Directed by Spike Jonze, 2015.
Ein ganz normaler Tag im Schwabenland.

Gar nicht mal so lange her, da gab Kanye West im Zuge der Promotion zum kontroversen „Yeezus“-Album noch wutentbrannt Interviews, in denen der US-Rapper sich u.a. über die Musikindustrie, Radiosender, der Modebranche und dem Design von Wasserflaschen ausgelassen hat. Interviewer Zane Lowe gilt seit jeher nicht nur in seiner Profession als DJ als Meister seines Fachs. Seit letztem Jahr ist es jedoch musikalisch ruhiger um Kanye geworden. Kind und Heirat unter Dach und Fach, folgte 2014 eine Kollaboration mit Theophilus London (wir berichteten). Nun aber soll 2015 das Nachfolgewerk zu „Yeezus“ erscheinen.

Schon auf der ersten Single des bislang unbetitelten Albums wird deutlich: Die „Yeezus“-Ära gehört der Vergangenheit an. Mit „Only One“ ist dem Musiker sein bislang emotionalster Track gelungen. Während niemand geringeres als Paul McCartney das Stück auf der Orgel begleitet, besingt Kanye West sein eigenes Leben aus der Perspektive seiner verstorbenen Mutter. Ein starkes Stück, dass jedoch eine leichte Auto-Tune Bremse gut vertragen hätte. Schenkt man Produzent Rick Rubin glauben, so ist die Entscheidung die Single zu veröffentlichen gerade einmal zwei Tage vor Release gefallen – entsprechend chaotisch lief kurz vor Neujahr der Mixing-Prozess.

Der Clip aus der Feder des Oscar-prämierten Regisseurs Spike Jonze („Her“) zeigt den Rapper bei einem regnerischen Ausflug mit seiner Tochter North. Offenbar war das Ziel einen privaten Homevideo-Vibe zu kreieren, welcher der persönlichen Nähe des Songs gerecht wird. Überraschend: gedreht wurde augenscheinlich mitten in der schwäbischen Alb bei Mössingen! Gut, hätte man sich bei den Bildern auch irgendwie denken können. Leider kommt die Videoversion des Songs geschnitten daher, das grandiose Orgel-Outro von Paul McCartney musste den Bildern weichen. „Only One“ sollte allerdings nicht die einzige Kollaboration beider Künstler darstellen:

Der offizielle Clip zu „FourFiveSeconds“ wird demnächst erscheinen, auch Rihanna ist hier mit von der Partie. Aktuell ist es geplant den Track sowohl auf Rihannas neuem, wie auch Kanyes neuem Album erscheinen zu lassen. Es bleibt spannend, ob es wirklich dabei bleibt. Darüberhinaus ist West auch auf anderen Tracks als Featuregast vertreten. So wird Kanye auf Big Seans kommenden Langspieler „Dark Sky Paradise“ auf mehreren Stücken zu hören sein, mit „Blessings“ (feat. Drake) steht seit letzter Woche ein erster Vorgeschmack bereit.

Zurück zu „Only One“: Spike Jonze zeichnet sich nicht nur für große Hollywood-Produktionen wie Her, Being John Malkovich oder Adaptation. verantwortlich, eine Vielzahl (euch) bekannter Musikvideos kann der US-amerikanische Regisseur ebenfalls auf sein Konto verbuchen. Ob „Da Funk“ von Daft Punk, „Sabotage“ von den Beastie Boys oder „Drunk Girls“ von LCD Soundsystem – überall hatte Jonze seine Hände im Spiel. Ich entlasse Euch mit einem der größten Clips des vergangenen Jahrzehnts, „The Suburbs“ von Arcade Fire.

Und sonst?
Insights zu den Aufnahmen: Rapper Ty Dolla $ign über den Aufnahmeprozess zu „Only One“.
Rick Rubin an den Reglern: Die spontane Idee eine Single zu veröffentlichen und dessen Auswirkungen.
Das Live-Debüt: Auf der Superbowl-Preshow am Samstag sang Kanye den Song erstmals live.
Brandneues „Runaway“-Cover: Sirens of Lesbos covern den Hit aus Kanyes 5. Album!

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