Endlich ist Fatoni wieder da, um uns ein weiteres Mal zu beweisen, wie Deutschrap in gut klingen kann. Ich bin mir gar nicht sicher, ob „Andorra“ tatsächlich erst das zweite Soloalbum vom Münchener ist; zuletzt kam jedenfalls das Album mit Mine, davor eine EP und davor Platten mit Dexter und Edgar Wasser. Ruhig war es jedenfalls nicht in den letzten Jahren um Fatoni.

So richtig kann ich deutschen Rap gar nicht mehr einschätzen. Die Juice war das letzte Mal interessant als Siepertmann noch dort geschrieben hat. Auch wo Fatoni aktuell stattfindet kann ich nicht mehr sagen. Vor ein paar Jahren war der Münchener noch ein absoluter Geheimtipp und ich kann mich noch dran erinnern, dass er selbst überrascht war, als ich ihn einmal traf und sagte, ich hätte sein Album gekauft. Die Vorstellung, jemanden zu treffen, der sein erstes Album „Solange früher alles besser war“ gekauft hat, war damals zu abstrakt.

Auf „Andorra“ versucht Fatoni die großen Probleme im Kleinen zu behandeln. Statt ein ominöses System zu kritisieren, kritisiert Fatoni lieber sich selbst. Das ist sympathisch und der einzige Weg eine Lösung zu finden für gesellschaftliche Probleme. So geht es um die eigenen Durchschnittlichkeit, der Bequemlichkeit, der Angst vor dem Versagen. An sich kein großes Thema, aber Fatoni schafft es wie immer, große Songs aus dem Banalen zu machen.

Der einzige, der Fatoni aktuell Konkurrenz macht ist er selbst. Das ist vermutlich ein Alleinstellungsmerkmal, doch an manchen Stellen der Platte bekommt man das Gefühl, das hätte man schon mal gehört. Vielleicht nicht genau so, aber relativ ähnlich. Dem Charakter Fatoni fügt das leider nichts mehr hinzu. Der Fakt, dass Fatoni die leeren Batterien seiner Fernbedienung sechs Monate lang nicht gewechselt hat, ist traurig, aber kein Zeugnis kompletten Scheiterns.

Nicht falsch verstehen. Selbst in solchen Momenten bietet Fatoni noch immer den für mich besten Deutschrap der aktuellen Spielzeit (zusammen mit den anderen bekannten Namen). Aber abholen tut mich das Album an den Stellen, die für mich unerwartet kommen und mir etwas Neues bieten: „Alles zieht vorbei“, „D.I.E.T.E.R.“ oder „Wie du“. Wenn Fatoni auf „Mitch“ rappt: „Leb was du liebst“ und gleichzeitig die Drogenszene Münchens beschreibt, wird mir schon etwas flau.

Ich bin mir allerdings sicher, dass Fatoni auch in der Lage ist diese Art des Storytellings mitsamt des Humors auf die ganz große Bühne zu bringen. Ohne den ironischen Bruch und die absichtlichen Fauxpas‘. Wie das klingen mag? Keine Ahnung. Ich bin nur einer dieser Kritiker. „Andorra“ ist jedenfalls ein verdammt starkes Album mit einigen ziemlich guten Songs. Ich bin gespannt, wie es danach weitergehen wird.


Fatoni ist am 04.12.2019 im Hamburger Grünspan!

Beitragsbild von JP Welchering.