Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Kennt ihr das? Auf der Autobahn passiert ein Unfall und man muss einfach hingucken? Natürlich ist Gaffen scheiße – keine Frage – aber ungefähr so ergeht es einem mit Kolari. Weggucken: Unmöglich.

Stefan (Gesang), Robert (Gitarre), Sebastian (Schlagzeug), Matthias (Bass) und Tim (Gitarre) haben dieses Jahr nicht bloß ihr Album „Fear/Focus“ veröffentlicht, sondern unter anderem auch auf dem Highfield und dem Oakfield Festival gespielt und sind auch noch auf ihre erste eigene Headliner Show gegangen. Ich durfte mit Tim und Robert vor ihrem Auftritt in Hamburg plaudern. In unserem Gespräch ging es neben ihrem Bandnamen um Rezensionen zu ihrem Album und Vergleiche mit anderen Bands. Und wer noch Pflegetipps für das Haar braucht, der sollte unbedingt bis zum Schluss lesen!

Ich habe direkt eine richtig dumme Frage, und zwar habe ich so Namen von euch gefunden wie Dwarfmaster Flash, Bumblebear, The Wall, Octopimp und Sweetie Pie, aber ich darf euch schon mit euren normalen Namen ansprechen, oder?

Tim: Wir bitten darum.

Robert: Das heißt auch, das du die Vorbereitung schon vor einem Weilchen gemacht hast, denn die sind mittlerweile auf jeden Fall von unserer Seite verschwunden.

Vielleicht habe ich sie ja auch woanders gefunden. Aber die Namen dürfen also aus dem Gedächtnis gestrichen werden?

Tim: Das war einfach nur eine dumme Idee, als uns am Anfang noch keiner kannte. Da dachten wir, wir machen ein bisschen Quatsch auf unserer Facebook-Seite und irgendwie haben sich die Leute auf diese Namen und unseren Promo-Text gestürzt.

Kolari ist eigentlich eine Gemeinde im finnischen Teil Lapplands. Was verbindet euch mit Finnland?

„…das bedeutet auch Verkehrsunfall…”

Tim: Überhaupt gar nichts. Den Namen – das ist eigentlich eine ganz lustige Kiste – weil, du weißt ja, dass die Bandnamen-Suche Jahrhunderte dauern kann und das über die Auflösung der Band hinaus. Und ich hab halt irgendwann mal festgestellt, wenn man eine Webseite besucht, wo man Schriftarten herunterladen kann, diese Schriftarten teilweise fantastische Bandnamen haben. Da wir uns schon in drei Abendsessions mit jeder Menge Portwein und Havanna Cola nicht einig werden konnten, habe ich es da mal versucht und da fiel mir die Schriftart Kolari ins Auge – die nicht besonders schön ist – und irgendwie konnten wir uns da alle drauf einigen. Das Ding ist, dass wir erst später erfahren haben, dass es eine Gemeinde in Finnland ist. Irgendwann haben wir aber tatsächlich mal ein finnisches Pärchen auf einem unserer Konzerte getroffen und die so „Ey, wisst ihr überhaupt, was das bedeutet?“ und wir so „Ja, das ist halt so ein Örtchen“ „Ne, das bedeutet auch Verkehrsunfall“.

Man muss einfach hingucken! Das passt ja ziemlich gut!

Robert: Oder was auch absurd ist: Wir haben ne Facebook-Seite am Start und dann kommen immer so Likes aus Pakistan und Indien und du fragst dich, warum? Dann haben wir es in Verbindung mit Pakistan und Indien noch einmal gegooglet und herausgefunden, dass es da eine Kaste gibt – diese Gesellschaftsschichten. Und die heißt halt Kolari und deshalb bekommen wir „Fans“ aus Südostasien.

Ich finde das mit dem Verkehrsunfall eigentlich am Besten, das passt gut zu euch. 

