Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Im vergangenen Herbst hat die Stuttgarter Post-Punk-Gruppe Karies mit „Es geht sich aus“ ein unfassbar starkes Album veröffentlicht. Die rohe, ungeschliffene Kraft und die atmosphärische Monotonie und Kälte ihrer Musik sind einmalig in der hiesigen Musiklandschaft. Nun, einige Monate später, gingen sie mit dem Album endlich auf Tour!

Mit dabei war auch ein Szene-Prominenter, denn der Die-Nerven-Antreiber Kevin Kuhn, der das Schlagzeug bereits auf dem Album bearbeitet hat, saß wieder an den Drums – eine News, die im Vorfeld ordentlich die Runde machte und die Vorfreude der Fans nur noch weiter erhöhte.

Auch das Hafenklang, den Hamburger Punk-Laden schlechthin, suchten sie heim. Zusammen mit den Indie-Post-Punkern Pete At The Starclub sorgten sie dabei für einen Konzertabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Pete At The Starclub eröffnen den Abend

Den Anfang machten also die Hamburger Lokalmatadoren, deren Post-Punk vor allem stark Indie-beeinflusst ist, jedoch auch einige Wave-Elemente an den Tag legt. Vom Fleck weg wussten sie mit ihren raumfüllenden Songs zu überzeugen. Unter der Crowd war die Meinung, so weit ich es im Nachgang mitbekommen habe, etwas zwiegespalten, allerdings merkte man davon während des Auftrittes herzlich wenig.

Sicher: Die Musik des Sextetts ist eine gänzlich Andere, als die von Karies, was wiederum wahrscheinlich ursächlich für den ein oder anderen weniger Begeisterten war; ging man allerdings offenen Ohres an die Sache heran, war es ein Leichtes, sich begeistern zu lassen.

Karies reißen das Hafenklang nieder

Nach Pete At The Starclub kamen dann also Karies auf die Bühne. Sie begeben sich an ihre Positionen, Kevin Kuhn lässt die Cowbell ertönen und sofort bricht der laute, ungezügelte Sound der Band über die Crowd hinein. „Es ist ein Fest“ läutet eben jenes ein: Ein Fest der ungehemmten Kälte.

Mit jedem weitergehenden Song entfalten sie sich immer mehr. Die wechselnden Vocals von Benjamin Schröter und Max Nosek lassen einen sich immer neu ausrichten, sie halten die Spannung stets hoch. Primär werden Songs des Albums gespielt, allerdings heizen sie auch auch mit älteren Stücke, wie „Ego“, ordentlich ein.

Die Atmosphäre ist hitzig, die Luft wird von den schrillen Gitarren-Sounds geradezu geschnitten. Songs bauen sich lange auf, Melodien werden wiederholt, bis sie sich unweigerlich ins Hirn hineinfressen. Das liegt mit Sicherheit auch an Kevin Kuhn, der es wie kein anderer versteht, seine Bandkollegen nach vorne zu treiben und dabei mit seinen Grimassen wie der sympathische Zirkus-Dompteur zu wirken. Gegensätzliches, das nicht besser zusammenpassen könnte.

Nach der Setlist gibt es dann noch die obligatorische Zugabe, bei der es Benjamin Schröter sogar in die Menge zieht. Die erwähnte Atmosphäre im Hafenklang scheint auch an der Gruppe nicht spurlos vorbeigegangen zu sein, betonte Kuhn witzelnd doch während des Konzertes, dass die Crowd für Hamburger Verhältnisse doch ziemlich gut sei.

Nach dem Ende des Konzertes muss man erst einmal tief Luft holen. Das, was man hier gerade zu Gesicht bekommen hat, ist etwas besonderes; etwas, das aus der Masse an Konzerten heraussticht. Diese Energie, diese Songs, diese Atmosphäre – das erlebt man wirklich nicht oft. Karies gehören zu den Post-Punk-Bands der Stunde und das haben sie sich redlich verdient.

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