Foto: Ebba Ågren

Manchmal laufen wirklich gute Bands neben einem her, ohne sie zu bemerken. Und dann braucht es ein paar mehr Anläufe, um sie bewusst wahrzunehmen. So war es bei mir mit Kraków Loves Adana. Doch mit ihrem neuen Album „Songs After The Blue“ führte für mich kein Weg mehr an Deniz Çiçek und ihrem Partner Robert Heitmann vorbei. Auf ihren acht neuen Stücken thematisiert die Hamburger Band, die Sehnsüchte und Stolperfallen des Kreativen und die Frage, was die Existenz als Kreativer ausmacht.

„Kreativität als Selbstzweck ist ein egoistisches Unterfangen. Wenn ich als Künstler schon nicht von meiner Musik leben kann, dann möchte ich zumindest einen Beitrag zur Allgemeinheit leisten, ich möchte Denkanstöße geben und, wo nötig, ein Gefühl von Unbehagen oder Trost vermitteln.“ – Deniz Çiçek

Mit „Rapture“ präsentieren Kraków Loves Adana bereits zu Beginn eine Melodie, welche die Gedanken an ganz ferne Orte tragen lässt. Der Dream Pop Song ist eine Ode an die Kassette und bereitet einem unweigerlich einen Ohrwurm. Direkt ins Ohr geht auch das Indie-Rock lastige Stück „American Boy“. Immer im Zentrum steht der markante Gesang. Würde man mich auffordern die Stimme von Deniz Çiçek aus Hunderten herauszuerkennen, wäre dies sicherlich kein schweres Unterfangen.

Mit Songtextfetzen wie „I am my own god. Loving what I miss the most.“ ist „Hamburg“ für mich ein textliches Meisterwerk. „The Day The Internet Died“ trifft den Zeitgeist auf den Punkt und besticht durch einen recht simplen Sound. Mit „Naked World“ endet „Songs After The Blue“ von Kraków Loves Adana viel zu früh. Aber das ist ein gutes Zeichen, denke ich. Denn das in Eigenregie von Deniz Çiçek produziert und aufgenommene Album macht Lust auf mehr und zieht einen in den Bann. Und das passiert nun wirklich nicht allzu häufig.