Ihr habt heute den letzten Tag eurer ersten Tour. Wie ist es euch ergangen? Würdet ihr im Nachhinein etwas anders machen und was hat euch besonders gut gefallen?

Tim: Ich würde das Merchandise besser ordnen. Es ist einfach ein Krampf. Es sind Kisten die überall rumstehen und einer stellt es dann hin, dann sortiert es keiner und wenn Leute kommen und etwas kaufen wollen, das sucht man eine Viertelstunde lang.

Robert: Würden wir sonst irgendetwas anders machen? Ich glaube ehrlich gesagt nicht. Berlin war richtig, richtig gut. Gute Resonanz, hat Spaß gemacht, die Leute hatten Spaß und gestern war auch gut. Der Veranstalter Vorort sagte, das Frankfurter Publikum ist sehr ausgehfaul unter der Woche – kleine Band die eigentlich keiner kennt – das ist da völlig gut gewesen. Live hatten wir sehr viel Spaß, die Stimmen sind etwas angeschlagen, das ist aber normal, gerade bei mir.

Tim: Ich wüsste ansonsten auch nichts. Ich würde vielleicht noch eine Hose mehr mitnehmen.

Hat euch etwas ganz besonders gut gefallen?

Tim: Musikmachen gefällt uns eigentlich ganz gut (lacht). Und gestern in Frankfurt gabs Apfelwein und das hat mir sehr gut gefallen. Das Zweitbeste neben dem Musikmachen ist ja auch immer Leute kennenlernen. Oder man versteht sich halt so super gut, im besten Falle mit den Vorbands. In Berlin mit Hedger war das sehr hervorragend, weil wir da auch gepennt haben und uns ein bisschen mehr austauschen konnten. Das macht das Ganze erst richtig rund, wie eine Klassenfahrt für erwachsene Leute – äh Volljährige meine ich.

Robert: Genau, Erwachsen ist relativ. Volljährigkeit haben wir alle erreicht aber das mit dem Erwachsensein das wird in diesem Leben nichts mehr.

Ich kann mich an einen Auftritt von euch vor ca. 2 Jahren im Treibeis in Altona erinnern …

(Erstmal Diskussionen darüber, ob das wirklich 2 Jahre her ist – keiner weiß es)

Tim: … aber cool, dass du da warst, da ist ja auch das Foto von unserer Platte hinten drauf entstanden.

… danach hab ich persönlich nicht mehr viel von euch gehört und dann steht ihr auf einmal unter anderem auf dem Highfield auf der Bühne. Jetzt frage ich mich, wie habt ihr das gemacht, habt ihr vielleicht ein paar Connections spielen lassen?

Tim: Es ist magic! Was heißt Connections spielen lassen? Ja, das hat sicherlich eine Rolle gespielt.

Robert: Es hat eine Rolle dahingehend gespielt, dass natürlich jemand erstmal bereit dazu ist, diese Platte anzuhören; es spielt aber keine Rolle, dass dann jemand von FKP sagt „Wir machen das“. Das ist halt ein Business und die machen keine Freundschaftsdienste in dem Sinne. Wir haben das unfassbare Glück gehabt, dass Menschen in unserer jetzigen Booking Agentur das angehört haben und gesagt haben, „Wir finden es gut und lass doch mal gucken, ob wir was zusammen machen“. Und diese große Pause, die du ansprichst hat damit zu tun, dass wir das letzte Jahr all das vorbereitet haben, was jetzt kommt. Im ersten Halbjahr 2016 haben wir das Album geschrieben und dann haben wir noch 2-3 Gigs gespielt und dann war halt Studio und Videos drehen angesagt. Im April ging es wieder los mit Shows spielen und dann kam im August der Album-Release und jetzt geht es quasi los. Deswegen hat man einfach lange nichts gehört, weil das echt Zeit braucht.

„Fear/Focus“ ist der Albumtitel. In meinen Augen kann man das sehr vielfältig interpretieren. Was ist denn eure Interpretation dazu?

