Das letzte und erste Mal sah ich The Rural Alberta Advantage vor einigen Jahren hier im Hamburger Knust. An jenem Abend wurde ich davon überzeugt, um was für eine großartige Liveband es sich bei den Kanadiern handelt. Das 2008er bzw. 2009 durch Saddle Creek wiederveröffentlichte Debütalbum „Hometowns” gehört zu den Platten, die mich in den letzten Jahren am meisten begleitet hat.

Ihr Lo-Fi-Folkrock sprüht in meinen Ohren vor Emotionalität und wie ich zu Recht empfinde, wurde das Trio um Sänger Nils Edenloff in der Vergangenheit nicht ohne Grund mit den Szene-Pionieren von Neutral Milk Hotel verglichen. Ihr Sound, geprägt von der Präsenz des Frontmanns und der unglaublichen Arbeit des Drummers Paul Banwatt, wurde bis zum letzten Herbst über zehn Jahre hinweg von der Stimme von Amy Cole begleitet. Letztere hat im vergangenen September die Band verlassen, um sich neu zu orientieren. An ihrer Stelle ist jetzt die Musikerin Robin Hatch gerückt, die in Bremen unter Beweis gestellt hat, den von Amy geworfenen Schatten gerecht werden zu können.

Mit der MS-Treue als Location haben die Booker in meinen Augen jedenfalls schon mal viel richtig gemacht. Eine wahnsinnig intime Venue, die durch ihre Lage, Ausstattung und Einrichtung besticht. Da geht man gerne hin. Noch lieber geht man hin, wenn man weiß, dass Ryan O’Reilly sich für das Vorprogramm verantwortlich zeichnet. Der Kerl ist trotz seiner jungen 29 Jahre schon gut durch die Welt gekommen – von Open-Mic Abenden in Toronto bis hin zu Gigs in den Straßen Londons. Heute mal ohne Band, brachte er alleine mit seiner Gitarre die schönsten Songs seines Albums „The Northern Line” auf die Bühne.

Einfach romantisch: Ryan O’Reilly in der Prinzenbar (Konzertbericht)

Auch wenn ich seit Jahren Konzerte hier in der Hansestadt besuche und auch beim Reeperbahn Festival die Gelegenheit hatte, in die Prinzenbar hatte es mich... Weiterlesen →

Dreh- und Angelpunkt des Abends waren aber natürlich The Rural Alberta Advantage, die dann nur kurze Zeit nach dem Set von Ryan O’Reilly die Bühne für sich einnahmen und die gesamte Crew der MS-Treue anheuerten, um auf eine mit bisher drei Alben versehene Reise zu gehen.

Sie spielten alle berüchtigten Liebhaberstücke von „Terrified” über „North Star” bis hin zu „Don’t Haunt This Place”, mit welchem sie ihr Konzert einläuteten. Gänsehaut pur! Einzig und allein „Drain The Blood“ (YouTube) fehlte im Set, aber wie so oft kann man natürlich nicht alles haben.

Das neue und vierte Album soll dieses Jahr erscheinen und man munkelt bereits, dass die letzten beiden Einzelveröffentlichungen „White Lights” und „Beacon Hill” bereits Teil der neuen Platte sein könnten. Live konnten sich die Tracks in jedem Fall bewähren, also egal was kommt, darf man sich auf das neue Album freuen.

Zu den Highlights zählt in jedem Fall die Performance von „Frank, AB”, wo auch das Publikum seine Textsicherheit unter Beweis stellen konnte. Generell kann man sich bei The RAA doch gut vorstellen: es wurde viel ge-wooht. So verließen die drei Musiker nach ihrem vermeintlich letztem Song des Abends „The Deadroads” (YouTube) unter großem und lautem Gejaule, das die Band selbst zum Staunen brachte, die Bühne. Es folgte die Zugabe und der Höhepunkt gelang an seinen Zenit, als die Band mit ihren Instrumenten ins Publikum kam um in stillster und ausgestöpselter Atmosphäre ihren letzten Track „Good Night” zu spielen. Wahnsinnig schön, das ging unter die Haut!

Ob diese kleine Deutschlandtour mit lediglich drei Terminen nur ein Vorreiter war? Das erfahren wir hoffentlich mit dem Release des bisher offiziell noch nicht angekündigtem Album. Wäre in meinen Augen auch ein Act fürs Reeperbahn Festival, wobei ich The Rural Alberta Advantage auch zu gerne mal unter freiem Himmel sehen würde.

[asa]B0029Z8KHE[/asa]