Mit einem exklusiven Clubkonzert kehrten Madsen am 7. August zurück ins Molotow nach Hamburg!

Es ist Samstag Abend, der 14. Dezember 2013: der Sound der Sirenen legt sich über die Hamburger Reeperbahn. In scharen verlassen Menschen umliegende Bars, Clubs und Wohnhäuser am Spielbudenplatz. Mehrere Anrufe seien bei der Polizei eingegangen, angeblich hätten die Wände der brüchigen „Esso-Häuser“ gewackelt. Gegen 22.30 Uhr wird das gesamte Areal evakuiert. Darunter auch das legendäre Molotow, wo gerade Madsen den Auftakt ihrer „5 Alben – 5 Nächte“ Kurztournee bestritten haben. Am Freitag kehrte die Band nun erstmals wieder zum Molotow zurück – und spielte ihr Konzert zuende.

Seit den kalten Tagen im Dezember hat sich bei der Rockband aus dem Wendland einiges getan. Die Tournee, die sich an jedem der Nächte chronologisch einem Album der Band widmete, mittlerweile als Boxset die Regale, Vitrinen und Mediatheken mancher Fans schmückt, hat das Gespann um Familie Madsen an seinem Kompass gefeilt. Mit jenem Album am neuen Standort leiteten Madsen am Freitag Abend die Live-Ära der 6. Platte ein. Obwohl, nicht ganz. Hurricane und Southside Festival waren nach dem spontanen Ausfall Ben Howards in diesem Jahr noch etwas eher drangewesen, zwei Singles aus Kompass und eines der ausgelassensten Gigs des Zwillingsfestivals gab’s als Geschenk oben drauf. Jetzt aber wirklich: zurück ins heute, zurück ins Molotow.

Madsen – Live im Molotow, Hamburg!

Oder doch lieber nochmal raus? Das neue Molotow, nun direkt am Eingang zum S-Bahnhof Reeperbahn gelegen, weiß insbesondere die Freunde aus alten Tagen zu überraschen. Mehrere Floors, gehalten im klassischen „Molotow rot“, treffen auf einen sorgsam dekorierten Innenhof – am ehemaligen Standort undenkbar, bestand dieser doch lediglich nur aus zwei Tanzräumen. Als wir Freitag Abend den Club betreten, sind schon ein paar Kisten Bier und Merch über die hiesigen Tresen gehüpft. Mit dem Blick auf die ausgestattete Bühne wird schnell klar, dass Sebastian Madsen und Co. sehr bald auch schon mithüpfen werden. Das Licht geht aus, das Publikum wird laut und mit der Astra-Flasche in der Hand begrüßen wir dann auch schon die Band des Abends!

Und schon wird Geschichte geschrieben: der größte Hit des 2006er Goodbye Logik klärt zum Einstieg erste Fronten auf dem Floor der Tatsachen. Waren wir gerade noch froh den Hamburger Hochsommer für ein paar schöne Augenblicke mit einer unserer liebsten Bands zu tauschen, wendete sich auch dieses Blatt noch einmal und ließ das Clubkonzert zur Sauna werden. Geht in Ordnung. Später geht’s schließlich Nachtbaden. Das heißt, wenn uns die Wendländer keinen bösen Streich spielen.

Strategisch gut platziert, darf im Anschluss mit Ich trink’ nur eben aus sich die erste Live-Premiere aus Kompass zu uns in die Sauna gesellen. Eine Feuertaufe, sind doch schließlich die Augen von Fanclub und Kameras auf die deutsche Band gerichtet. Doch, Hut ab: sie gelingt! Zwar kein Born to Run geworden, besingt die Lyrik die längst überfällige Flucht aus dem routinierten Alltagstrott – natürlich nicht, ohne vorher nochmal das Glas zu heben. Der Eintritt in die intime Welt der Sauna kann so auch das 6. Stück des 6. Langspielers nicht davon abhalten im Chorus zum Pit einzuladen. Ob und in welcher Form das gefilmte Material aus den Linsen der Kameras im Übrigen veröffentlicht wird, können wir Euch zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch leider nicht sagen.

Im weiteren Verlauf sitzt drei Jahre nach Wo es beginnt das Stück aus der gleichnamigen 5. Platte bei Fans und Band wie angegossen. Wie ein geborener Klassiker reissen die anfänglichen Akkorde sämtliche Stimmbänder des Schuppens am Nobistor zum Mitsingen mit. Dabei ist der Titel doch ein relativer Frischling im Madsen-Universum! Nachdem der neue Stammgast der madsenschen Setlist sein erwartetes Ende genommen und wir auf dem Moshpit gezwungenermaßen Körperflüssigkeiten austauschten, ging Frontmann Sebastian Madsen noch einmal auf die Evakuierung des Molotows auf dem 2013er-Konzert ein. Angeblich hätte ein Nachbar zu laut Gunther Gabriel gehört, Madsen habe damit nichts am Hut. Man merkt: es ist eindeutig zu heiß hier.

So Freunde, auch der Pop-Punk ruft nochmal durch: mit Leichter ließen Madsen nun die zweite Live-Premiere des Abends folgen und warfen uns damit direkt in Ecken und Wälder, in welchen zuletzt Sum 41 nach der Jahrtausendwende ihr Unwesen getrieben haben. Zumindest im Chorus. Die groovigen Strophen gaben uns hingegen Schaufel und Eimer in die Hand, um ein paar alte Choreos von George Michael auszugraben. Leichter ist keine Revolution, macht aber zumindest live jede Menge Spaß. Wie Studioversion und meines Gleichen miteinander auskommen werden, wird sich aber in den folgenden Wochen erst herausstellen müssen.