Tim: Na ja, Robert, der ja hauptsächlich für die Texte verantwortlich ist, ist ein sehr sozialkritischer Mensch, der sich auch politisch viele Gedanken macht. Und Themen auf zwischenmenschlicher Basis oder Dinge, die uns auch im Alltag passieren, liegen uns sehr am Herzen und darüber regen wir uns auch gerne auf. Und wir mussten einfach feststellen, dass in den Jahren, wo jetzt so dieses Album entstanden ist und wir die Songs geschrieben haben, diese ganze Pegida-Nummer passiert ist und der komplette Rechtsdruck und dann kam auch noch Trump dazu … Und dieses Gefühl basiert ganz oft auf einer diffusen Angst. Gerade bei den Leuten die marschieren und die Muslime rausschmeißen wollen – die sehen halt links und rechts nichts anderes mehr, die sehen nur noch diese Angst. Und a) mag ich Alliterationen und b) ist es halt dieses fokussieren auf Ängste, die einen so durchdrehen lassen. Das fanden wir, war dann im Albumkontext doch ein ganz gutes Bild dafür.

Die guten Rezensionen überwiegen ja schon, aber ich hab mal zwei gemeine Sätze aus Rezensionen kopiert und ihr sagt mir, was ihr den Leuten bei einem Kaffee darauf antworten würdet:

Tim: (lacht) lass hören!

„Der restliche Text ist zwar über das gesamte Album hinweg keine poetische Meisterleistung, für junge Nicht-Muttersprachler aber annehmbar.“ Jonas – Silence Magazin

Robert: Also ich hab das gelesen und ich hab das für mich einfach so abgenickt. Es war einfach so, ja ok, wenn das deine Meinung ist, dann ist das so. Ich maße mir an zu sagen, dass mein Englisch besser ist als für einen jungen nicht Muttersprachler und ich maße mir auch an zu sagen, dass ich mir relativ viele Gedanken darüber mache, was ich da schreibe. Aber tatsächlich würde ich da nicht auf die Idee kommen darüber mit jemandem zu diskutieren. Das ist eine völlig subjektive Wahrnehmung und wenn jemand …

Tim: … mehr Shakespeare hätte …

Robert: Genau … und irgendwie verschachtelter, in mehreren Ebenen. Das kam für mich dabei so rüber, dass ich das Gefühl hatte, OK, dass heißt die Person empfindet das so, dass das alles sehr plakativ irgendwo ist. Und das ist überhaupt nicht mein Ziel. Mir ist es halt wichtig über Sachen zu reden oder Stefan über Sachen reden zu lassen, darauf läuft es ja im Endeffekt hinaus, dass er transportieren muss, was ich mir da textlich überlegt hab. Wenn das aber nicht der Fall ist, ist das völlig ok, wir machen eben keine instrumentale Musik und dann sind Texte eben auch da. Was sich da jeder von mitnimmt, muss jeder selber entscheiden.

„Wie immer tue ich mich schwer mit den Vocals, zudem Scream-Barde Stefan… ja das muss reichen, einen Nachnamen habe ich nicht, der Mann mit den wenigsten Varianten ist. Kolari sind eher was für beinharte Genrefreaks.“ Steve Burdelak – Crossfire

Robert: Auch da, ich sehe das völlig anders. Stefan ist sehr variabel. Natürlich, er ist ein Schreihals. Punkt.

Eine Zwischenfrage. Singt Stefan den cleanen Gesang auch?

Robert: Ne, also wir beide machen diese völlig klaren Sachen und das was sozusagen angeschrien melodisch ist, das macht Stefan.

Tim: Wir nennen das übrigens „bronxen“.

