Foto: Charles Engelken, noisiv.de

Mit großen Augen schaut man dieser Tage nach Flensburg. Lirr veröffentlichen endlich ihr heiß erwartetes Debütalbum „God’s On our Side; Welcome to the Jungle“. Mit der „Ritual“-EP ist das neue Werk der Band, die inzwischen als Quintett agiert, nur noch in seinen Grundzügen vergleichbar. Wirkt der Name bereits sperrig genug, hört das bei den neuen Songs noch lange nicht auf.

Der Band dürstete es offenbar bereits zum Debütalbum hin nach musikalischer Diversifizierung. Der emotional und atmosphärisch geprägte Post-Hardcore bildet auch weiterhin den Unterbau der Songs – dabei bleibt es dann allerdings auch über weite Strecken. Stattdessen greifen sie nach den verschiedensten Genres, die nicht weiter entfernt erscheinen könnten. Mal ist es Soul, dann Surf und an wieder anderer Stelle ertönen plötzlich Hip-Hop-inspirierte Beats.

Das klingt wirr und die zehn Stücke benötigen eine Menge Zeit, um beim Hörer anzukommen. Macht sich zunächst Irritation breit, wird diese früher oder später gezwungenermaßen von Interesse an dieser schrägen Mixtur ersetzt, bis sich all dem irgendwann schlicht nicht mehr widersetzen kann und will. Die Akribie, mit der all diese Genre-Einflüsse implementiert wurden, beeindruckt mit voranschreitender Zeit immer stärker.

Insbesondere erlauben die Einflüsse den Aufbau eines einzigartigen Spannungsbogens. Die Geschichte des Protagonisten, der im Dschungel aufwacht, einen goldenen Puma trifft und allerlei anderes schräges Zeugs erlebt, wird in Kapiteln erzählt, die einer klassischen Erzählstruktur gleichen und von den sehr unterschiedlich klingenden Songs, die des Öfteren auch gleich in zwei Teile eingeteilt sind, passend untermauert wird.

Lirr schaffen mit „God’s On our Side; Welcome to the Jungle“ einen originären und progressiven Sound, der vor allem von ihrem immensen Selbstverständnis profitiert, mit dem sie diesen Mix geschaffen haben. Jedes Element hat seinen Platz, nichts ist überflüssig und alles greift wunderbar ineinander.

Lirr: Live auf Tour 2017

  • 08.09. – Flensburg, Volksbad (Release Show)
  • 04.10. – Hamburg, Kleiner Donner
  • 05.10. – Leipzig, 4rooms
  • 06.10. – Freiburg, White Rabbit
  • 07.10. – Marburg, Trauma
  • 08.10. – Münster, Baracke
  • 11.10. – Köln, Tsunami
  • 12.10. – Berlin, Badehaus
  • 13.10. – Jena, Baracke
  • 14.10. – Darmstadt, Oettinger Villa