Nach meinem Urlaub im vergangenen Jahr konnte ich mir endlich ein persönliches Bild davon machen: in Irland ticken die alle ein wenig anders was Musik angeht. Die haben eine ganz andere Bindung zur irischen Volksmusik als wir zu der Deutschen. Aber wem will man das übel nehmen, ich denke alle die hier mitlesen würden den Irish-Folk vorziehen. Angeführt von The Dubliners oder The Irish Rovers ist das Genre lang beständig, wird aber dennoch stätig weiter entwickelt.

Neben diversen Rockgruppen zählen Künstler wie Damien Rice oder Glen Hansard zu den bekanntesten Solokünstlern und zuletzt bewies uns Hozier, wie moderner Folk aussehen kann. Noch einen drauf aber setzt der irische Newcomer Dermot Kennedy, um den es heute gehen soll.

Er ist kein erfolgreicher YouTuber und hat auch noch keinem Avicii-Song seine Stimme geliehen – ein Album hat er auch noch nicht veröffentlicht und eine Wikipedia-Seite wurde auch noch nicht angelegt. Was er aber hat, ist seine Stimme und seine Musik, mit der er bereits Millionen von Plays auf Spotify sammeln konnte. Neun Songs, die seit 2015 nach und nach ihren Weg auf die Streamingplattform gefunden haben. Da wird man natürlich schnell neugierig und als ich dann erfuhr, dass er vor ausverkauften Locations quer durch Deutschland spielen würde, musste ich in Hamburg natürlich auch noch dabei sein.

Stimmungsvoll war der Einstieg alle mal, denn nachdem Sam Fender ein starkes Opening-Set spielte lief vom Band Musik von Bon Iver, Ben Howard oder The Frames. In diesem Einklang versuchte ich, meine Erwartungen nach unten zu schrauben. Ich kannte ja nur die Songs, die man auf Spotify finden kann. Aber spulen wir ein wenig vor, mitten ins Konzert und damit auch zu meiner vorigen Feststellung, Dermot Kennedy würde uns zeigen wie moderner Folk aussehen kann.

Aufbrausende Synthesizer und durchdringende Bässe wurden stets von einer Gitarre begleitet. Es war inspirierend zu sehen, wie das live harmonieren kann akustische Instrumente in ein solches Setting mit einzubauen. Das Gerüst war also da, dem dann nur noch die Stimme von Dermot Kennedy einen drauf gesetzt hat. Schüchtern und zurückhaltend war er, hatte zwischen den Songs maximal ins Mikrofon genuschelt, wenn er aber in seine Musik abgetaucht ist, hat er sich dem hingegeben und alles erdenkliche aus seinen Stimmbändern rausgeholt.

Bei „Glory“ könnte man schon fast an die Twenty One Pilots denken, aber doch ist die Nummer eigentlich versteckt eine klassische Folk-Ballade. Nur eben aufgemotzt und so präsentiert, dass wir Dermot Kennedy verstehen können, bei der Revolution die er anführt. Eines der Highlights war kurz vor Schluss die Darbietung von „After Rain“, welches ein ehrliches Stück irischer Straßenmusik ist. Erst akustisch setzten später dann die anderen Instrumente ein und dass ein Newcomer so viele Leute dazu begeistern kann mitzusingen, sieht man auch nur selten.

Jeder der seiner fast komplett ausverkauften Deutschlandtour beigewohnt hat, wird nun wohl gespannt ein Albumrelease herbeisehnen.