Bildquelle: Bandcamp | Keshavara

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Vor zwölf Jahren veröffentlichten die Kölner Timid Tiger ihre erste EP „Timid Tiger & The Electric Treasure Box“ und mauserten sich mit deren Überhit „Miss Murray“ schnell zum Szene-Liebling und L’Age D’Or-Signing. Wie man sie damals wahrgenommen haben muss? Nun ja, als niedliche Indietronic-Truppe vermutlich, nichts weiter spannendes, aber definitiv on point in ihrem Songwriting.

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Dass die Band jedoch mehr sein wollte als das, zeigte sich schon auf ihrer zweiten, erst einige Jahre später veröffentlichten und leider weniger erfolgreichen LP. Songs wie „Ina Meena Dika“ manifestierten eine Abkehr vom Riff, hin zum Beat, und zeigten zugleich einen wichtigen Aspekt bei der Entstehung von Timid Tiger-Songs auf: Die Herkunft von Sänger Keshav Purushotham aka. Keshavara. Dieser wuchs als Sohn des indischen Jazz- und World-Percussionisten Ramesh Shotham in Köln, Indien und auf Tour auf. Ein Fakt, der ihn nun dazu verleitete, sich mit dieser musikalischen Herkunft, in die er hineingeboren wurde, näher auseinanderzusetzen. Jene Reise, mündet jetzt in seinem ersten, selbstbetitelten Album, das am vergangenen Freitag bei Papercup Records erschien.

Nun mag man zunächst skeptisch sein, wenn man von der indischen Musikkultur nicht mehr als Klischees kennt, sich das kitschige Cover ansieht und an Songs wie den oben bereits erwähnten zurückdenkt, auf die Purushotham vielleicht eine Scheibe Cheesyness zu viel legte. Der erste Song jedoch belehrt uns eines Besseren, was den Sound seines Solodebüts angeht: Der Wandel zum Beat-Produzenten ist nun vollends abgeschlossen und im Hip-Hop-Track „Creators of Rain“ aufgegangen. Klar, das klingt schon alles sehr sonnig und nach Seelenfrieden, dabei aber maximal geschmackvoll und keineswegs nach krampfhafter Adaption indischer Musiktraditionen im moderneren Gewand.

Stattdessen fokussiert sich Keshavara auf eine gelungene Melange westlicher Musikstile – nicht grundlos ist das Album bei Bandcamp mit so vielfältigen Genres wie Pop, Boogie, Electronica, Folk und Hip Hop getaggt. In der Video-Single „It’s Raw“ klingt zudem sogar noch ein wenig Timid Tiger nach, „5forty5“ eröffnet anschließend den Dancefloor mit einem absoluten Brett von Hook, gleich danach geht es dann jedoch zurück in den „Melancholy Sunshine“ und damit in die Hängematte. Das ist wohl auch der optimale Ort, an dem sich „Keshavara“ rezipieren lässt. Diese Platte ist tiefenentspannt und doch bleibt sie durchweg spannend, der gelungene Spagat zwischen den diversen Genres macht sie zu einem wunderbar kurzweiligen Hörerlebnis.

Indisch akzentuierte Vocal-Samples, mit denen der eine oder andere Track angereichert wird, fügen sich ebenso gut ins Konzept ein, wie das komplett ohne Stimmen auskommende „Hotel Zen Garden“. In beiden Fällen klingt das Album nach weiter Welt und nach einer gesunden Prise Spiritualität. Eine Dreiviertelstunde lang geht Keshavara spielerisch mit allem um, was ihn musikalisch und kulturell beeinflusst hat und behält dabei stets seine Stilsicherheit. Starke Leistung, sehr hörenswerte Platte!

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