Madsen – Live im Molotow, Hamburg!

Zum ersten Mal seit dem Opener Du schreibst Geschichte wird es mit Mein Herz bleibt hier aus dem 2010er-Werk Labyrinth wieder so richtig laut im Molotow. Während also erneut Lyrics aus sämtlichen Kehlen rinnten und Arme und Beine durch die Lüfte getragen wurden, fiel mir besonders die großartige Organisation des Konzerts ins Auge. So wurde es zu keiner Zeit eng oder ungemütlich, kein Fan musste jemals auf seine Portion Bier verzichten und beim Gang zur Toilette ist außer wertvoller Konzerzeit kein Platz verloren gegangen. Apropos Gang zur Toilette: es folgte noch ein neuer Song. Die neue Single Küss mich, welche es bereits in Scheeßel bzw. Neuhausen Ob Eck im Juni auf die Ohren gab, feierte im Übrigen erst vergangene Woche seine Videopremiere.

Und es gibt sie doch noch – YouTube-Videos die ganz ohne Beschränkungen funktionieren. Wir nähern uns dem vorläufigen Höhepunkt des Konzerts: PERFEKTION! Das Basket Case ihrer Karriere sozusagen. Madsen haben über die Jahre gelernt damit umgehen: sorgsam wird die Perfektion makellos unterfüttert mit Auszügen aus I Love You Baby, You Are My Sunshine und – wie könnte es anders sein – einem Cover von Where Did You Sleep Last Night?, bis der erste große Hit der Band nach einer kleinen Sitzeinlage in einem wahren Finalrausch zum letzten Mal explodiert. Einfach groß.

Ausnahmsweise wurde auf der Reeperbahn zwar nichts evakuiert, trotzdem sollten sich wieder Sirenen über den Hamburger Kiez legen. Mit der Single Nr. 1 aus Kompass warfen Johannes, Sascha und Sebastian Madsen das Molotow zurück in die 70er, Niko Maurer legte mit seinem Bass zum Todesstoß an. Ein mutiges Stück, ist es doch in einigen Momenten nicht nur gefährlich nah an War Pigs von Black Sabbath angelehnt, sondern gar auch identisch. Hätten die Arctic Monkeys nicht erst vor zwei Jahren vorgemacht, wie sich jener Einfluss gekonnt in ein neues Stück eingliedern lässt, wäre ich vielleicht ein bisschen weniger enttäuscht.

Da wir es uns gerade so schön in den 70ern gemütlich gemacht haben, begann das Publikum auch schon ordnungsmäßig mit den ersten Rufen zu Pink Floyd zu reagieren. Macht Sinn. Sebastian Madsen reagierte schrammelnd mit einer Runde Another Brick In The Wall, ehe es endlich auch Zeit wurde Lisa Nicklisch aka. Lisa Who der illustren Runde vorzustellen und mit So cool bist du nicht die zweite Ballade des Abends vorzulegen. Der Moshpit tankte Bier und Energie, es wurde inne gehalten.

Madsen – Live im Molotow, Hamburg!

Wir nähern uns dem Finale. Kompass, Titelstück der neuen Platte, sollte noch einmal nachdenklichere und tanzbare Klänge anstimmen und als Hommage auf das Wendland die Reihe der neuen Stücke am Freitag Abend abschließen. Das Stück gefällt, verdeutlicht es doch wie abwechslungsreich die Platte letztendlich ausgefallen ist. In den letzten Minuten offizieller Spielzeit ließen uns Madsen übrigens nicht hängen: Nachtbaden war endlich angesagt! Und bitter nötig, denn kein Kleidungsstück war mehr trocken. Kein einziges.

Verlängerung! Unüberhörbar die Chöre zum 2012er-Hit Lass die Musik an, unübersehbar die Präsenz der Band, welche gutaufgelegt mit dem letzten Track des Abends die Menge in die anstehende Afterparty entließ. Unterdessen sichteten findige Augen auch den deutschen Singer-Songwriter Bosse im Publikum. Ein Publikum, welches sich beim letzten Stück gar zu ein paar Liegestütz im Moshpit hinreissen ließ. Dinge gibt’s, die gibt’s nur einmal. So wie dieses Konzert am Abend des 7. August im Molotow.

Lasst es Euch sagen: ein Madsen-Konzert in Hamburg zu erwischen ist gar nicht mal so einfach! War das Clubkonzert im Molotow innerhalb einer Stunde ausverkauft, zog der Gig in der Großen Freiheit 36 am 11. November kurzer Hand nach und rollte der Band erneut den roten Teppich aus. Alles kein Problem, ein Zusatzkonzert am 5. Februar 2016 im brandneuen Mehr! Theater ist unlängst angesetzt, Karten sind zur Zeit noch unter www.madsenmerch.de erhältlich. Fans außerhalb Hamburgs werden derweil unter www.madsenmusik.de/live mit brandneuen Tourdaten bedient. Ran da!

Das neue Album Kompass erscheint am 14. August via Four Music.

[asa]B00ZGUI6QO[/asa]