Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Ganz, ganz vorne, da steht er. Eines der stillen Legenden der Musikgeschichte, einer der im Lexikon nicht unbedingt neben McCartney oder Bowie auftaucht. Einer der prägenden Musiker der 90er, der den Kult lieber den glatten Boybands und kantigen Grunge-Helden überlässt. Robuste Statur, gekleidet in Schwarz, von Rockstar-Eitelkeiten keine Spur: Das muss John Garcia sein, dort oben auf der Bühne des Gruenspans – der einstige Frontmann der Mitbegründer des Stoner-Rock, Kyuss.

Schon vor vier Jahren war der US-Amerikaner in Hamburg um sein selbstbetiteltes Soloalbum vorzustellen, sein erstes. Der Sound alter Wüstentage war noch allgegenwärtig, auch auf der aktuellen Platte „John Garcia and the Band of Gold“ ist er zu vernehmen. Garcia und Stoner-Rock, ein Bund für’s Leben und der Fans. Kyuss lösten sich 1995 auf, nur die wenigsten werden sie noch Live erlebt haben. Ob in Hamburg ein paar Klassiker auf der Setlist landen werden?

Es war gegen halb neun, als ich in meinen Ohren erstmals Wüstensand vermutete. John Garcia betrat die Bühne und sorgte sofort für Verwunderung: Offenbar ist seine Stimme im Verlaufe der Jahre nicht gealtert, wie guter Wein läuft sie am Abend bei Kyuss-Klassiker wie „Green Machine“ und „One Inch Man“ zu Höchstleistungen auf. Möglicher Grund: John Garcia hielt sich seit dem Ende von Kyuss musikalisch stets über Wasser, trat mehreren Projekten bei und machte u.a. als Feature-Gast bei Danko Jones und The Crystal Method auf sich aufmerksam.

Wer mit der aktuellen Ausrichtung der Queens of the Stone Age nichts anzufangen weiß, ist bei John Garcia in guten Händen: das explosive „Space Vato“, das treibende Riff bei „Kentucky II“ oder „My Everything“ – all das und mehr gab der Auftritt in Hamburg her. Die Stärke Garcias, sie könnte auch als Schwäche gewertet werden. 24 Jahre nach Auflösung von Kyuss orientieren sich die heutigen Stücke Garcias noch immer an den Desert Rock-Sound, zu oft lassen sie dabei den kreativen Atem vermissen.

Nach knappen 90 Minuten geht der Abend mit Klassikern wie „Supa Scoopa and Mighty Scoop“ und „Whitewater“ zuende, Garcias „Kylie“ schließt die Show gegen halb zehn. Die Show ließ keine Erwartungen offen, den häufigen Danksagungen Garcias folgten unmittelbar einige der größten Klassiker des Desert-Rock-Genres auf den Fuß. Soweit so großartig. Ob Garcia, der bereits an unzähligen Kollaborationen und Produktionen beteiligt war, jedoch mal die „Greatest Hits“ hinter sich lassen und neue Soundsphären betreten kann? Ich mag es zu bezweifeln – und freue mich trotzdem schon auf das nächste Mal.

Fotogalerie: John Garcia and The Band of Gold

Fotogalerie: Dead Quiet (Support)

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