Love A Oberhausen 01

Eine Band drei Mal in vier Wochen live sehen? Kann man mal machen? Kann man mal machen! Nachdem Love A am letzten Dienstag das neue Musikvideo zu „Toter Winkel” veröffentlichten, sind sie nun auf gleichnamiger Tour unterwegs. Den Start machten Jörkk Mechenbier und Co. im Oberhausener Druckluft und weil das bei mir praktisch ums Eck ist, habe ich mir den Auftritt natürlich nicht nehmen lassen, denn nach zwei Festival-Auftritten (die Berichte könnt ihr hier und hier nachlesen) war es an der Zeit, die Band auch mal auf einem eigenen Konzert zu sehen.

Erwähntes Druckluft ist ein antifaschistisches Jugend- und Kulturzentrum im Herzen Oberhausens, nur unweit vom Hauptbahnhof entfernt und in fünf Minuten per Pedes erreichbar. Es gibt dort mehrere Bereiche, interessant war für mich aber natürlich nur der Konzertraum. Die ist recht kompakt gehalten, wobei für diesen Auftritt nicht die reguläre, sondern stattdessen eine eigene, nur leicht erhöhte Bühne vor der regulären genutzt wurde. Dadurch war es im Raum nochmal ein Stück weit kompakter und voll war es auch.

Illegale Farben eröffnen illegal gut

Illegale Farben

Den Support im Rahmen dieser Tour übernimmt die Post-Punk-Band Illegale Farben aus Köln. Die kannte ich für meinen Teil zuvor gar nicht und das stellte sich als Versäumnis meinerseits heraus. Durchdachte Texte, schöne Melodien – das machte Spaß, lud zur ersten Bewegung ein und hörte sich sehr gut an – und überhaupt: Was für eine Maschine ist der Drummer Jenns denn bitte! Der Sänger Thom hatte zudem offensichtlich gute Laune und sprang des Öfteren von der Bühne runter zur und später auch in die Menge – dass ausgerechnet ich mich natürlich im Mikrofonkabel verheddern musste, stand natürlich außer Frage.

Das erste Album der Illegalen Farben soll übrigens irgendwann im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Ich für meinen Teil werde sie definitiv im Auge behalten, denn da stand am vergangenen Donnerstag eine wirklich gute Support-Band vor uns und ich bin sehr gespannt darauf, wohin die Reise für das Quintett gehen wird.

Love A versprühen Live-Liebe

Love A Oberhausen 03

Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann direkt mit der Band weiter, wegen der eigentlich alle da waren: Love A! Den Beginn machten sie kompromisslos von null auf 100 mit „Oder?”, anschließend ging es mit „Juri” auf eben diesem hohen Level weiter. Druckvoll spielte die Band auf, Sänger Mechenbier war sehr gut aufgelegt und auch die Instrumentalabteilung hatte sichtlich Spaß. Gespielt wurden Songs aus allen drei Alben, quer durch das ausgezeichnete Portfolio dieser Ausnahme-Band. Darüber hinaus coverten sie „Too Doof too Fuck” von Pascow – etwas unerwartet, aber umso besser in der Ausführung.

Die ein oder andere kleine Panne gab es darüber hinaus ebenfalls zu bewundern: Drummer Karl Brausch spielte am Ende von „Juri” zu lang und verpatzte das Timing beim Einstieg in das anschließende „Kein Stück”. Jörkk zerstörte dann, in purem Enthusiasmus getränkt, auch noch das Pedal von Basser Dominik Mercier, welches er aber einige Songs später durch einen Neustart reparieren konnte. War das alles schlimm oder beeinflusste es das Konzert negativ? Natürlich nicht! Fehler machen sympathisch und sind menschlich – viel eher amüsierten sie die Zuschauer mit diesen Einlagen.

Love A Oberhausen 04

Amüsiert waren wir außerdem auch von den ganzen humoristischen Einlagen, die Sänger Jörkk auf der Bühne abzog. Ob er nun den jeweiligen Songtext visualisierte (beispielsweise das Wort „Untergehen” im Song „Brennt Alles Nieder”) oder einfach irgendwelchen Kauderwelch quasselte – seine Art lockert die Auftritte von Love A immer wieder erfolgreich auf. Ausflüge in eine durch und durch komödiantische Richtung machen Love-A-Konzerte auch zu dem, was sie sind – Live-Erlebnisse der etwas anderen und vor allem sehr lockeren Art.

Gut gelaunt war auch das Publikum. Im Gegensatz zur Crowd beim „Angst macht keinen Lärm” wurde nicht gepogt oder gar gemosht; stattdessen tanzten die Leute, bewegten sich und sangen die Songs in Einigkeit mit. Besonders bei Songs, wie „Zaunmüllerei”, „Der tausendste Affe” und „Windmühlen” hörte man die Menge lauthals mitsingen und natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen, das Outro von „Brennt Alles Nieder”, welches der letzte Song der Zugabe und somit auch der Closer für den Abend war, noch einige Minuten nach dem Abschied der Band zu singen: „Brennt alles nieder / Fickt das System”!

Sie können nicht anders, als überzeugen

Love A Oberhausen 02

Mittlerweile stelle ich mir die Frage: Ist es überhaupt möglich, eine Love-A-Show zu sehen, die nicht absolut wundervoll ist? Ich glaube, dass diese Frage verneint gehört. Die Jungs haben es absolut auf dem Kasten, kommen dabei noch sehr sympathisch rüber und geben uns Zuschauern ein gewisses heimisches Gefühl: „Da gehörst Du jetzt hin, exakt da vor dieser kleinen Bühne!”.

Beide Bands überzeugten in allen Bereichen und so bleibt mir nicht viel mehr zu sagen, als euch zu empfehlen, Love A auf dieser Tour live zu sehen. Besagte Tour bringt das Quartett beinahe nach ganz Deutschland – also schaut mal, ob etwas passendes für euch dabei ist und dann hin da! Ihr werdet es nicht bereuen!

Setlist

  1. Oder?
  2. Juri
  3. Kein Stück
  4. Braindecoder
  5. Entweder
  6. Zaunmüllerei
  7. Toter Winkel
  8. Der beste Club der Welt
  9. 100.000 Stühle
  10. Nutzlos glücklich
  11. Lose Your Illusion
  12. Too Doof to Fuck (Pascow-Cover)
  13. Der tausendste Affe
  14. Augenringe
  15. Windmühlen
  16. Stagnation
  17. Trümmer
  18. Nachbarn
  19. Originell
  20. Brennt Alles Nieder

„Toter Winkel”-Tour: Die weiteren Termine

  • 30.09.15 Frankfurt – Elfer
  • 01.10.15 Nürnberg – Desi
  • 02.10.15 München – Feierwerk (Rage Against Abschiebung)
  • 03.10.15 Würzburg – Cairo
  • 04.10.15 Karlsruhe – Jubez
  • 21.10.15 Bonn – Harmonie (Crossroads Festival)