Robert: Ich glaube für jemanden der, wie es in der Review ja eben klar rüberkommt, mit diesem ganzen weiteren Hardcore-Sektor eh nicht so viel anfangen kann, für den ist das wahrscheinlich so, dass er sich das anhört und denkt, da passiert ja weiter nichts. Ich finde, dass der Junge mit seiner Stimme viele unterschiedliche Sachen macht. Nicht so, wie auf den ersten Platten Jamie Jester von Hatebreed eigentlich nur eine Tonlage hat oder noch viel krasser finde ich, auch wenn ich sie liebe, Raised Fist. Der Typ, der nur einen einzigen Ton hat auf dem er die ganze Zeit (Anm. Robert versucht ihn nachzumachen) oder auch Clawfinger früher, der immer genau auf den Ton rappt (Anm. Auch hier wird mir die Stimmlage vorgeführt – Sorry, dass ihr das nicht hören könnt) und keine Variation hat.

Tim: Das ist auch das, was ich mich gefragt habe, als ich das gelesen habe. Ok, interessant, empfinde ich jetzt erstmal nicht so, aber ich würde gerne jemanden hören, den dieser Mensch als cool variabel ansieht, damit ich mir was darunter vorstellen kann. Es gibt ja ein paar Bands die von Blackmetal zu grohl gehen und das finde ich mega albern. Ob er das meint, ich weiß es nicht. Das würde mich mal interessieren.

Es ist ja auch immer nur die Meinung einer Person.

Robert: Genau. Wir haben ja auch nicht umsonst dieses Titelbild bei Facebook mit der „Heilbronner Stimme“ gewählt, das kam und wir mussten einfach unfassbar lachen. Ich lese das und ich finde mich da halt auch nicht wieder. Und damit ist es dann auch völlig egal.

Welche Schlagzeile wollt ihr denn auf keinen Fall über euch lesen?

Tim: Hardcore-Band in Kerosin-Feuer umgekommen, das fänd ich schon ziemlich scheiße.

Robert: Kolari lösen sich auf wegen Drogentot wegen Bandmitglied XY, das wäre auch nicht schön.

Tim: Oder: Kolari – 1. Auftritt auf AfD Parteitag.

Das hat, glaube ich, gewonnen (alle lachen).

Tim: Was gibt es denn noch? In der nächsten Staffel „Sing meinen Song“!

Robert: (lacht) Xaviers Wunschkonzert mit Kolari!

Das fänd ich schon wieder witzig.

Tim: Du musst das ja auch nicht machen.

Robert: „The Voice of Germany“ würde ich sofort machen! Mich dahinsetzen und den Anti-Kasper spielen.

Tim: Aber besoffen dann!

Eure Songs sind auch vermehrt sozialkritisch und antirassistisch, was in der heutigen Zeit auch total wichtig ist wie ich finde, dann haut ihr aber wiederum Videos raus in den ein 3 Minuten Workout gezeigt wird, oder ihr segeln/jagen/golfen geht und habt dazu einen durchaus nicht sehr ernstzunehmenden Pressetext. Wie passt das zusammen?

Tim: Ziemlich gut! Keine Ahnung, wie soll man das beschreiben? Ich finde immer mit politischer Korrektheit oder Anti-Rassismus und Menschenliebe geht nicht der komplette Verlust von Spaß einher. Das ist tatsächlich so ein Thema, was mich oft beschäftigt. Klar, steht die Rücksicht vor dem anderen an erster Stelle, aber wenn man halt komplett humorbefreit ist, was ist das für ein Leben? Und gerade in dem Video was du angesprochen hast – die einzigen über die wir uns da lustig machen, sind ja wir selber. In erster Linie ist es ja das Wichtigste, dass man über sich selber lachen kann und dass man mit den anderen Themen einen ernsthaften Umgang pflegt aber eben keinen verkniffenen.

„Das waren halt Schnapsideen.”

