Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Seit nun schon mehr als 10 Jahren werden jährlich rund um den November mehrere hochkarätige Bands aus der Metalcore-Szene zusammengetrommelt um in ganz Europa die Hallen zum Beben zu bringen. So geschah es natürlich auch dieses Jahr! Während das Line Up der beliebten Tour letztes Jahr mit Emmure und Deez Nutz als Headliner sehr Hardcore-lastig war, gingen die Veranstalter dieses Jahr voll in die emotionale Richtung. Die Melodic-Hardcore Könige von Being as an Ocean führten das Line-Up an und angeheizt wurden die Massen von Bands wie Casey und Northlane.

Da der Beginn für die Show bereits zu der unchristlichen Zeit von viertel vor sechs angesetzt war und ich leider zu der Bevölkerung gehöre, die auch an einem Freitag um diese Uhrzeit noch arbeiten darf, verpasste ich leider die beiden Opener Thousand Below und Currents. Sehr schade wie ich finde, denn ich habe schon viel Gutes von beiden Bands gehört und hätte gerne die Chance genutzt sie live sehen zu können.

Umso schöner war es für mich aber, dass ich es rechtzeitig zur Show von Polar schaffte. Bereits zum zweiten Mal dieses Jahr hatte ich somit die Ehre die Hardcore-Punk Jungs aus England zu sehen. Die Auftritte der Band sind für mich immer wieder sehr energiereich und ausgelassen. Sie verspüren den guten alten Hardcore-Punk-Spirit auch heute noch auf der Bühne und enttäuschen niemals. So natürlich auch dieses Mal nicht. Leider bekamen sie nur eine Spielzeit von gerade mal 25 Minuten, welche sie allerdings voll ausnutzen. Da die Band zur Zeit in den Promo-Arbeiten ihres neuen Albums stecken, welches im Frühjahr erscheinen wird, nutzten sie die Chance ihre neuen Songs zu präsentieren. Diese orientieren sich an dem typischen Polar-Sound und kamen somit wie zu erwarten sehr gut beim Publikum an.

Nach einer kurzen Umbaupause aka. Bierpause betraten anschließend Casey die Bühne. Die Jungs aus South Wales haben sich in den letzten Jahren eine gewaltige und loyale Fanbase zusammen gespielt, welche auch an diesem Abend im Gruenspan anwesend war. Der Sound von Casey ist für viele möglicherweise nicht sonderlich spannend, wodurch ihre Auftritte häufig auf Außenstehende eher langweilig wirken können. Hat man sich allerdings ein wenig mit der Musik der Band beschäftigt, weiß man wie viel Schmerzen und Schweiß dahinter stehen und wird sofort in ihren Bann gezogen.

Auch Casey hatten nur eine sehr unglücklich kurze Spielzeit, welche sie mit einer Setlist nutzen, die zur Hälfte aus älteren Songs besteht und zur zweiten Hälfte aus Songs vom diesjährigen „Where I Go When I Am Sleeping“. Mich hat das zweite Album der Band leider nicht so sehr überzeugt wie ihr Erstlingswerk, wodurch ich die Jungs über die letzten Monate total aus den Augen verlor. Dennoch war es wieder schön sie auf der Bühne stehen zu sehen und ich werde mir mit Sicherheit in nächster Zeit mal wieder in Ruhe das meiner Meinung nach perfekte Album „Love Is Not Enough“ zu Gemüte führen.

Als nächstes wurde die Bühne freigemacht für Alazka. Die Jungs aus Recklinghausen waren der einzige deutsche Vertreter in dem diesjährigen Line Up. Einige mögen die Band vielleicht noch mit dem Namen Oceans Ate Alaska kennen, welchen sie allerdings letztes Jahr ablegten. Mit ihrem Namenswechsel haben sie für einige Schlagzeilen gesorgt und auch einiges an Bekanntheit gewonnen. Das merkte man auch während ihrer Show, wo doch sehr viele Menschen die Texte mitgröhlten und sich der ein oder andere Moshpit bildete.

Sowieso war die Show von Alazka geprägt von sehr viel Energie und man spürte ihre Liebe zur Musik. Für meinen Geschmack betreiben die Jungs allerdings ein bisschen sehr viel Möchtegern-Poserei, was irgendwie wenig authentisch wirkt. Nichtsdestotrotz stehen sie rein musikalisch ihren Kollegen aus England oder Amerika um nichts nach. Sie dürfen ja auch zeigen, was sie können.

Weiter ging mit der vorletzten Band des Abends und von vielen sicher das Highlight des diesjährigen Line-Ups der Never Say Die Tour nämlich Northlane. Egal wo man seit einigen Jahren hin hört oder was man ließt, die Jungs von Northlane werden in den Himmel gelobt. Und das auch durchaus zurecht. Sie schaffen es sich aus dem üblichen Metalcore-Einheitsbrei herauszuheben mit excellenten Clean-Vocals und derben Breakdowns. Dies setzten sie auch live nahezu perfekt um und haben somit innerhalb weniger Sekunden die Menge voll auf ihrer Seite.

Die Australier haben eine goldene Zukunft vor sich und werden auch sicher bald auf den größeren Bühnen zu sehen sein. Auch die Szenegrößen verlieren nur positive Worte über die Australier. So schrieben Being As An Ocean erst kürzlich bei Twitter, dass Northlane klingen würden als wäre Gott auf die Erde zurück gekehrt und sich dazu entschieden hätte Metal zu spielen. Ich denke, das Zitat kann man mal so stehen lassen und sich ein eigenes Bild davon machen. Live sind sie auf jeden Fall eine echte Empfehlung.

Nun kommen wir zum Headliner des Abends: Being As An Ocean. Die Jungs, die es seit Jahren schaffen, dass Melodic-Hardcore immer beliebter wird. Auch mich haben sie mit dem Genre bekannt gemacht und ich lernte es zu lieben. Einige Male hatte ich nun auch schon das Vergnügen sie live sehen zu können und sie wussten es immer zu überzeugen. Ich bin allerdings ein großer Fan von ihren älteren Alben, die bei einem relativ kurzen Set bei einer solchen Tour leider zu kurz kommen. Trotz dessen haben sie mal wieder eine super mitreißende Show abgelegt und die Menge im Gruenspan emotional mitgenommen.

Und somit war die Never Say Die Tour 2018 in Hamburg auch schon wieder vorbei. Sieben einzigartige Bands haben auf ihre Weise bewiesen, wie Musik die Menschen verbinden kann. Und somit schauen wir schon freudig auf die nächste Tour!

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