The Head and the Heart

Credit: Alex Currie

Das vierte Album von The Head and the Heart ist von unterschiedlichen Gefühlen geprägt. Nachdem Sänger Josiah Johnson bereits zu Zeiten von „Signs of Light“ einvernehmlich aus der Band verabschiedet wurde, hat Matt Gervais (nebenbei Ehemann von Violisten und Sängerin Charity Rose Thielen) den Platz endgültig eingenommen. Zudem feiert Keyboarder Kenny Hensley sein Comeback, nachdem er sich zum Endspurt der letzten Tour eine Auszeit genommen hatte. In neuer Bandformation schaffte die Band aus Seattle nun das neue Album „Living Mirage“.

Gleich im Opener „See You Through My Eyes“ werde ich angenehm überrascht, da nun auch Charity eigene Gesangsparts einnimmt, ebenso wie bei „People Need a Melody“. Tatsächlich stellt sich heraus, dass Charity im Vergleich zu früheren Werken öfter zum Mikrofon greift, was die Songs von The Head and the Heart abwechslungsreicher gestaltet. Im Anschluss folgt die Vorabsingle „Missed Connection“, die mich bereits beim Release vollkommen überzeugt hat. Im Vergleich zum Vorgänger „Signs of Light“ schwebt über den Beginn aber eine gefühlte Melancholie.

Dennoch stelle ich fest, dass die Songs im Vergleich zum gleichnamigen Debüt den Indie-Folk Charme verloren haben. In „Honeybee“ steht Sängerin Charity sogar im Mittelpunkt und überzeugt zwar stimmlich. Der Song selber ist allerdings ein Paradebeispiel, wie sich die Musik von The Head and the Heart im Laufe der Jahre verändert hat. Synthesizer haben die akustische Gitarren abgelöst, was als Fan der ersten Stunde natürlich enttäuscht sein kann.

In „Running Through Hell“ gibt es mit dem Einsatz der Mundharmonika einen leichten Hauch Nostalgie und bringt eine angenehme Leichtigkeit in „Living Mirage“ hinein. Auch „Up Against The Wall“ verdeutlicht abermals, dass The Head and the Heart 2019 der Popmusik näher zugewandt sind als der Folkmusik. Allerdings gibt es noch Ausnahmen, wie etwa „Living Mirage“, dass zumindest aus einer B-Seite von „Let’s be Still“ entstammen könnte. Das akustische „Glory of Music“ schließt „Living Mirage“ passend ab, auch wenn es lyrisch betrachtet kein Highlight darstellt.

The Head and the Heart haben im Vergleich zum letzten Album keinen großen musikalischen Sprung gemacht, allerdings haben sie ihren Indie-Pop weiter ausgebaut. Die Songs werden in jedem Fall live funktionieren und ein Albumrelease lässt immer hoffen, dass eine Tour auf dem Plan steht. Wer The Head and the Heart erst zu Zeiten von „Signs of Light“ entdeckt und lieben gelernt hat, der wird mit „Living Mirage“ ebenfalls seine Freude haben!