Directed by Simon Milner, 2014.
Vom Bruch mit den Traditionen.

Wenn es eine Hall of Fame der Musikvideos der vergangenen Jahre gäbe, hätten die Briten von Is Tropical unlängst ihren Platz eingenommen und die größte Aftershowparty der Welt geschmissen. Weil dem aber nicht so ist, bleiben uns eben nur die Partys und ein wenig schöne Musik. Die Indietronicer lassen glücklicherweise nicht locker und bringen auch weiterhin Videoclips zu ihren Singles heraus. Die Leonardo DiCaprios der Musik, so to speak.

Das Video zu „Crawl“ von Gitarrist Simon Milner ist im Vergleich zu den Werken aus der Vergangenheit überraschend gemäßigt geraten. Internationale Untertitel statt Kindersoldaten, Lichtspiel statt nackter Haut. Die Band lässt jedwede Provokation am Straßenrand liegen und konzentriert sich auf das Wesentliche. Es würde uns jedoch auch nicht überraschen, wenn hier lediglich am Budget gespart und zum Albumrelease der dritten LP „Black Anything“ ein visuelles Brett nachgereicht wird. We will see.

„We wanted the music video to be dark and almost have a club basement feel. (…) We aimed to have a heavy grade and strong style, kind of like an old VHS from Africa.“Simon Milner, Interview (2014).

Kirstie Fleck, dessen Stimme noch aus „Dancing Anymore“ frisch in den Ohren sitzt, wurde zum Hauptensemble der Band hinzugefügt. Zusammen mit neuer Sängerin erscheint die LP „Black Anything“ auf dem neugegründeten Label Axis Mundi aus New York. Is Tropical hat Kitsuné verlassen und arbeitete auf Tour eifrig an dem kommenden Longplayer. Die Besonderheit der dritten LP: viele der Songs wurden buchstäblich auf der Straße aufgenommen. Weltweit, auf fünf Kontinenten. Die Idee klingt fantastisch, ihre Umsetzung scheint bislang ebenso gelungen zu sein. Heißt: macht euch mal keinen Kopf, eure Kopfhörer funktionieren natürlich noch bestens.

„We recorded a lot of ‚On My Way‘ outside in Manhattan (…) We didn’t want to use a plug in for the vocal reverbs so hunted out some real life ones. Canal Street subway has some long connecting halls that we would all sit in one end singing and then picked up the sound from the other. Central Park also has those bridges with really interesting reflective sounds. So if you listen closely you can hear people talking, birds cheeping and the subway in the background. I don’t think we would have done this outdoor singing in London but it’s seems quite a normal thing to sing on the streets in NY haha.“Simon Milner, Billboard (2014).

Mit dem dritten Album und einer neuer Plattenfirma im Rücken, versuchen die Briten mit dem Konzept des traditionellen Albums zu brechen. „Black Anything“ wird in fünf Ausführungen erscheinen, jede Veröffentlichung enthält die Tracks die auf dem jeweiligen Kontinent aufgenommen wurden. Part 1 ist seit Dezember erhältlich, die weiteren werden in diesem Jahr folgen. Ein faszinierendes Projekt, dass wir auf Noisiv selbstverständlich im Auge behalten werden.

Und sonst?
Ein ausführliches Interview: noisey hat mit Drummer Dominic Apa über den Produktionsprozess und moderner Vertriebstechniken gesprochen.
On Facebook! Wer auf spontane Anfragen zum Transport des Equipments, oder auf ausfallende Partyfotos steht sollte liken.
Über die Bedeutung von Videos: Pull and Bear wirft einen Blick auf die Stärke moderner Clips mit einem Auge auf Is Tropical.

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