Foto: Kristoffer Hedberg

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Kristoffer Bolander, seines Zeichens Sänger der schwedischen Indie-Band Holmes, hat sich in diesem Jahr auf Solopfade begeben. Das Ergebnis nennt sich „I Forgive Nothing”. Würde man es kategorisieren wollen, würde „Indie-Atmo-Pop” im weitesten Sinne wohl am ehesten passen. Melancholisch geprägt wirken die Songs aber zu keinem Zeitpunkt weinerlich, sondern erwachsen und reflektiert.

Durch das gesamte Album zieht sich ein roter Faden, ein Spannungsbogen. Es beginnt sehr ruhig und zurückgenommen, beinahe introvertiert mit dem Song „Duet of Tourettes”. Bolanders weiche Stimme weiß den Hörer einzufangen, während langgezogene und langsam voranschreitende Instrumentals einen tollen atmosphärischen Unterbau bieten. Dieser Anfang ist reichlich unspektakulär, ohne Pep und große Gesten; stellt sich jedoch insbesondere im voranschreitenden Albumkontext als wichtiger Baustein heraus.

Deutlich umfangreicher wird die Soundkulisse dann im darauffolgenden Titeltrack „I Forgive Nothing”. Einprägsame und voluminöse Drums treiben den Song voran und wunderschöne Gitarren- und Lap-Steel-Licks akzentuieren das Klangbild gekonnt während Bolander seine eigene Vergangenheit reflektiv: „I regret nothing” und „I expect nothing” – griffige Zeilen, wie diese setzen sich im Kopf fest.

Noch gebannter hört man beim Stück „Rooted” zu, in dem Bolander anfangs lediglich von einer Akustikgitarre begleitet wird. Es ist die Einfachheit der Komposition, die einen vom Fleck weg einfängt. Auch die Instrumentals, die nach dieser Einleitung einsetzen, schaden dieser ruhigen Spannung keinesfalls. Auch in anderen Stücken schlägt sich diese Ruhe nieder: Der direkt darauffolgende Song „Home” zeichnet sich in erster Linie durch eine einfache Mundharmonika aus, die dieses komisch bekannte Gefühl der Einsamkeit so perfekt widerspiegelt.

Bolander kann aber auch anders: „In Vain” zeigt das fesselnde Lap-Steel-Spiel von Johan Björklund, den er noch aus Holmes-Zeiten kennt. Der Weg dahin ist einmal mehr geprägt von einfachem Akustikgitarrenspiel, bis es ausbricht und die Instrumentalisierung groß aufgefahren wird. Das Lap Steel singt förmlich. „In Vain” bietet praktisch einen eigenen Spannungsbogen im Spannungsbogen des Albumkontextes – eine, wie ich finde, sehr interessante und klug ausgeführte Angelegenheit.

Kristoffer Bolander

Foto: Kristoffer Hedberg

Mit „Scale” endet das Album ein wenig, wie es begann: Sehr langsam, zurückgezogen und intim. Warme Synthie-Klänge und eine Drummachine begleiten Bolander auf seinem letzten Weg und nachdem man das, was Bolander mit diesem Album ausdrücken will, erkennt, weiß man es im Gegensatz zum Beginn des Albums unglaublich wertzuschätzen, dass er das Album so konsequent und erwachsen beginnt und beendet.

I Forgive Nothing” ist ein wunderschönes, ausgesprochen gelungenes Indie-Pop-Album, das sich in keinster Weise anbiedert und genauso wenig versucht, einzelne Songs ins Rampenlicht zu stellen. Stattdessen funktioniert es atmosphärisch als großes Ganzes. Es zeigt, wie ein warmer Abend am Karmin in musikalischer Form funktioniert: Es begleitet den Hörer durch die schwere Zeit der kalten Monate, spendet Licht und Wärme. Es ist für einen da.

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