Robert: Genau, und ich würde da auch noch ergänzen, dass ja Menschen allgemein, wir ja auch, facettenreich sind. So wichtig und präsent und auch prägnant dieser Teil von Sozial-/Politik-Kritik und Ansichten haben und Sachen sich Gedanken machen, ist, haben wir auch als Kollektiv einen sehr abseitigen Humor, der, wenn wir zu fünft zusammen sind, ob jetzt Backstage oder im Proberaum, da ist – also, es ist jetzt kein Auftrag, dass der transportiert werden muss – aber der dann eben auch einen Einfluss darauf hat. Als es darum ging, was macht man für Videos … das waren halt Schnapsideen. Stefan hat, weil er früher Rückenprobleme hatte, angefangen krass viel Sport zu machen …

Tim: … und er ist da mega drauf hängengeblieben.

Robert: Was heißt hängengeblieben? Er macht das halt, weil es ihm damit besser geht und er ist ja jetzt niemand, der rumrennen würde und sagen würde „Du musst jetzt Crossfit machen und guck mal, Ernährungsplan“ und was auch immer. Aber er macht es halt  und dann kam als Witz zwischendurch die Idee so ein Jane Fonda Gedächtnis-Video in VHS Optik machen. Gerade wir beide sind auch keine großen Fans von Performance-Videos, weil, es gibt zwar gute, aber es sind sehr wenige. […]

Tim: An einem Wochenende durfte ich diesen dicken Jeep fahren, den Defender, durch diesen mega matschigen Wald und so, dann waren wir am gleichen Tag noch auf dem Golfplatz wo ich Golfcard fahren konnte und am nächsten Tag durfte ich eine Pony-Kutsche fahren. Das hab ich alles noch nie gemacht. Wenn ich überlege, das machen oder in einer Fabrikhalle stehen und auf meinen Instrumenten matern, wähle ich ersteres.

Ihr seid wahrscheinlich die Band die mit den meisten anderen Bands verglichen wurde, darunter waren unteranderem Touché Amore, Frank Carter & the Rattlesnakes, Modern Life is War, At The Drive-In, Cancer Bats, John Coffey, Everytime I Die, Defeater, Gallows und Glassjaw. Was ist für euch persönlich die größte Ehre und warum?

Tim: Für mich ist das in der Liste auf jeden Fall Everytime I Die und ich glaube für dich eher Glassjaw?

Robert: In der Liste tatsächlich Glassjaw weil das für mich einfach eine super wichtige Band ist. Das zweite Album Worship and Tribute ist DAS, wenn mir irgendjemand die Pistole auf die Brust setzt und sagt du muss dich jetzt entscheiden. Es wird immer diese Platte sein, weil – ich kann dir nicht einmal sagen warum – das Ding hat mich damals einfach komplett abgeholt in seiner Verbindung von Krach und Melodie.

Die, die du nicht genannt hast, die mich tatsächlich am meisten geflasht hat als Vergleich, der auch 1-2 mal gezogen hat, war The Dillinger Escape Plan „light“. Das ist für mich so unberührbar an Status. Das jemand es nur annähernd in Betracht zieht dass wir, auch wenn der Zusatz light-Variante kam, dass man sozusagen auf diesem Level mitspielen könnte, dann macht mich das sehr stolz und auch sehr demütig. Weil ich halt weiß, dass wir unfassbar weit von denen entfernt sind, um nur annähernd dahin zu kommen.

Was ist denn eure früheste Kindheitserinnerung, die etwas mit Musik zu tun hat?

