Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Unlängst haben Love A ihr inzwischen viertes Album „Nichts ist neu“ veröffentlicht. Da schickt es sich natürlich, dass man dieses auch in die Clubs des Landes – ergo auf Tour – trägt. In Hamburg machte das Quartett vor knapp einer Woche das Molotow unsicher. Wer sich daran erinnert, dass sie Anfang letzten Jahres das Uebel & Gefährlich ausverkauft haben, konnte bereits erahnen, dass das sehr kuschelig ausfallen würde – was dann letztlich auch der Fall war, denn der Club war von vorne bis hinten ausverkauft.

Doch dazu im weiteren Verlaufe mehr. Der Reihe nach: Ich bekam die Gelegenheit nicht nur das Konzert zu fotografieren, sondern auch das gesamte Vor- und Nachgeplänkel. Um 17 Uhr kam ich also beim Molotow an, Get-in war bereits um 16 Uhr. Ich laufe also die Treppe hoch, gehe in den Backstage und sehe wen nicht? Richtig, die Band – zumindest drei Viertel nicht. Frontmann Jörkk Mechenbier wohnt ja in der Hansestadt und hat es dementsprechend nicht weit.

Die Bandkollegen hingegen hatten es nicht so komfortabel. Drummer Karl Brausch und Bassist Dominik Mercier kamen mit dem Tour-Van aus Trier, während Gitarrist Stefan Weyer mit dem HKX aus Köln andüste. Letzterer trudelte dann auch ungefähr eine halbe Stunde später ein. Genannter Van mitsamt beider Insassen rauschte jedoch von einem Stau in den nächsten. Eine absolute Überraschung wäre das am Tag vor dem Feiertag, erzählte man mir ironisch.

Jörkk verschwand irgendwann Richtung Karatekeller, um dort ein ausführliches Interview durchzuführen. Ich gaffte währenddessen das Buffet an, habe ein paar Worte mit den anderen ausgetauscht und mir zwischendurch auch den Backyard des Molotow angeschaut, den sie just gerade für den Sommer wunderschön ausgestattet haben. Freiluftparties? Auf jeden Fall! Freibad! Oder so.

Kurz vor 19 Uhr trafen dann auch die beiden übrigen Bandmitglieder mitsamt des gesamten Equipments ein. Es musste also improvisiert werden, denn ab jener Uhrzeit war auch der Einlass für die Konzertgäste, die sich ihre Hardtickets bereits eine halbe Stunde vorher abholen konnten und der Soundcheck stand selbstredend noch aus. Der Clubraum wurde also weiterhin dicht gehalten und die Leute versammelten sich im Backyard – das schöne Wetter lud ja auch geradezu dazu ein.

Eigentlich sollten Keine Zähne Im Maul Aber La Paloma Pfeifen den Support an diesem Abend übernehmen, allerdings hat das Trio den Auftritt kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen müssen. Spontan fand sich mit Robinson Krause allerdings noch ein Ersatz. Beide Bands haben also ihren Soundcheck durchgeführt und im Backyard tobte eine tiefenentspannte Stimmung.

Mit rund 30 Minuten Verspätung legten Robinson Krause dann los – während ich gerade im Backstage am Essen war. Besagtes Essen also schnell eingeatmet und ab nach unten vor die Club-Bühne. Mit zunehmender Spieldauer lockerte das Publikum deutlich auf, was letztlich vor allem auch an der sympathischen und selbstironischen Art des Trios liegt, die sich auch in ihre Musik hineinzieht. Insofern passen sie doch eigentlich ziemlich gut in diesen Abend hinein. Das wiederum gefiel der Crowd merklich, die sich vom verspäteten Beginn nicht die Laune vermiesen lies.

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Nach dem Support-Auftritt: Umbaupause, also alle wieder raus in den Backyard. Völkerwanderung, wenn man so will. Nicht allzu lange danach tritt das Zuschauervolk wieder den Weg zurück an, denn Love A fangen mit „Oder?“ und „Juri“ an. Die Crowd ist sofort mittendrin in der Action. Anschließend folgte mit „Nachbarn II“ der erste Song vom neuen Album. Es folgte ein Stakkato aus älteren und neuen Songs, die sich allesamt bestens zum großen Ganzen zusammenfügten.

Dazwischen? Der typische Humor eines Jörkk Mechenbiers, der gefühlt bereits nach den ersten paar Songs zehn Kilogramm verschwitzt hat. Am Ende blendet sein durchtrieftes und dadurch reflektierendes Hemd beinahe schon. Das lag zum Teil aber auch an der Hitze, die sich immer stärker anstaute. Irgendwann war es so stickig, dass es kaum noch auszuhalten war. Die Crowd wiederum hat das aber nicht wirklich interessiert. Da steppte ordentlich der Bär, bei den flotteren Songs ging der Pogo ab und zwischendurch flogen Luftballons in Herzform durch die Gegend. Es hat etwas surreales an sich, weil es so passend ist in diesen Momenten.

Mit dem Trio Infernale, bestehend aus „Too doof too fuck“, „Treeps“ und „Brennt alles nieder“ wurde das reguläre Set dann irgendwann beendet. Die Band verlässt die Bühne, es geht ums Eck. „Da geht aber noch was“ tönt es, also wieder rauf auf die Bühne. Letztlich beendet natürlich „Windmühlen“ den Konzertabend. Da steht man dann in einem Raum und wirklich alle sind scheinen restlos (vielleicht auch nutzlos) glücklich zu sein. Der Jubel und das Tosen waren groß. Anschließend: Bloß alles raus in den Backyard! Die Meute scheint zwischenzeitlich die immense Hitze bemerkt zu haben.

Bei Love A: Große Glückseligkeit. Geiles Konzert hingelegt und ordentlich durchgeschwitzt. Dominik fragt nach Tabak, das Zigarettendrehen bekommt er gerade noch hin. Anschließend: Ausgelassene Feierei – sowohl im Backstage, als auch im Backyard, wohin die „we Love bAllern“-Afterparty verlegt wurde. Ein Abend, wie geschnitzt: Erst geht alles schief, dann improvisiert man und zuletzt wird doch alles super. Ein Abend, der Menschen glücklich machte – dafür steht die Band mit ihrem Namen.

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