Kick Joneses

Bildquelle: Facebook

Erinnern wir uns kurz zurück – genauer gesagt an den 20. Rookie-Records-Geburtstag, den das alteingesessene Punk-Label Anfang September in Hamburg feierte. Dort trat unter anderem auch Walter Elf auf – die meisten Gesichter (unter anderem auch das des Gitarristen und Rookie-Chefs Jürgen Schattner) finden sich auch in Kick Joneses wieder, welches inzwischen eigentlich das Hauptprojekt in ihrem Kosmos ist. Nach sieben Jahren veröffentlichen sie nun mit „Unexpected Gift“ wieder ein Album und das sogar als Doppel-LP.

Kick Joneses - Unexpected Gift (Album-Cover)

20 Songs beinhaltet das gute Stück, 75 Minuten lang geht der Spaß. An einem solchen Mammutprojekt scheitern die meisten Bands, die es viel zu oft einfach nicht schaffen, ihre besten Songs herauszupicken und den vorhandenen Haufen einfach als Doppel-Album veröffentlichen. In diesen Jahren ist man inzwischen also weitgehend darauf konditioniert, derartigen Veröffentlichungen kritisch gegenüberzustehen und ich müsste lügen, würde ich sagen, dass es bei „Unexpected Gift“ im Vorfeld nicht so gewesen sei.

Der Weihnachtsmann holt gern die Rute raus, wenn ein hochnäsiger Musik-Rezensent mal wieder nicht die Klappe halten konnte. Ich hingegen halte es gewalt- sowie jugendfreier und sage: „Auch ein Idiot, wie ich, kann sich mal täuschen“. Der variationsreiche Power-Pop-Punk von Kick Joneses macht einfach Spaß und ist zugleich auch noch interessant!

Mal zeigen Kick Joneses ihre Zähne mit Overdrive-Gitarren und gehen voll durch die Wand, wie in „Give You Up Girl“, mal sind die Songs Synthie- und Wave-dominiert und in anderen Songs leben sie in einer schlichtweg coolen Koexistenz – der Opener „Haven’t Got Anything To Do“ zieht einen damit direkt in dieses Album hinein!

Es ist das ständige Ausprobieren, das die Musik des Sextetts stets interessant hält. „Hail of Blows“ zeigt auffällige Surf-Einflüsse, während „Ship In Heavy Water“ den Boogie gepachtet hat. Da gibt es eine ganze Menge zu entdecken. Einerseits kann man die Songs effektiv auf der nächsten Indie-Party laufen lassen, andererseits gehen sie einem auch an einem ruhigen Abend nicht auf den Zeiger.

Sicherlich: Bei 20 Songs wird fast jeder den ein oder anderen Song entdecken, der nicht hundertprozentig gefällt – lyrisch kommt „1-2-3 Times Better Than You“ beispielsweise nicht über das Teenager-artige Verarbeiten der Ex hinaus; im Anblick des Großen und Ganzen schaden diese wenigen Momente dem Gesamteindruck des Albums jedoch nicht.

Unexpected Gift“ ist der lebende Beweis dafür, dass Doppel-LPs immer noch funktionieren können und einer Band die Ideen auch über 20 Songs hinweg nicht ausgehen müssen. Alleine das ist schon unheimlich viel wert und gilt unbedingt zu beglückwünschen.

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