieht. Der Einfluss der Neuen Deutschen Welle ist überall klar zu hören und sie machen den Sound der Band letztlich so einzigartig. Gleichzeitig bleibt aber immer eine gewisse Greif- und Zugänglichkeit, sodass man schnell in die Musik hineinkommt, um dann nach und nach die vielen Details zu erkennen.

Meistens geht es ziemlich gerade nach vorne. Die Drums peitschen die Komposition regelracht voran, insbesondere bei „Die Straßen sind wach“. An anderen Stellen übernehmen die Gitarren diese Rolle, wie bei „15 Minuten“. Die beiden vorab veröffentlichten Songs „Schwarz“ und „Staub” fügen sich überaus gut in den Albumkontext ein. Ersterer vermittelt Nostalgie und Wehmütigkeit, die einen absolut einfängt; „Staub“ hingegen ist ein gefährlicher und bedrohlicher Song, denn „für immer ist der Staub“.

Langweilig wird es aber nie – auch nicht beim Closer „Wellenland“, der eine komplett andere Seite der Band zeigt. Die Instrumentalisierung nimmt sich stark zurück, das Tempo ist gedämpft. Thoms Stimme steht absolut im Vordergrund. Wenn er dann mit voller Inbrunst „Niemals, niemals, niemals, niemals / Niemals zurück“ ruft, wird man glatt wehmütig.

Illegale Farben schaffen einen schwierigen Spagat: Einerseits fangen sie das befreiende und vorangerichtete Gefühl der Neuen Deutschen Welle ein, andererseits schaffen sie es gerade auch dadurch, der deutschen Punk-Musik eine weitere Ebene und einen weiteren eigenen Sound hinzuzufügen. Auch sie sind nun dafür mitverantwortlich, dass deutscher Punk in diesen Jahren so vielseitig ist, wie keine andere Musikrichtung.

Illegale Farben: Tourdaten

  • 16.03. – Frankfurt, Elfer
  • 17.03. – Essen, Don’t Panic
  • 18.03. – Trier, Lucky’s Luke
  • 19.03. – Koblenz, Circus Maximus
  • 01.04. – Köln, Stereo Wonderland (Album-Release-Show)
  • 02.04. – Köln, Gebäude 9 (20 Jahre Rookie Records)
  • 16.04. – Köln, Underdog Records (Record Store Day)
  • 06.05. – Hamburg, Molotow
  • 07.05. – Ochtrup, Café Freiraum
  • 14.05. – Oberhausen, Druckluft
  • 20.05. – Nürnberg, Club Stereo
  • 21.05. – München, Strom
  • 17.06. – Wiesbaden, Schlachthof

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