John Butler Mehr Theater Hamburg

Foto: Torge Santjer

Es ist der Albtraum einer jeder tourenden Band. Ein Mitglied wird so schwer krank, dass ein Auftritt nicht nur mehr nicht möglich ist, sondern aus gesundheitlichen Gründen sogar vom Arzt untersagt wird. So geschehen bei Grant Gerathy, der seit fünf Jahren an den Drums beim John Butler Trio sitzt und ein festes Bestandteil der Band ist. Nach dem Konzert in Köln und der darauffolgenden Diagnose, stand das John Butler Trio kurz davor die Termine in Hamburg, Berlin und München komplett zu streichen.

Am Ende wurde die Entscheidung getroffen, die Konzerte nicht abzusagen. John Butler würde die nächsten Konzerte solo auftreten und Ticketbesitzer hätten die freie Wahl, entweder die Tickets zurückzugeben oder sich nur John Butler mit seiner Gitarre anzusehen. Dafür geht von meiner Seite ein riesengroßer Respekt raus, denn nicht jede Band hat die Möglichkeit so auf eine solche Situation zu reagieren und auch nicht so eine Fangemeinde, die diesen Umstand ohne Kompromisse annimmt. Also hieß es am Samstagabend im Mehr! Theater in Hamburg nicht mehr John Butler Trio, sondern nur noch John Butler.

Dies sollte mein erster Besuch im Mehr! Theater sein und ich muss leider sagen, dass ich auch nicht ganz so angetan bin von der Location. Im Gegensatz zu den meisten Locations in Hamburg liegt diese etwas auswärts und ist in Hammerbrook auch nichts besonders gut ausgeschildert. Trotz kurzer Schlangen musste man recht lange auf seine Getränke warten und dann war da noch der Sound und die Atmosphäre. Alles wirkte sehr kalt und farblos und auch der Sound war mehr blass und blechern als farbenfroh und wuchtig. Dafür sollte aber die Präsenz von John Butler alles wieder wett machen.

Ein Hocker, ein Marshall Halfstack, ein Mehrfachgitarrenständer samt wertvoller Klanghölzer und ein Pedalboard schmückten die Bühne, ehe John Butler ins Rampenlicht trat. Es folgte ein gewohnt sympathisches Auftreten und eine Setlist gespickt mit Songs aus den letzten 20 Jahren. So spielte er einige ältere Songs wie „Betterman“, Klassiker wie „Used To Get High“ aber auch neue Songs wie „Tahitian Blue“ oder „Faith“ konnte John Butler mit Leichtigkeit auch ohne Band auf die Bühne bringen. Zu den musikalischen Highlights gehörte die Performance von „Revolution“, welche komplett von der Albumversion gelöst wurde und durch eine Loopstation ein ganz neues Feeling verpasst bekommen hat.

Nachdem ich die Band als Trio in der Vergangenheit schon drei Mal live sehen durfte bin ich doch überrascht festzustellen, wie unterschiedlich die Konzerterfahrung ist ob man nun das John Butler Trio oder den Namensgeber solo vor sich stehen hat. Vielleicht wirkte alles auch ein wenig obskur weil die Bühne und die Location dann doch etwas zu groß war. Dennoch war es ein großes Vergnügen diesen einzigartigen Künstler bei dem zu beobachten, was er am liebsten und auch am besten macht. Selbstredend gehörte zum Abschluss „Ocean“ zum Paket dazu, woraufhin alle Besucher glückselig den Saal räumten. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen – und dann wieder als John Butler Trio!