Das war ein perfekter Freitagabend: Manchester Orchestra luden zu ihrem letzten Konzert in diesem Jahr ins Molotow ein. Ein guter Support leitete den Abend ein und der Headliner des Abends wusste die Zuschauer zu begeistern. Auch gab es eine überraschende Änderung in der Setlist, aber erst einmal der Reihe nach.

Erfrischend neu und dennoch vertraut: Manchester Orchestra mit „A Black Mile To Surface“

Manchester Orchestra gehören zu jenen Bands, die bisher keinen Ausrutscher in ihrer Diskografie haben und seit jeher sowohl von Fans als auch von Kritikern überwiegend... Weiterlesen →

Als Vorband gaben sich Slothrust aus Boston die Ehre. Bereits hier war das ausverkaufte Molotow schon so gut wie voll. Der Sound des Trios lässt sich nicht eindeutig einordnen. Zwischen Blues und Garage Rock wussten Frontfrau Leah Wellbaum gemeinsam mit ihren Bandkollegen Kyle Bann und Will Gorin zu überzeugen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Band abermals nach Deutschland kommen wird.

Nach der Umbaupause starteten Manchester Orchestra unter Beifall des Publikums gleich mit drei Songs ihres neuen Albums „A Black Mile To Surface“. Die Setlist war gemischt mit Songs aus der gesamten Diskografie und in all ihren Facetten. So wurde etwa die ruhige Single „The Alien“ ebenso frenetisch gefeiert wie die wuchtigen Songs wie etwa „Shake It Out“ oder „Cope“. Im Gegensatz zum letzten Hamburgkonzert ist das Keyboard in den Hintergrund gerückt, nachdem Chris Freeman die Band verlassen hatte. Dafür konnte Bassist Andy Prince auf der Bühne deutlich mehr in den Vordergrund rücken und hatte einen großen Anteil der Livepräsenz, die Manchester Orchestra an diesem Abend ausgemacht hat.

Für eines der vielen Highlights des Abends sorgte eine fanatische Zuschauerin. Diese fiel bereits zu Beginn durch lautstarkes Mitsingen auf und feierte die Band wie ein wahrer Groupie. Immer wieder rief sie der Band zu, den Song „The Ocean“ zu spielen. In einer kurzen Pause zwischen zwei Liedern unterstrich sie ihre Forderung und sagte: „Play the ocean, my husband loves this song“. Gentleman Andy Hull spielte den passenden Akkord und stimmte kurz mit einem „The Ocean“ an und erfüllte somit den Wunsch halbwegs.

Damit nicht genug: Der Mann meldet sich von hinten und schrie „Thank You“ nach vorne . Andy Hull konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „You are her husband? I’m sorry, I can imagine how breakfast must be. HUSBAND. EGGS. EGGS. PLAY THE OCEAN.“ Der Club tobte vor Lachen, dennoch gab ein charmanter Frontmann der Frau doch noch zu erkennen, dass sie ein „Sweetheart“ sei. Als die Band dann „Simple Math“ anfing, schrie eine überglückliche Frau „Yeah, it’s on the setlist“ und Gitarrist Robert McDowell hatte alle Mühe, sich vor Lachen wieder auf den nächsten Song zu konzentrieren.

Manchester Orchestra bewiesen abermals, dass sie eine geniale Liveband sind. Die Band hat so viele großartige Hits, dass sie alle an diesem Abend gar nicht unter bekommen haben. So fehlten mir im Anschluss Songs, wie „Virgin“, „Pale Black Eye“, „Wolves at Night“ oder „Alice and Interiors“, um nur einige zu nennen. Aber auch andere Zuschauer hätten gerne an der Setlist mitgeschrieben; immer wieder veräußerten einige Zuschauer ihre Songwünsche. Auf meinen (nicht ernst gemeinten) Zwischenruf, sie mögen doch bitte Pina Colada spielen, reagierte die Band mit einem Lächeln. Andy erinnerte sich, dass sie diesen beim letzten Besuch gespielt hätten.

Dennoch war die Abstimmung der Setlist gut gewählt. Mit „The River “ wurde ein krönender Abschluss des Hauptsets gewählt. Die Zugaben mit „I Can Feel A Hot One“ und „The Silence“ waren ein schönes Ende für einen wunderbaren Konzertabend. Ich freue mich schon auf die nächste Gelegenheit, hoffentlich ganz bald wieder und nicht wie angekündigt erst in zehn Jahren. Und hoffentlich wieder im Molotow!

Alle Fotos von Slothrust & Manchester Orchestra