Love A

Die ersten beiden Alben der deutschen Post-Punk-Band „Love A“ wurden äußerst positiv aufgenommen – Album Nummer drei „Jagd und Hund“, welches heute am 27. März veröffentlicht wurde, schickt sich nun an, das Standing der Band weiter zu festigen. Ob das gelungen ist? Meiner Meinung nach: Ja!

Love A - Jagd und Hund

Die beiden Vorab-Singles „100.000 Stühle“ und „Trümmer“ zeigten bereits, in welche Richtung sich das neue Werk bewegen wird. Lyrisch durchweg stark, musikalisch mal hart nach vorne, mal aber auch mit der gewissen Prise Bedacht mit dem Kopf durch die Wand. Es wurde versucht, ein durchgehender roter Faden zu schaffen, der den Gesang von Jörkk Mechenbier umgarnt. Das heißt aber nicht, dass dieser Faden dazu führt, dass sich die Songs gleich anhören, denn davon ist die Band weit weg. Das Album ist dafür viel zu variabel.

Die angesprochene, erste Single-Auskopplung ist ein hervorragendes Beispiel dafür und steht ein Stück weit im Gegensatz zum Rest des Albums. Hier geht es fast ein wenig melancholisch zu, ohne aber wehleidig zu klingen, Gitarre und Bass wirken sehr warm und arbeiten sich kontinuierlich zur Kernaussage des Songs vor: „Darum bleiben hier so viele Stühle leer“. Gerade, weil „100.000 Stühle“ so sehr aus dem restlichen Album herausfällt, wirkt dieser Song so interessant und auch gerade, weil er so natürlich, ehrlich und ungekünstelt daherkommt, passt er so, wie er ist.

Den Einstieg in „Jagd und Hund“ jedoch macht das sehr flott und bedingungslos beginnende „Lose your illusion“, welches nach dem Intro prompt in ein düsteres und einsam wirkendes Szenario übergeht, das vom Text entsprechend untermauert wird. „Er hat wenns hart auf hart kommt auch mal was genommen“ und „Bleibt die Frage wann es endlich / ob es jemals reicht“ heißt es unter anderem.

Die lyrische Reichweite kann sich dazu ebenfalls sehen lassen. Einsamkeit, Einfältigkeit, Konsumsucht, Staatskritik und Stadtliebe sind nur einige der angesprochenen Themen. Das Timing des Gesangs, die Rhythmik, die allein durch die Lyrics erzeugt wird – das ist großartig gelungen und dazu durchweg von Glaubwürdigkeit und Purismus durchzogen, sodass ich mich konstant dazu gedrängt fühle, mitzusingen.

Diese gelungene Lyrik wird von einer Instrumentalisierung begleitet, die mit „mitreißend“ nur mangelhaft beschrieben wäre. Die Bassline von „Augenringe“ ist wahnsinnig gut gelungen, das Riff von „Ein Gebet“ rhythmisch ohne Ende und „Kein Stück“ versprüht mit einfachen Mitteln eine gefährliche und beklemmende Atmosphäre. Die Instrumentalisierung ist gleichzeitig variabel und trotzdem erkennt man den besagten roten Faden.

Love A 02

Zum Ende hin baut das Album das musikalische Repertoire noch weiter aus: „Brennt alles nieder“ ist groovy und verpackt gleichzeitig eine mahnende Aussage gegen Staat und System – irgendwie wirkt das gegensätzlich und genauso passt es auch irgendwie zusammen. Dieser letzte Song beendet das Album dabei perfekt mit einem aufkommenden Chor, der straight “Brennt alles nieder / Fickt das System“ singt, was passend direkt zur gesamten Platte ist und ich bin vom Aufbau hin zu diesem letzten atmosphärischen Höhepunkt beeindruckt.

Die beiden Singles erweckten in mir bereits hohe Erwartungen an das Album und ich muss deutlich sagen, dass diese mehr als erfüllt wurden. Die Songs sind rhythmisch, die Texte sehr gut ausgearbeitet. Die Stimme von Mechenbier ist dazu absolut einprägsam und ein ganzes Stück weit einzigartig; er schafft es, den Texten Emotion und Authentizität zu verpassen, wie man es heutzutage leider nur noch viel zu selten erlebt.

Jagd und Hund“ hat mich in seiner Variabilität, hochklassigen Komposition und lyrischen Klasse schwer beeindruckt. Bereits mit den ersten beiden Alben „Eigentlich“ und „Irgendwie“, die ich viel zu spät für mich entdeckte, festigte sich Love A als schlichtweg tolle Post-Punk-Band, die viel eigenes mitbringt. Diese Qualitäten haben sie einmal mehr unter Beweis gestellt und ich bin froh, dieses Album und diese Band zu kennen.

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