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Headliner Wanda rockt das Kosmonaut.ZIP in Hamburg! (Fotos: Charles Engelken, noisiv.de)

Feiern, Schwitzen, Lernen: die Formkurve einer Festivalpremiere lässt für gewöhnlich wenig Alternativen zu. Am Samstag durften wir nun wieder eine erleben: in Hamburg öffnete die Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg seine Pforten zur ersten Ausgabe der verkleinerten Version des Kosmonaut Festivals aus Chemnitz. Ausgeführt und umgesetzt vom Festivals.ZIP, angeführt von der österreichischen Rockband Wanda.

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Busy Babak zippt mit keinem

Eure Nordköppe von noisiv.de waren zu Dritt vor Ort: Charles, der sich als fleißiger Fotograf durch jeden (!) Act des pausenlosen (!!) Timetables durchfotografierte. Marcel, der sich noch lange an das Interview mit Headliner Wanda erinnern wird. Und ich, Babak, der tapfere Bierbongkämpfer vom Kosmonaut mit heisernen Stimme. Letzteres verdanke ich dem Set von Wanda. An das 35-minütige Set werde auch ich mich noch lange erinnern. Aber der Reihe nach.

Die Festivalorganisation gab sich bei der Zusammenstellung des kleinen Lineups größte Mühe: neben aktueller Top-Acts aus Hip-Hop und Elektronik wie LGoony, Mule & Man, Nimo oder Chefboss, gaben sich mit Chuckamuck oder Razz auch ein paar Bands die Klinke in die Hand. Dazu wurden liebevolle Schmink-, Bierpong- oder Bastelstände aufgebaut, Sitzsäcke sollten zur zwischenzeitlichen Entspannung beitragen.

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Falls Aliens mal die Erde besuchen, wird es spannend ihnen Bierpong zu erklären

Das Konzept, so liebevoll es am vom Kraftklub iniziiertem Mutterfestival angelehnt war, sollte schon zu Beginn des Festivals mit ersten Problemen zu kämpfen haben. Ein baustellenbedingter Schienenersatzverkehr sollte die Zuschauerflut noch lange hinhalten. Der Einlass, mit 17 Uhr gerade Mal eine halbe Stunde vor Beginn des ersten Acts angesetzt, half da herzlich wenig.

Der Creepy Comedy Club begann sein Set mit einer Verspätung von knapp 25 Minuten. Die Bühne, eigens entworfen und im Stile US-amerikanischer Comedy Clubs gehalten, sollte nur knapp 20 Zuschauer unterhalten. Zuschauer, die weder richtig warm waren, noch Zeit hatten sich durch die zahlreichen Stände innen und außen zu kämpfen. Oliver Polak und Comedians gaben sich größte Mühe, zogen hochprofessionell ihr Set durch.

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Oliver Polak holt das Beste aus dem „Creepy Comedy Club“ heraus

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Imaani Brown beim „Creepy Comedy Club“

Die anschließenden musikalischen Acts bekamen das Problem zwar immer seltener zu spüren, teilten sich jedoch noch immer die Aufmerksamkeit mit den Spaß-Attraktionen in der Halle. Schwarz Don’t Crack machten mit ihrem elektronischem R’n’B den Anfang, kurz darauf übernahmen Yukno aus Österreich auf der gegenüberliegenden Bühne und ließen die anfänglichen Startschwierigkeiten mehr und mehr vergessen. Langsam kam Stimmung auf in der Inselparkhalle!

Für Verwunderung sorgte bald auch Fil Bo Riva, welcher stimmlich nur schwer von Henning May (AnnenMayKantereit) zu unterscheiden ist. Der junge Newcomer aus der ewigen Stadt Rom sang allerdings in englischer Sprache. Die Festivalpremiere war im vollen Gange und langsam wusste sich das Konzept zu entfalten: zu Chuckamuck und Drunken Masters trieb die Menge erneut von einer Seite zur Anderen, die Doppelbühnen wussten stets ihr Publikum anzuziehen. Mögliche Sound- und Zeitkonflikte? Fehlanzeige. Selbst die Zeitverschiebung des anfänglichen Creepy Comedy Clubs konnte aufgeholt werden.

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Schwarz Don’t Crack

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Fil Bo Riva

Freunde, kommen wir zu den Highlights. LGoony und Nimo auf einem Festival? In der Theorie eine weite Anreise wert, wären da nicht die halbstündigen Timeslots. Trotz allem: ich habe beide Rapper zum ersten Mal sehen dürfen, war fasziniert von ihrer unglaublichen Anziehungskraft. Längst benötigt das Publikum für den Turnup keine Rockbands mehr, Moshpits und Schweißregen sind auch bei den jungen Acts fester Teil der Hip-Hop-Wettervorhersage.

Wir haben hier etwas großes für den imaginären Notizzettel: Chefboss. Der Name Programm, der Auftritt ein Heimspiel. Das Dancehall-Duo aus Hamburg zeigte, warum gerade sie es waren, die kürzlich mit Deichkind zusammen auf der Bühne stehen durften und die Menge zur Explosion begleiten konnten. Ein wahnsinniger Auftritt. Mule & Man, eine Kombo aus Kid Simius und Bonaparte, habe ich aus der ferne (ich war Bierpong spielen) mitbekommen dürfen. Wenn wir aber mal ehrlich sind: ein Titel wie „Wir sind keine Tiere“ geht wirklich immer.

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Wanda

Finale! Wanda betreten die Bühne und in keiner Minute zuvor hat das Publikum derart mitgemacht wie in diesen 35 Minuten. „Bologna“, „Bussi Baby“, „Meine beiden Schwestern“ oder „Schick mir die Post“ – hier haben die Österreicher um Frontmann Marco wirklich jeden Hit ihrer relativ jungen Karriere rausgedonnert. Zur Zugabe gab es „1, 2, 3, 4“ und das Versprechen der Band: „Hamburg. Wir sehen wir uns wieder.“. Ein Versprechen, dass wir gerne glauben.

Fazit: hat das Programm anfangs noch unter Startschwierigkeiten gelitten, kam es im Laufe des Abends schließlich doch noch etwas in Fahrt. Trotz allem lohnt es sich die Frage zu stellen, ob nicht vielleicht in dieser kleinen Halle zuviel gleichzeitig gewagt wurde. Comedy, Musik, kleine Spiele: So war zwar für jeden etwas dabei, bei einer kleineren Zuschauermenge (trotz Ausverkauf) tut man sich mit der Segmentierung des Programms jedoch keinen großen Gefallen, schon gar nicht wenn das dichte Musikprogramm keine Pausen zulässt. Wir sind gespannt ob es 2017 erneut zum Kosmonaut.ZIP kommen wird!

Alle Fotos vom Kosmonaut.ZIP Festival am 29. Oktober in Hamburg!

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