Tim: Ich glaube ich habe mir irgendwann als kleiner Butschi mal eine Kassette von meinen Eltern geschnappt, wo die eine Compilation drauf gespielt haben. Ich kannte natürlich keinen Interpreten, keinen Song und ich konnte natürlich auch noch kein Englisch – wie alt war ich da? Sechs! Und dann saß ich da immer in meinem Zimmer und habe Lego gebaut und dann hatte ich meinen kleinen Ducktales-Kassettenrekorder und darüber habe ich, dass was ich dachte was der Mensch da singt mitgesungen. Halt so Sachen aus den 1980ern. Und da war genau ein Song drauf, der war mir gruselig, den konnte ich nicht gut hören. Und ich weiß noch, ich hatte als Kind so einen kleinen Wecker und der Sekundenzeiger war so ein Clown, der so Überschläge auf so einem Gestell aufm Spielplatz gemacht hat. Und ich wusste immer genau wie lange ich spulen musste, wenn ich auf diesen Wecker gucke, bis dieser Song vorbei ist. Das musste ich auch genau wissen, denn nach diesem Song kam mein Lieblingssong dieser Kassette.
Das ist die 1. Erinnerung die ich an Musik habe, ich glaube nicht, dass diese Erinnerung meinen Musikgeschmack in irgendeiner Art und Weise beeinflusst hat. Es hat dann sehr viele Jahre gedauert, bis ich aus dem Sumpf von Eurodance raus war und tatsächlich angefangen mit handgemachter Musik hat es für mich mit Oasis. Ich wollte nämlich unbedingt Wonderwall auf der Gitarre spielen können. Auch wenn der Satz heute sehr pelzig von der Zunge geht.

Robert: Für mich ist meine erste bewusste Erinnerung an Musik meine Mutter. Meine Mutter hat eine klassische Gesangsausbildung und in Leipzig im Uni-Chor gesungen und in diversen Kirchen-Sachen der Gemeinde meiner Eltern und ich glaube erste Erinnerung, was das angeht, ist Mama singt einem Abends vor beim Zubettgehen. Ich hab das Glück gehabt in einem sehr Musik interessierten Haushalt groß zu werden. Mit vier oder fünf hab ich angefangen meine Mutter damit zu nerven, dass ich halt immer gesagt habe, wenn ich eine Gitarre im Fernsehen gesehen habe, habe ich gesagt, dass ich Gitarre spielen will. Und dann haben mich meine Eltern mit ca. sieben Jahren in der Musikschule angemeldet, um dort klassische Gitarre zu lernen. Das war so bis 15 und dann kam irgendwann der Tag, an dem es hieß, jetzt entweder jeden Tag drei Stunden Flamenco üben und nur noch Fingersätze üben oder Rock´n´Roll. Das war so der Punkt, oh, die Konfirmation ist gerade durch, dann kaufe ich mir jetzt mal eine E-Gitarre und einen Verstärker und dann hab ich noch 1,5 Jahre E-Gitarren Unterricht bekommen und dann ging es mit 16 auch mit der ersten Band los.

Wie geht’s denn jetzt erstmal nach der Tour für euch weiter?

Tim: Der Plan ist jetzt natürlich so vielen Leuten wie es nur geht „Fear/Focus“ vorzuspielen.

Robert: Vor allen Dingen auf Bühnen.

„…da freuen wir uns tatsächlich so ein bisschen drauf…”

Tim: Wir werden auch jetzt mal gucken, dass wir nächstes Jahr Konzerte spielen. So viel spielen wie es irgendwie geht. Und vor allen Dingen Songs schreiben! Wir haben nämlich jetzt richtig lange keine Songs mehr geschrieben und da freuen wir uns tatsächlich so ein bisschen drauf, wenn wir zwischendurch mal wieder ein bisschen Zeit haben und den Kopf frei haben, dass wir mal wieder neues Material sammeln können. Ich hätte zum Beispiel mega Bock auf eine Split EP mit einer Band die uns lieb ist, da hätte ich derbe Bock drauf.

Robert: Ja, schön irgendwie nachschieben. Mir ist in erster Linie aber wichtig  zu gucken, dass wir spielen, spielen, spielen. Gerade unter dem Aspekt, dass wir 1,5 Jahre an diesem Album – natürlich nicht durchgängig – gearbeitet haben. Ich persönlich bin auch ein bisschen stolz auf dieses Album, ich möchte das dementsprechend den Leuten um die Ohren hauen, am besten live. Natürlich freue ich mich über jeden, der eine Platte kauft oder auch bei Spotify streamt. Aber es gibt nichts schöneres als mit diesen vier Kaputten auf einer Bühne zu stehen und, wie du das so schön gesagt hast, dieser Unfall, wo man hingucken muss, den auf einer Bühne zu zelebrieren.

