Lee MacDougall im Logo

Lee MacDougall ist ein absoluter Geheimtipp unter den britischen Singer-Songwritern, die für kleines Geld regelmäßig in deutschen Locations spielen. Seit einigen Jahren steht bei ihm auch Hamburg mindestens einmal pro Jahr auf dem Tourplan, zuletzt war er bei seinen Konzerten oft gemeinsam mit seinem Berliner Kumpel Tom Lüneburger zu erleben – über Tom stieß auch ich 20… 11(?) auf Lee und wollte danach kein Hamburg-Konzert mehr von ihm verpassen.

Dieses Jahr ging’s zwar ohne Tom, aber dafür mit dem Wiener Chris Emray als Support auf die Bühne. Lee MacDougall versprüht bei seinen Konzerten jedes Mal neu Sofort-Sympathie, maximale Bodenständigkeit und dazu noch guten Humor, wie nur wenige andere – und das, obwohl seine Songs oft von weniger positiven Bewandtnissen aus dem Leben des ehemaligen Londoners handeln.

Sofort-Sympathie

Wenn Lee MacDougall mit seiner Gitarre auf der Bühne steht, geht es nicht nur um seine Songs – auch die meist zwischenmenschlichen Geschichten, die er zwischen seinen Stücken erzählt, zeichnen immer wieder ein Bild von einem bescheidenen Musiker, der sich mit nichts schmücken muss und „ein ganz normaler Mann“ ist, aber dennoch Situationen und Erlebnisse in sehr gut verständlichem Englisch auf diese Art teilt, dass ihn einfach jeder nach wenigen Worten ins Herz schließen muss. In seine Geschichten flechtet er auch gern etwas bedröppelt mit ein, was ihm beim Lernen der deutschen Sprache (Lee ist vor einem Jahr von London nach Berlin gezogen) im Alltag noch Schwierigkeiten macht, wie etwa der Unterschied zwischen „schwül“ und „schwul“ bzw. zwischen „Bist du warm?“ und „Ist dir warm?“, womit er sich gern selbst auf den Arm nimmt und freundlich über unsere von außen betrachtet wirre Sprache schimpft.

Maximale Bodenständigkeit

Lee MacDougall ist sicherlich nicht der einzige Künstler, der nach seinen Konzerten stets selbst am Merch seine CDs verkauft oder mit Gästen spricht – aber ich habe selten erlebt, dass es für jemanden bei Konzerten einfach dazugehört, einen Song im Publikum zu spielen. Bei jeder Show fragt er mittendrin in seiner höflichen Art: „May I join you?“, was natürlich nie jemand verneinen würde, stöpselt seine Gitarre ab, steigt von der Bühne und trägt einen Song vor, während er durch das Publikum wandert. An diesem Mittwoch im LOGO waren nur ca. 40-50 Besucher dort, was der Intensität seiner Konzerte aber grundsätzlich überhaupt keinen Abbruch tut – im Gegenteil, die Atmosphäre einer beinahen Privataudienz machen den Konzertbesuch sogar auf eine Art behaglicher, wie unter Freunden. Dazu passend bietet er auch regelmäßig Wohnzimmerkonzerte an, bei denen er Fans seiner Musik zu Hause besucht – ein Grund mehr, ihm bei Facebook und Twitter zu folgen.

Lee MacDougall in Hamburg

Kumpels im plötzlichen Aufwind

Früher trafen sich regelmäßig ein arbeitsloser Musiker und ein arbeitsloser Schauspieler zum Biertrinken und Zeittotschlagen, wie Lee erzählt. Bei dem Musiker handelt es sich natürlich um ihn selbst, der mit seinem Schauspielerfreund, als dieser endlich eine kleine Rolle angeboten bekam, kurz davor stand, mal einen Song als Filmmusik zu platzieren – bis dann unverhofft das Telefon des Schauspielers klingelte und das Angebot an ihn herangetragen wurde, die Hauptrolle im Kinofilm Twilight zu spielen, so dass Robert Pattinson nun doch verhindert war, nach Hollywood ging und Lee zurücklassen musste.

Die letzte Tour vor seiner aktuellen BUSK TILL DAWN-Tour spielte Lee MacDougall als Support von Jamie Lawson, der es ja bekanntlich als erster Act geschafft hat, bei Ed Sheerans Label Gingerbread Man Records unter Vertrag zu kommen und zunehmend Bekanntheit zu gewinnen – eigentlich sollte es nicht mehr lange dauern, bis auch Lee MacDougall in den Herzen der internationalen Singer-Songwriter-Fans mitschlägt, denn verdient hätte er es allemal!

Wer handgemachte, ehrliche Songs von einem sehr guten Sänger und Gitarristen schätzt, sollte die etwa 13 EUR für einen Konzertbesuch bei Lee MacDougall unbedingt einmal in die Hand nehmen. Und am Rande: Seine Shows lassen sich übrigens in perfekte Pärchenabende einbinden.


 

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastartikel vom Benny. Wer mehr von ihm lesen möchte, folge ihm doch bei Twitter.

 

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