kenay

Der 26-Jährige Kenay steht schon seit längerer Zeit auf Bühnen und hinter Reglern, doch bis zur Solokarriere war es ein längerer Weg: Mit seiner Rapcrew Doppeldecker spielte er im Vorprogramm von Größen wie Blumentopf oder Denyo, mit den Tracksetters schraubte er an Hip-Hop-Beats, doch diese Arrangements wurden schnell zu begrenzt für den Geschmack des Hamburger Produzenten.

Dass ihm großangelegte Arrangements am Herzen liegen, zeigt seine neue Single „Müde Pioniere”: Nach einer EP unter dem Namen Ken Kenay bildet sie den Neuanfang unter reduziertem Namen und auch das Soundbild scheint zunächst etwas reduziert. Kenay lässt es bedächtig angeht, gibt seinem Song die nötige Zeit,mp um sich aufzubauen und erst nach einem längeren Part, der nur von Piano und seichten Drums geprägt wird, werden die müden Pioniere von einem postrock-esken Finale geweckt, das ein wenig auf den Pfaden Caspers wandelt. Doch Rap ist mittlerweile nicht mehr das Mittel der Wahl für Kenays Lyrics. In ruhigem und doch emotionalem Tonfall singt er Zeilen, die am Zahn der Zeit und passend zu seiner Generation sind:

Wir haben Mittel und Wege gefunden, die Welt vom Bett zu erkunden. Manchmal denk‘ ich, alles sei entdeckt. Dabei weiß ich nicht einmal, was in mir steckt. Es gibt Leute, die für uns die Wege gehen. Und solche, die uns helfen, zu verstehen.

Neben dem Original enthält die EP drei Remix-Versionen von „Müde Pioniere”. Auch im Soundgewand des Berliner Post-Dubstep-Künstlers Robot Koch weiß Kenays Song sich gut zu entfalten. Orsons-Viertel und Beat-Tüftler Tua wandelt den Track dann umso mehr ab und präsentiert eine ruhig groovende Dub-Version samt den für den seinen Sound so prägenden, tausendfach durch den Verzerrer gejagten Gesangsfragmenten. Den Abschluss der Remix-Trilogie gibt Nico Push, der die Club-taugliche Variante abliefert. Minimal halt – wer’s mag, wird auch diesen Remix zu schätzen wissen, mich allerdings ödet das Genre einfach komplett an, weshalb Track 4 auf der EP leider zum Skipkandidaten degradiert werden muss.

Aber Halt, es gibt ja noch einen fünften Song auf Kenays Release: Ein weiteres Mal gibt sich der Songwriter selbst die Ehre und uns einen weiteren Vorgeschmack auf baldige LP-Veröffentlichungen. „Apriltag am Elbstrand” ist ein etwas verspätetes Frühsommer-Kleinod, eine hübsche Singer-Songwriter-Ballade mit Wandergitarre und Streichern. Kim Frank würde das auch gefallen – und das spricht absolut für Kenay! Definitiv ein spannender, neuer Pop-Act, der sich gerade warm macht und uns hoffentlich schon bald mit mehr von diesem qualitativen Output versorgen wird.

„Müde Pioniere” ist am 14. August digital bei Columbia erschienen.

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