Lygo 01

Lygo als Support für Adam Angst in Düsseldorf (Konzertbericht)

Lygo – das ist das Punkrock-Trio aus Bonn, an dem momentan kein Weg vorbei führt, wenn man sich für die Musik und die Kultur interessiert. Harte, kompromisslose Musik, die durch intelligente Texte und einer ganzen Menge Wut im Bauch auffällt. All das haben sie bereits auf ihrem Debütalbum „Sturzflug“ präsentiert. Nun sind sie mit der neuen EP „Misere“ wieder am Start und sie sind kein Stück ruhiger geworden – eher ist das Gegenteil der Fall und das macht sie derzeit unwiderstehlich.

Lygo - Misere EP

Sechs Songs bietet „Misere“. Sechs Mal hört man schnellen Punkrock, der nie langweilig wird, immer wieder neues bietet, aber immer laut und ehrlich ist. „Da sind Fragen“ läutet die EP vor allem mit druckvollen Drums ein und bereitet in 20 Sekunden auf das vor, was die restlichen knapp 18 Minuten noch kommen wird und anschließend sofort explodiert.

Das melodische und stets aggressive Vocal-Stakkato, dass sich die beiden Sänger Simon und Jan immer wieder liefern, bringt zusätzliche Abwechslung hinein. Dem gesamten Sound entnimmt man ein deutliches Händchen für kräftige Melodien. Diese ziehen einen so stark in die EP hinein, dass sie einen nicht mehr loslassen.Es entstehen beinahe Post-Punkig dunkle Atmosphären und man verliert sich in den Songs, sodass man irgendwann zu den starken Texten durchdringt.

Wir können mit dem Tod nicht verhandeln
Wenn wirs versuchen
Können wir nur verlieren
Hinter allem was wir sagen
Und allem, was wir tun
Steht die Angst
Nicht zu existieren

Lygo – Fosca

Jene Texte sind immer destruktiver Natur. Lygo sind angepisst. Lygo sind wütend. Das klatschen sie dem Hörer ungefiltert in die Ohren – eine breite Ohrfeige, die einen umklatscht. „Post Mortem“ thematisiert die innere Leere, „Fosca“ hingegen die Angst vor eigener Bedeutungslosigkeit. Nie werden plumpe Formulierungen oder gar Parolen gewählt, Raum für eigene Interpretationen bleibt immer ein Stück weit vorhanden. Trotzdem ist klar: Gute Laune und blauer Sommerhimmel ist hier nicht!

Musikalisch entfernen sie sich nicht allzu sehr von bekannten „Sturzflug“-Ufern, allerdings fällt die druckvolle Produktion auf „Misere“ sehr positiv auf, die den Songs nochmal zusätzliche Dringlichkeit mit auf den Weg gibt und diese so noch überzeugender wirken lässt. Die Kompromisslosigkeit von Lygo überrollt und lässt einen beeindruckt zurück, Spielereien braucht man hier gar nicht erwarten. Wer auch in 2016 noch immer der idiotischen Meinung ist, dass Punk oder Deutschpunk im Speziellen tot sei, hat der Läuterung wegen die „Misere“-EP um die Ohren gepfeffert zu bekommen!

Lygo: Konzertdaten

Ab Anfang Mai kann man Lygo übrigens auch wieder live sehen. Ich für meinen Teil empfehle einen Konzertbesuch absolut, denn in Essen als Idle-Class-Support und zuletzt in Düsseldorf als erste Vorband für Adam Angst haben sie mich bereits vollends überzeugen können!

  • 04.05. – Münster, Baracke
  • 05.05. – Oberhausen, Druckluft
  • 06.05. – Bremen, Lagerhaus
  • 07.05. – Berlin, Musik & Frieden
  • 27.05. – Trier, Exhaus
  • 28.05. – Esslingen, Komma
  • 03.06. – Hannover, LKA
  • 04.06. – Greifswald, Alex

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