Marathonmann

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Nach einer unglaublichen Akustik-Tour im letzten Jahr und drei vorveröffentlichten Singles inklusive Musikvideos wurde meine Vorfreude auf neues Material der vier Münchener praktisch unerträglich. Und dass diese Freude berechtigt war, zeigte sich am 31.04.2016 als endlich „Mein Leben gehört Dir“ das Licht der weiten Welt erblickte. Mir wurde schon nach dem ersten Hören klar, dass sich dieses Album zu den beiden Vorgängern in meine Lieblings-Playlist einreihen wird.

Marathonmann - Mein Leben gehört Dir

Das Album besticht wie üblich durch unglaublich tiefgehende und emotionale Texte, den unverwechselbaren Gesang des Frontmannes und ein abwechslungsreiches Zusammenspiel der Instrumente. Wer sich von der Band jedoch großartige Innovationen oder Veränderungen erhofft hat, wird allerdings enttäuscht. Das alte Konzept wird größtenteils weiter geführt. Aber das wie gewohnt auf höchstem Niveau.

Anders als bei den vorhergegangenen Alben beginnt „Mein Leben gehört dir“ mit einer Aufnahme, die nur durch ein leichtes Rauschen und Knistern im Hintergrund begleitet wird. Dieses versetzt einen aber sofort in eine besondere Stimmung. Nach dem durchaus ruhigen Start wird dann sofort wieder Vollgas gegeben! Es dringen die gewohnten Töne aus den Boxen. Starke und kraftvolle Instrumente begleiten den abwechslungsreichen Gesang und unterstreichen die Texte mit überragendem Perfektionismus.

Es ist wirklich verdammt schwer, ein absolutes Highlight in diesem Album zu finden. „Du lässt die Farben gehen“ ist jedoch ein Song, der sich definitiv heraushebt. Hier hat niemand geringeres als Andreas Dörner von Caliban dafür gesorgt, dass der Track eine ganz besondere Note bekommt. Das Zusammenspiel der Stimmen erzeugt eine emotionale Spannung, welche sich in einem, auf Englisch gesungenem, Part entlädt.

Des Weiteren gewinnt der, schon im Voraus bekannte, Song „Mein Leben gehört Dir“ besondere Aufmerksamkeit. Die Stimmung des Songs ist sehr träge und zerreißt einen fast innerlich. Um den eindringlichen Text zu unterstreichen, werden die Instrumente zurückgenommen. So ist es voll und ganz möglich sich sowohl dem Inhalt als auch der Stimme hinzugeben.

Wenn man dieses Album hört, wird sich der ein oder andere im ersten Moment wahrscheinlich denken: „Verdammt, woher weiß der Typ was, in mir vorgeht?“. Dieses Gefühl wird von kaum einer anderen Band so erzeugt, wie von Marathonmann. Die eher tristen und teilweise hoffnungslos klingenden Texte versetzen den Hörer automatisch in eine besondere emotionale Lage. Diese eignet sich sicher nicht dazu, um beim Staubsaugen singend durch die Wohnung zu tanzen, jedoch ist sie perfekt um einfach mal in sich zu gehen und nachzudenken.

Komm folge mir. Wir gehen zu zweit und ich zeige dir die Wahrheit.
Vertraue mir ich bring dich hin wo du verstehst und wo du siehst.
Und keine Angst, wenn wir dort waren, wirst du ein Anderer sein.
Diese Wunden werden heilen, das Gefühl bleibt für die Ewigkeit.
Diese Narbe sie wird weh tun bis in alle Zeit.
Sag mir bist du bereit dafür?

(Marathonmann – Wunden und Narben)

Wie schon vorher erwähnt hat sich an dem Konzept der Band nicht sonderlich viel geändert. Das ist schließlich auch der Sound, an dem die vier Münchener seit nun drei Alben perfektionieren und der sie von anderen Bands unterscheidet. „Mein Leben gehört Dir“ hat im Gegensatz zu den vorherigen Alben jedoch noch einige Überraschungen parat, wie zum Beispiel die erwähnten beiden Songs. Ansonsten fügt sich die Tracklist perfekt in die sonstige Songauswahl der Band ein. Ob das nun positiv oder negativ zu bewerten ist, muss jeder für sich entscheiden. Für mich hat die Entwicklung der Band hier auf jeden Fall einen neuen Höhepunkt erreicht. Wer den Sound liebt, der liebt ihn und wird es nach diesem Album nur umso mehr tun.

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