Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Vor wenigen Wochen veröffentlichten Lirr ihr Debütalbum „God’s On our Side; Welcome to the Jungle“, mit dem sie aktuell auf Release-Tour unterwegs sind. Der Tour-Start fand vor einer Woche im Kleinen Donner im Hamburger Schanzenviertel statt. Dass die Band live unnachahmlich gut ist, steht für mich ohnehin außer Frage. Seit dem letzten Konzert hat sich aber eine Menge getan. Durch das Album ist die Setlist kräftig durchgewirbelt worden und mit Mats von Wind und Farben haben sie nun ein fünftes Bandmitglied an Bord. Es gilt also, die Flensburger Power-Combo neu kennenzulernen.

Doch zunächst will der Support-Band zugehört werden. Jerakeen eröffnen den Abend. Atmosphärischen Post-Rock aus Hamburg gibt es auf die Ohren. Die Songs ihrer Debüt-EP „Shorelines“ dienten bereits als Soundtrack einer NDR-Dokumentation und obwohl die Hamburger erst seit einem Jahr in dieser Formation zusammen Musik produzieren, klingen sie schon sehr gefestigt. Die Songs funktionieren für sich genommen ausgesprochen gut und lassen einen im Hier und Jetzt versinken. Mir fehlte einzig und allein ein Spannungsbogen im Set, im großen Ganzen.

Mit reichlicher Verspätung legten anschließend Lirr los. Die Verspätung hatte ihren Grund, denn mit dem neuen Album kamen auch eine Menge neuer Instrumente. Während sie auf der Bühne bereits früher durch den Einsatz von drei Gitarren auffielen, gibt es nun ein Sammelsurium aus Percussions, Drumpads, Keyboards und viel mehr zu bewundern.

Das wiederum zeigt auch deutlich auf, wie sehr sich Lirr weiterentwickelt haben: Die Musik ist deutlich komplexer, Leif und Mats wechseln sich bei den Vocals ab und insgesamt ist alles deutlich facettenreicher geworden. Auf der Bühne passiert so viel in einer so hohen Intensität, dass man fast gar nicht hinterherkommt. Waren Lirr, wie gesagt, schon mit der EP eine hervorragende Live-Band, ist „überragend“ mittlerweile deutlich untertrieben.

Wer den Flensburgern bereits in der Vergangenheit etwas abgewinnen konnte, wird nun garantiert nochmal von der schieren Qualität und der Leidenschaft beeindruckt und wem die Band zuvor nicht zusagte, sollte sich trauen und der Truppe eine weitere Chance geben. Sicher: Oberflächlich gesehen prangert der gleiche Name auf dem Konzertplakat und auch die Menschen auf der Bühne sind die Gleichen (mit der Addition von Mats); nichtsdestotrotz zeigte das Konzert im Kleinen Donner vor allem eines: Zwischen Lirr und Lirr liegen Welten. Das hier ist etwas ganz Großes.

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