Österreich goes Hipster-Indietronic? Die Durchstarter von Bilderbuch, die mit ihrer jüngsten EP massig Synthies über ihr früheres Gitarrenpop-Schaffen stülpten und so erstmals größere Aufmerksamkeit einheimsten, lassen das vermuten. Und ähnliche Wege scheinen nun die ebenfalls aus Wien stammenden Kommando Elefant einzuschlagen. Auch sie konnten mit ihren bisherigen Alben beim sympathischen Label Las Vegas Records bisher keine größere Bekanntheit erlangen und lassen nun auf „Lass Uns Realität“ den Rock noch weiter hinter sich als zuvor, den Electro näher an ihr Werk heran. Ist da ein Muster zu erkennen?

elefantcoverGenug der Vergleiche, hinein in das am 14. November veröffentlichte Album. „Ich find‘ dich seltsam“ ist Opener sowie erste Videoauskopplung und macht schnell klar, dass hier neue Gefilde eingenommen werden wollen. Der Synthesizer kreischt, der Bass sitzt tief und Sänger Alf Peherstorfer gibt kund: „Du hältst dich an deine Pläne, deine Revolution. Du fickst dieses System und seine gottverdammte Show!“ Zusammen mit dem herrlich bekloppten, aufwändig produzierten Video erinnert das Ganze etwas an Bands wie Deichkind (verdammt – schon wieder verglichen!).

In den Texten reißen die Elefanten Themengebiete wie die Überflussgesellschaft („Dein Bikini der passt nicht zum Lamborghini, komm wir kaufen einen neuen… Lamborghini!“) an, dazwischen auch immer wieder dieses große, althergebrachte Ding mit der Liebe („Dieser eine Moment, für immer soll er mit uns sein“). Peherstorfer probiert auf dem Album aber mehr in seinen Lyrics aus als bisher, die Wortwahl wirkt durchdachter, etwas verschachtelter und gewinnt dadurch an Interessantheit.

Musikalisch wagt sich die Band tief in zum Teil techno-esken Sound hinein, was das Album stark tanzbar macht, an einigen Stellen aber auch etwas überladen, zu sehr in Richtung Großraumdisko schielend wirken lässt. So zum Beispiel im titelgebenden Stück „Lass uns Realität imitieren“:

Die neue Platte weiß einen roten Faden kenntlich zu machen und vorallem einen neuen Sound für Kommando Elefant zu definieren. Mit diesem müssen sie teilweise noch etwas warm werden, er verpasst ihnen aber zumindest ein Erkennungsmerkmal, mit dem die Band in Zukunft vielleicht doch noch die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient. So beliebt, wie der Wiener Dialekt doch bei den meisten (einschließlich mir) ist, sollte das doch eigentlich ein Leichtes sein – Kommando Elefant, ich mag dich ur-gern!

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