Foto: Andreas Hornoff

Love A geben sich gerne blöd und treudoof. Spätestens auf der Live-Bühne fällt einem das auf, wenn Sänger Jörkk Mechenbier über alles und jeden – vor allem sich selbst – lustig macht. Da passt der Titel des neuen und inzwischen vierten Albums „Nichts ist neu“ natürlich wie die Faust aufs Auge. Und sie haben Recht: Wirklich neu ist an der Platte nichts.

Aus der möglichen Not, die so mancher darin sehen könnte, machen sie aber stattdessen eine Tugend, denn es geht hier schließlich um die Ambivalenz der inkompetenten Kompetenzmenschen von Love A. Aus dem namensgebenden Grundgedanken wird so ein stringenter roter Faden gebastelt, der die Ironie aufgreift, die der Band schon immer innewohnte.

Der Meta-Höhepunkt ist hierbei schnell erreicht – beim zweiten Song „Nachbarn II“, um präzise zu sein. Auf der ersten Platte „Eigentlich“ aus dem Jahr 2011 gab es den Song „Nachbarn“ bereits und beide Stücke sind gute Indikatoren dafür, wo sich die Band und insbesondere Mechenbier als Sänger und Texter zum jeweiligen Zeitpunkt befand. Während das „Original“ ein keifender Mittelfinger-Angriff auf die Durchschnittlichkeit der anderen war, geht es im Sequel um einiges differenzierter zu.

Die Marschrichtung, die Love A bereits mit „Jagd & Hund“ eingeschlagen haben, wird hier konsequent fortgeführt. „Die Anderen“ ist ein guter Indikator für diese klangliche Fortentwicklung hin zum Wave und auch die Texte fielen nochmals lyrischer aus, wenngleich sie ihre Direktheit nicht ad acta gelegt haben, wie „Löwenzahn“, „Unkraut“ und „Weder noch“ mit ihren verbalen Ellenbogen gegen Klischees und Oberflächlichkeit bestens demonstrieren.

Nicht ad acta legte Mechenbier natürlich auch seinen Hang zur Melancholie. Der Opener „Nichts ist leicht“ ist ein solches Beispiel, wenn er zum schallernden Gitarren-Riff desillusioniert die Zeilen „Ich hab’s versucht / Ja, beinah jeden Tag / Aber es will mir nicht gelingen / Ich kann nicht sein wer ich bin / Weil ich weiß was es heißt und ich weiß / Das muss selbst abklingen“ von sich gibt. „Sonderling“ hingegen zeigt auf der anderen Seite das messerscharfe Verständnis für zielführende Wortspiele, das Love A schon immer irgendwie auszeichnete: „Plattensammler-Rotweinfan / Jutebeutel-Burnout-Boy / Junkie-Psycho-Kuschelzeit / Mädchenurlaub, Einsamkeit / Drogengirl mit Exfreund-Hass / Tinder-Sex und Bindungsangst / Alles kann gemeinsam existieren“. Dazu dann eine Instrumentalisierung mit Ohrwurm-Charakter – die gute Ohrwurm-Form, wohlgemerkt.

Am Ende ist „Nichts ist neu“ ein Paradoxon in sich. Ja, Love A verzichten bewusst auf bahnbrechende Neuerungen und werden das auf fehlende Kompetenzen ihrerseits schieben. Auf der anderen Seite merkt man ihre Weiterentwicklung als Kollektiv an jeder kleinen Ecke des Albums. Die 12 Songs sind schlichtweg außerordentlich gut geschrieben und produziert. Nichts ist neu, aber alles verdammt gut.

Love A: Nichts ist Live Tour 2017

  • 12.05. – Nürnberg, Desi
  • 13.05. – Berlin, Festsaal Kreuzberg
  • 24.05. – Hamburg, Molotow
  • 25.05. – Düsseldorf, Zakk
  • 26.05. – Wiesbaden, Schlachthof Wiesbaden
  • 27.05. – Leipzig, Conne Island
  • 01.07. – Trier, Exhaus (Summer of Love A)
  • 29.09. – Hannover, Faust
  • 30.09. – Flensburg, Volksbad
  • 01.10. – Rostock, PWH
  • 02.10. – Bremen, Tower
  • 27.10. – Weinheim, Café Central
  • 28.10. – Koblenz, Circus Maximus

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