Julian Philipp David Cover

Es ist ein Wunder, dass ich Julian Philipp David überhaupt beim diesjährigen Reeperbahn Festival entdeckt habe.  Was stand da im Info-Text? Er sei Rapper und Songwriter? Er erzähle von „Beziehungen und Freundschaften“ und das Beste sei sein „rhythmischer Flow“. Wer denkt sich denn sowas aus?

Tatsächlich hatte ich noch Wochen danach Ohrwürmer von diesen Songs, die es bislang nirgends zu hören gab. Nun kommt endlich die erste offizielle Veröffentlichung in Form der „Herbst“-EP. Darauf zu finden sind wunderbare Pop-Nummern, die tatsächlich gerappt und gesungen sind. Kurios.

Es klingt kaum so, als wäre ein Newcomer am Werk. Ist er auch nicht. Mit der Band Tonomat 3000 war er, wie auf „Highlights“ erwähnt wird, „drei Jahre lang die beste Band der Stadt“. Offensichtlich ist der Mannheimer kein reines Marketingprodukt.

Dafür sind die fünf Songs zu ausgereift, auch wenn der Pressetext natürlich recht behält, was die Inhalte betrifft. Es geht eben um alles, was einen 24-Jährigen berührt. Allerdings weniger plakativ und oberflächlich, als es zu befürchten wäre und es sonst häufig der Fall ist. Der Flow ist tatsächlich sehr rhythmisch – da kann keiner was anderes behaupten.

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Julian Philipp David beim Reeperbahn Festival

Herausragen tut Julian Philipp David aus der Masse an Newcomer, weil er es souverän schafft eine ganz besondere Atmosphäre zu erschaffen. Die EP ist nicht umsonst nach dieser ungemütlichen Jahreszeit benannt, denn die Songs fühlen sich an, als würde man vor dem Kamin sitzend raus auf die mit Laub bedeckte Straße blicken.

Mit der „Herbst“-EP beweist Julian, dass er ein großartiger Geschichtenerzähler und Songwriter ist. Nebenbei wird dann auch einfach ein neues Genre aufgemacht, denn vergleichbare Künstler wollen mir nicht in den Sinn kommen. Vielleicht ist das auch dieses sogenannte „Crossover“, vor dem mich die Alten immer gewarnt haben? Wer weiß.

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