Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

„I’m the guy with the beard and the guitar who sings these sad songs.“ – so beschreibt sich John Allen auf seiner Facebook-Seite selbst. So unverhohlen ist nicht jeder mit sich selbst. Hört man zudem seine Musik, die irgendwo zwischen Singer-Songwriter, Americana und Folk liegt, wird zudem klar, dass das nicht nur unverhohlen, sondern vor allem ehrlich ist. Sein letzter Beweis ist das aktuelle Album „Ghosts“, das zudem auch nochmals untermauert, dass er kein Musiker von der Stange ist.

Vor kurzem hatte Allen ein Heimspiel-Konzert in der Hamburger Astra Stube, die er auch nicht zum ersten Mal beehrte. Nachdem er auf seiner letzten Tour mit einer kompletten Band unterwegs war, spielt er aktuell wieder alleine. Ich hatte die Gelegenheit, ihn an diesem Tag zu begleiten und konnte so einige interessante Dinge über ihn erfahren.

Um 18 Uhr war Get-in in der Astra Stube. Zu dieser Uhrzeit waren wir auch verabredet. Als ich (wohlgemerkt bereits überpünktlich) ankam, war er bereits in der Astra Stube drin. Mich begrüßt ein breites, sympathisches Lächeln, gepaart mit einer überraschend wenig tiefen Stimme. Spricht man mit ihm, ist von der bärigen Whiskey-Stimme, die er auf der Bühne an den Tag legt, nichts zu hören.

Wie gesagt, er ist dieser Tage alleine und dementsprechend leicht unterwegs. Mehr als seine Gibson Hummingbird und sein Keyboard braucht er nicht und selten sah die Bühne der Astra Stube so geräumig aus. Der Soundcheck ist recht schnell erledigt, anschließend baut er seine Merch-Ecke auf. Wir gehen für ein paar fixe Portraits kurz nach draußen. Noch immer ist es über eine Stunde bis zum Einlass hin. Der Hunger setzt nun aber ein und wir gehen zum Falafel-Imbiss gegenüber.

John Allen – Ghosts (Album-Review)

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Vom Lehrer zum rastlosen Musiker

Wir kommen zunehmend ins Gespräch und landen schon bald bei Musik. Ich erfahre, dass er in seinem früheren Leben als Lehrer in Hamburg gearbeitet hat. Jenes Leben gab er auf, um sich komplett seiner Musik zu widmen. Einen sicheren Job für den eigenen Weg der Leidenschaft und in die Unsicherheit hinein aufzugeben – davor habe ich unheimlichen Respekt.

Allerdings ist er kein Musiker, der im großen Rampenlicht des Mainstream steht. Sein Geld verdient er über seine Auftritte, von denen er unfassbar viele spielt. In einem Jahr waren es, so erzählte er es mir, über 180 Konzerte, die er gab. Sein Auto, dass er sich vor anderthalb Jahren kaufte, läuft bereits auf über 150.000 Kilometern, die er quer durch Europa hinweg aufbaute.

Die Miete kann er damit bezahlen, allerdings zeigt sich er sich gleichzeitig auch nachdenklich. Wie lange er solche Pensen durchhalten kann, wird die Zeit zeigen müssen. Letztlich geht es aber immer weiter nach vorne und in meinen Gedanken materialisiert sich das Bild eines Musikers, der nachtsüber einsam seine Kilometer auf den Autobahnen dieser Welt abfährt – irgendwie hat diese Vorstellung etwas romantisches an sich.

Es geht nun zurück zur Astra Stube. Ein paar Minuten ist es noch hin bis zum Einlass, die er für einen kleinen Spaziergang um den Block nutzt. Den Kopf freibekommen, sich innerlich auf das Konzert einstellen. Ich beschließe, ihn bis zum Ende des Konzertes in Ruhe zu lassen, um ihn nicht zu stören.

Songs, die ganz tief ins Herz gehen

Die Astra Stube macht nun ihre Tür auf und so langsam füllt sich der Raum ordentlich. Es sind einige Bekannte von Allen vor Ort, darunter auch drei ehemalige Schüler. Das Publikum ist gut durchmischt, es sind alt und jung vor Ort. Kurz nach 21 Uhr betritt er dann die Bühne und beginnt sein Konzert.

Sofort zeigt er seine einmalige Stimme. Die Songs treffen einen direkt mittendrin. Ich schaue zu und vergesse zwischendurch tatsächlich das Fotografieren, weil ich einfach gebannt zuhöre. Das ist Musik, die auf der Bühne noch mehr lebt, als auf den Albumaufnahmen ohnehin schon. Hier kommt sie richtig zur Geltung, da kommt noch einmal mehr rüber. Die intime Atmosphäre tut dazu ihr übriges.

Bei der Crowd wirkt das. Sie verhalten sich respektvoll, aber nicht reserviert, reden nicht lautstark miteinander, während die Songs gespielt werden und sind bei den Singalongs mit am Start. Das gab dem gesamten Konzert noch einmal eine feine Extranote.

Zwischen den Songs weiß Allen mit lustigen Witzeleien zu unterhalten. Da ist beispielsweise diese eine Exfreundin, über die er einen Song geschrieben hat und über die er sich gerne mal auslässt – was sie mal mitbekam, als sie bei einem seiner Konzerte auftauchte. Das Gelächter war groß, das Grinsen in seinem Gesicht riesig. Immer wieder lockern solche Späße den Abend auf.

Das Konzert geht mit einem sehr ruhigen Stück, dass Allen ohne Mikrofon singt, zu Ende. Der Applaus ist laut und lang, das Konzert ein voller Erfolg und ihm scheint das dicke Grinsen ins Gesicht getackert. Wir sprechen noch über das Konzert, das ihn sehr erfreut hat.

Er verkauft noch ein wenig Merch, spricht mit den Zuschauern, baut anschließend sein Equipment ab und fährt dann relativ zeitig nach Hause, schließlich geht es am nächsten Tag bereits nach Berlin zum nächsten Konzert. John Allen ist immer on the road – vielleicht nicht nachtsüber, wie vor meinem inneren Auge, aber zumindest stets unterwegs. Rastlos, aber irgendwie doch angekommen.

Fotogalerie: John Allen in der Astra Stube

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