KMPFPSRT

Foto: Michael Winkler

Eine musikalisch bewegte Vergangenheit haben KMPFSPRT ja durchaus vorzuweisen. Während das Debütalbum „Jugend Mutiert“ einem mit brachialem Punkrock die Ohren frei ballerte, rutschten sie auf „Intervention“ stellenweise schon in Pop-Rock-eske Gefilde ab. Album Nummer drei „Gaijin“ schlägt wiederum eine härtere Gangart ein.

KMPFPSRT - Gaijin

Bereits der erste Song „Trümmer“ entschädigt für alles, was man an „Intervention“ aussetzen konnte. Krachende Riffs und harte Drums, laut und ungehobelt, kritisch getextet obendrein. Dazu Richard Meyer und David Schumann in bester stimmlicher Manier. Gegen Penner in der TV-Suppenküche, Selfie-Hedonismus und allem, was in unserer modernen Gesellschaft falsch läuft. Ein Rundumschlag, wie die Kölner ihn seit jeher gerne praktizieren, in der Ausführung perfekt gelungen.

Warum der Opener so wichtig für das Album ist? Weil der Rest den nun so hoch geschossenen Erwartungen nicht immer gerecht werden kann. Sicher: Eine gewisse Härte bleibt freilich wie glücklicherweise, jedoch fehlt es oft an der letzten Dringlichkeit, da vor allem die Refrains so sehr auf Brüll-along getrimmt sind. „Pauken & Trompeten“ irritiert mit der Chor-Einlage am Ende des Songs schon fast.

Das, was „Gaijin“ rettet, sind die Aussagen und politischen Standpunkte. „Kreuz“ ist eine gleichermaßen wichtige und wütende Standpauke gegen das Sterbenlassen von Geflüchteten und sonstwie Hilfebedürftigen. Knüppelige Konsumkritik gibt es in „Freut euch nicht zu spät“, nebenbei gibt es dort noch den Seitenhieb gegen die verkommene Gesellschaft.

Ein bisschen ist man bei den Kölnern immer noch hin und hergerissen: Die Aussage stimmt, die Härte ist in vielen Momenten wieder größtenteils da, wo sie hingehört. Das letzte Quäntchen Entschlossenheit und vielleicht auch der eine oder andere seichte Refrain weniger würden „Gaijin“ nun wohl noch gut stehen; etwas mehr beinharter Mittelfinger statt „Arm in Arm den Refrain mitbrüllen“ unter glückseligen Punks in guter Gesellschaft.

Fest steht jedoch auf jeden Fall: KMPFSPRT sind zurück im Rahmen der bedeutsamen deutschen Punk-Bands, haben ihren Pop-Rock-Ausflug beendet und sind auf einem guten Weg. Dafür dürfen wir alle dankbar sein.