Kneeless Moose 01

Guter, alter Blues-Rock ist auch heute noch genauso salonfähig, wie vor 20, 30 Jahren. Dieser Überzeugung sind auch Kneeless Moose aus Hannover, die mit „Tortuga“ ihr zweites Album nach dem 2012er-Erstling „Soultravel“ veröffentlichen. Das Album sprießt den Blues praktisch in Fontänen aus, aber: Machen sie den Blues nur oder haben sie ihn auch?

Kneeless Moose - Tortuga

Dass Kneeless Moose tanzbare Musik machen, die zweifelsohne ins Ohr geht und die Beine zur Bewegung drängt, zeigen sie bereits beim Opener „Good ld Times“. Der Song stellt gleichzeitig auch eine Hommage an vergangene Blues-Zeiten dar – sowohl lyrisch, als auch musikalisch: „There was a time when the sun used to shine“ ist ein Satz aus dem Song, der im Kopf hängen bleibt. Die Kombination aus dem eingängigen Gesang von Thomas Wisniewski und der Rhythmik mit den häufigen Tempowechseln ist auf alle Fälle ein guter Start ins Album und lässt auf mehr hoffen.

„Tortuga“ ist allerdings kein reinrassiges Blues-Rock-Album, denn immer wieder hört man auch Grunge-Einflüsse heraus, die mal mehr, mal weniger deutlich hervortreten. „Aegis“ und „Lucky Girl“ sind zwei dieser Songs, bei denen Letzteres zutrifft: Schwerfällig, erdig, wenig leichtfüßig – Grunge eben. Diese regelmäßigen Abwechslungen und Reisen in andere musikalische Gefilde tun dem Album sehr gut, dem ansonsten über die Länge der 14 Songs früher oder später die Luft hätte ausgehen können.

Eines meiner persönlichen Highlights des Albums ist der Song „His own Dr. Inside“, der sich in den Versen ruhig und bedächtig verhält und im Chorus ein riesiges Volumen aufbaut. Mit Inbrunst singt Wisniewski „So much to laugh about / So much to shout about“ in die Welt hinaus und man hat das Gefühl, dass er diese Steigerung immer weiter tragen könnte.

Kneeless Moose 02

Aber: Über die Qualität der Lyrik habe ich bisher, euch ist es vielleicht aufgefallen, keine Worte verloren und das hat auch einen Grund: Die Texte bleiben mir leider nur in den seltensten Fällen hängen. Sie zeugen weder von besonderer Finesse, noch setzen sie der zweifelsohne vorhandenen Rhythmik eins oben drauf. Sie sind aber auch keineswegs „schlecht“, leider aber eben nichts besonderes. Blues ermöglicht das Erzählen von Geschichten auf ganz besondere und authentische Art und Weise, kann die Musik tragen und beflügeln und sie vom Einheitsbrei differenzieren – das habe ich hier leider vermisst.

Das wiederum ist auch der große Aufhänger an „Tortuga“ für mich. Instrumental hat das Trio einiges drauf, die Bassline von „Family Van“ ist Basser Leon Mache ausgesprochen gut gelungen und der Song ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Jungs groovige Musik machen können. Mir fehlt jedoch das letzte Quäntchen, der mich vom Album völlig überzeugen würde und das sind die textlichen Inhalte. Wenige Aussagen bleiben im Kopf hängen (die erwähnte Zeile aus „Good old Times“ bleibt mit Abstand am Stärksten hängen) und gerade hier erkennt man, dass Kneeless Moose „Blues machen“, aber noch keinen „Blues leben“.

Wie gesagt: Blues lebt zu großen Teilen von den Geschichten und Emotionen, die in dieser Musik musikalisch kommuniziert werden. Nichtsdestoweniger ist „Tortuga“ eine große Steigerung zum, ohnehin schon recht ordentlichen, „Soultravel“ und bereits damals war Talent zweifelsohne erkennbar. Kneeless Moose ist eine Band, die meiner Meinung nach vor Talent strotzt und die ganz offensichtlich stetig an sich arbeitet. Sofern sie diese Einstellung beibehalten, sage ich dem Trio eine qualitativ hochwertige Zukunft voraus und „Tortuga“ ist als Teil dieser ganz großen Reise für drei Musiker anzusehen, die Bock auf das haben, was sie machen.

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