Kratzig, hässlich, eigenwillig – so präsentierten sich Lyvten aus Zürich bereits auf ihrem Debütalbum „Sondern vom Mut, mit dem du lebst“. Diesen Weg führen sie nun mit dem Nachfolger „Bausatzkummer“, der jüngst via Twisted Chords veröffentlicht wurde, konsequent weiter. Die Schweizer haben nach wie vor kein Interesse daran, schön oder leicht verdaulich zu klingen, womit sie die Szenen wiederum merklich in Lager spalten.

Das fängt schon bei den Vocals von Frontmann Thorsten Polomski an. Charakterisch ist der Gesang durchaus, gerade deswegen aber auch arg gewöhnungsbedürftig. Irgendwo zwischen klassischer Deutschpunk-Röhrerei und moderner Post-Punk-Interpretation giftet er gegen Rechts, Angepasstheit und allerlei andere Themen.

Instrumentalisierung und Produktion liegen ebenso zwischen Klassik und Moderne: Ersteres wirkt etwas chaotisch und geht kräftig in die Vollen, letzteres schlägt in eine deutliche DIY-eske und raue Kante. Auffällig ist vor allem auch, dass sich die Band im weiteren Verlauf immer mehr traut und Indie-Punk-Elemente deutlich zum Vorschein kommen – vor allem „Globus Headfirst“ erweckt dadurch eine ganz eigene Stimmung.

„Bausatzkummer“ macht beim ersten Durchgang nicht unbedingt „Spaß“, weil sich Lyvten ihre ganz eigene, kleine Sound-Nische ausgesucht haben. Darauf ist diese Platte aber wohl auch gar nicht ausgelegt. Viel mehr verteilen die Schweizer über die Laufzeit hinweg regelmäßig Anreize, die ein gewisses Interesse erwecken. Mit jedem Durchlauf entfaltet sich das Album dann ein wenig mehr und man fängt an zu verstehen, was hier vor sich geht.

„Punk ist, was man draus macht“ – ein Grundsatz, den sich Polomski und Co. deutlich auf die Brust geschrieben haben. „Bausatzkummer“ ist mehr, als das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Das hier ist weiter weg von Hamburg, Berlin, Stuttgart und anderen Szene-Epizentren, als man oberflächlich betrachtet meinen mag. Erkennt man das, gibt es als Belohnung Indie-Post-Punk der etwas anderen und sehr eigenwilligen Art.

Lyvten: Live in 2017

  • 27.10. – CH: Bern, Reitschulefest
  • 28.10. – CH: Winterthur, Gisi (Release-Konzert)
  • 23.11. – DE: Karlsruhe, P8
  • 24.11. – DE: Esslingen, Komma (Noise Massacre Festival)