Foto: Charles Engelken

Rookie Records haben zugeschlagen. Es hat gedauert, aber gut Ding will Weile haben. Nach dem Betriebsumzug von Köln nach Hamburg haben sie endlich eine erste Band aus der Hansestadt im eigenen Roster. Und eben jene Gruppe – Keele, um genau zu sein – veröffentlichen nun ihr Debütalbum „Gut und dir“, nachdem es im Vorfeld eine ordentliche Menge Aufmerksamkeit gab.

Hört man das Album, möchte man meinen, dass das alles Unsinn ist und die Band hier gar nicht ihr Debüt, sondern bereits ihr drittes oder viertes Album, präsentiert. Der Sound wirkt reif und überlegt. Sie haben eine ziemlich gute Idee davon, wo sie musikalisch mit ihrem brechenden Post-Punk und Elementen aus Post-Hardcore und Indie hinwollen. Eher Turbostaat, als Messer. Mehr Freiburg, denn Karies. Schön druckvoll, nach vorne heraus und immer wieder mit coolen Melodien gespickt.

Und hier drückt niemand auf Pause
Hier schlägt der Kirchturm wie bisher
Du kannst nicht weiter da hinsehen
Wo Du Deinen Rücken hinkehrst
Und nein Du nennst das nicht Wegrennen
Du nennst das Suche nach Dir selbst
Ich nenn das Dankeschön, fuck you
Ich bleibe gern hier zurück

Keele – Terminal

Lyrisch herrschen Melancholie, Kritik und etwas Verzweiflung vor. Die Welt ist eben ein scheiß Platz und da machen sich auch Keele nichts vor. Ob nun gescheiterte Beziehungen („Terminal“), Gentrifizierung und moderne Oberflächlichkeit („Sektempfang“) oder das Wegwerfen eigener Träume („Handfaust“); natürlich sind all diese Themen keine Unbekannten, allerdings haben sie ihre Wege gefunden, um eben jene Themen auf ihre eigene Art zu beackern – notfalls auch, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wie im genannten „Handfaust“: „Und Deine Träume wirfst Du wie ein Feigling an die Wand“. Sie sind direkt, kommen ohne verzwackt-codierte Texte aus verzichten auf langweilige Plattitüden. Eine Kombination, die erfrischend wirkt.

So erfrischend wirkt „Gut und dir“ auch als Gesamtwerk. Der musikalische rote Faden zahlt sich zweifelsohne aus. Sie probieren sich nicht in zig verschiedenen Stil-Richtungen und ziehen lieber ihr Ding von vorne bis hinten durch. Heraus kommt Punk-Musik, die im Kopf bleibt, einer gewissen Zugänglichkeit nicht abgeneigt ist und trotzdem darauf bedacht ist, dass dieses kleine feine Ding eben ihr eigenes Ding bleibt.

Keele: Live auf Tour

  • 28.04. – Hamburg, Hafenklang (Release-Konzert)
  • 24.05. – Oberhausen Druckluft
  • 25.05. – Köln, Tsunami
  • 26.05. – Wiesbaden, Schlachthof (+ Love A)
  • 27.05. – Leipzig, Conne Island (+ Love A)
  • 28.05. – Berlin, Badehaus
  • 15.06. – Kiel, Schaubude
  • 16.06. – Flensburg, Volksbad