Jetzt hab ich noch zwei dumme abschließende Fragen.

Tim: Wer dumme Fragen stellt bekommt dumme Antworten.

Das hoffe ich doch! Mit wem wollt ihr nie an der Kasse stehen wenn ihr Unterwäsche kauft?

Tim: Du meinst, weil uns das peinlich ist?

Vielleicht. Oder wenn nicht dann …

Tim: Das ist mir aber leider nicht peinlich.

Das ist ja auch völlig OK!

Robert: Ich weiß nicht, ob ich die Kids aus meinem Job … ich arbeite ja als Sozialarbeiter … das müsste ich jetzt nicht haben. Wäre aber auch nicht so schlimm.

Tim: Ich kann auch aus Erfahrung sagen, Robert hat sehr geschmackvolle Unterwäsche. Deshalb ist das auch nicht peinlich wenn er die kauft.

Haha. Also keine Satin-Boxershorts?

Tim: Doch! Wieso?

[alle lachen]

Robert: Das solltest du doch keinem erzählen, man! Die ziehe ich doch nur an, wenn wir beide gemeinsam in einem Raum schlafen auf Tour, das weißt du doch.

Jetzt habe ich hier ja die beiden langhaarigen Typen sitzen, was ist denn euer Haar-Geheimnis? Für die Frauen vielleicht.

Tim: Mein Problem ist, ich habe leider keins, deswegen ist es auch so spaddelig, aber ich glaube es ist eine gute Idee – also ich wasche sie schon täglich – aber halt dann einmal mit Shampoo und einmal ohne. Dann mach ich auch ab und an mal so Leave-In Conditioner rein, das ist der Shit! Dann sind die schön geschmeidig und fransen nicht so an den Spitzen. Wichtig ist halt auch, dem Bart die gleiche Pflege zukommen zu lassen wie dem Haupthaar!

Robert: Dem würde ich mich definitiv anschließen. Bartpflege ist für mich tatsächlich wichtiger als Haupthaar. Bei Haupthaar hab ich einfach immer nur Glück gehabt.

Du hast echt so schöne Haare! Fick dich!

Robert: Ja, ja! Meine Mutter … Dinge, die du von Mama nicht hören willst, wenn sie vor dir steht und sagt „Eigentlich hättest du ein Mädchen werden sollen, du hast lange Wimpern, lockige Haare und volle Lippen, das ist eigentlich voll die Verschwendung.“ Und du stehst da und denkst dir so„ Danke Mama“! Ich war ja bei der Auswahl der Gene nicht dabei insofern hab ich da nicht so viel Einfluss drauf gehabt. Ich hab einfach Glück, es ist halt viel und es ist lockig. Ich kenne dieses Fick dich, du hast so tolle Haare, warum nicht jemand anders? Das darf ich mir anhören seitdem ich 13 oder so bin als ich das erste Mal angefangen habe sie mir langwachsen zu lassen. Ja Tschuldigung, ich möchte mich hiermit …

Tim: … von meinem Haar distanzieren!

Robert: äh, entschuldigen, dass andere Menschen nicht mit der gleichen Haarstruktur gesegnet wurden. Oder so.

Fein! Wollt ihr noch etwas loswerden?

Robert: Hört euch „Fear/Focus“ an. Wenn ihr die Chance habt und Bock habt kommt bei einem Konzert vorbei, wir freuen uns, denn wir machen das einfach sehr gerne!

Ich kann nur jedem empfehlen diese verrückten Typen mindestens einmal live zu erleben, denn sonst habt ihr definitiv etwas verpasst und müsst traurig sterben!

Kolari Live:

  • 03.11. – Alfeld Rockt, Alfeld
  • 04.11. – Baracke, Münster
  • 09.12. – Cassiopeia, Berlin
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