Manual Kant

Wie ein bombastischer Hip-Hop-Representer fängt er an, der Opener der neuen Platte von Manual Kant. Düstere Synthie-Flächen, aus der Ferne hallt ein „Kant”, die Riffs wabern atmosphärisch und bedrohlich. Ohne Vorankündigung tauchte sie am vergangenen Dienstagabend einfach auf. Die Band aus Landshut gibt scheinbar nicht mehr viel auf klassische Releasewege, übernimmt die Veröffentlichung von „Der Kanten Die Gier” selbst und nimmt nichtmal Geld dafür. Bereits vor einer Weile äußerten die Jungs Unmut über die Vogehensweise des Labels bei ihrem Debüt „Applaus”, das mich damals mit seinem smarten Garagenrock und den starken, deutschen Texten von Sänger Malte mächtig beeindruckte. Tatsächlich beginnt er dieses Mal nach dem nicht weniger beeindruckenden Intro mit einer mehr rappend als singend vorgetragenen Huldigung seiner eigenen Band:

„K-K-Kannst du es spüren, wie der Raum implodiert? Plötzlich macht alles Sinn, jetzt wird philosophiert – yüah! Ganz anderer Standard, zerstampftes Gehirn, dein Herz schlägt so schnell, du denkst du stirbst! Gottseidank – Kant! Dass dir das nochmal passiert.”

Da hat er nicht Unrecht – der Song ist ein krasses Brett, das in sechs Minuten zeigt, wo es langgeht auf dem neuen 7-Track-Album des Trios. „Zlatan” kündigte diese Richtung bereits vorab als Videosingle an, schlug uns bolzende Bässe und einen Stoner-Groove um die Ohren und fehlt dementsprechend auch nicht auf dem Album.

Das bluesige „Der letzte tighte Wigga” hingegen will mehr zum Lachen als böseblickend Kopfnicken bringen – die Rolle des im Titel genannten Wiggas weiß Malte hervorragend in Zeilen über Unterbodenbeleuchtung und Trance-Pumpen zu verkörpern!

Plastikbecher, Vodka-Bull, ein paar Pillen, das geht ab! Ich greif‘ mir generell gerne an den Sack – real wigga, what’s up?!”

In einer ähnlichen Liga spielt „DGF-CJ” und koppelt die überspitzten Texte mit dem auf der Platte omnipräsenten Dröhnsound zu einer Ode an die Dingolfinger Crystal-Junks. Der Kanten Die GierDabei erinnert der Song textlich an das auf der Demo-EP von 2012 veröffentlichte „Schnippschnapp” – und aus genau der haben sie auch „Halt meine Haare, ich muss kotzen” wiederbelebt. Zurecht, der Song war schon damals groß und wird in der überarbeiteten, ausproduzierten Version umso größer! Die Kernattitüde der Kanten fasst Malte hier in der Zeile „Ganz egal, wie viel ich kiff‘ – ich pack‘ dich nicht!” ganz passend zusammen: Es geht um Antihaltung, es geht um’s Außenstehen in der Gesellschaft – und natürlich geht es auch um’s Kiffen. Nicht umsonst prangt ein Brocken Hasch auf dem Albumcover, nicht umsonst bleiben die BPM bei Manual Kant meist eher im entspannteren Bereich. Umso freier kann sich auf dieser Grundlage der bassige Klang entfalten, den sich die Band mit diesem Werk scheinbar gerade zum Signature Sound macht.

Das ebenfalls vorab gezeigte „Gib den Kindern” beschließt die 26½-minütige LP, die damit also nur vier Songs enthält, die nicht bereits zu hören waren. Unter ihnen ist auch das mit seiner Tanzbarkeit und den poppigen Synthies besonders herausstechende „Mingarish” – ebenfalls eine Richtung, in der Manual Kant hier brillieren. So bleibt also zu hoffen, dass die drei Bayern sich nun, wo sie ihr enormes Talent erneut der Welt gezeigt haben, nicht erneut einem für sie unpassenden Label anschließen, sondern ihr Ding weiterhin durchziehen – denn dann sind sie, wie dieser Release in vielfacher Hinsicht beweist, am besten.

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