Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Mark Lanegan begleitet mich mit seiner Musik bereits seit dem „Rated R“-Release vor 17 Jahren und in all der Zeit war er einer der wenigen Musiker, deren Output ich stets verfolgte. Nichtsdestotrotz habe ich ihn noch nie live gesehen. Das jedoch änderte sich am Montag, als er mit seiner Band im Gruenspan spielte. Darüber hinaus hatte er mit Lyenn und Duke Garwood zwei starke Support-Acts mit an Bord!

Frederic Jacques alias Lyenn läutete den Abend ein. Er steht mit seiner Gitarre alleine auf der Bühne und kündigte an, dass er nun einige Chansons spielen werde. Dann erfüllte er das gut gefüllte Gruenspan mit seiner eindringlichen Stimme und vor der Bühne sind fast alle still. Die langsamen und intimen Songs, die auf seinen beiden Alben zumeist akustisch eingespielt wurden, funktionieren auch mit E-Gitarre und Effektgeräten wunderbar. Es ist vor allem seine Leidenschaft, die immer wieder Gänsehaut-Momente hervorruft und seine Musik so einzigartig erscheinen lässt. Zum Ende des Sets wird er dann wirklich laut. Die Gitarre röhrt, er schreit sich die Seele aus dem Leib und man bleibt beeindruckt zurück, nachdem er sich von der Bühne verabschiedet.

Die Umbaupause war nur von kurzer Dauer. Duke Garwood übernahm nun zusammen mit Drummer Paul V May das Ruder. Der experimentelle und minimalistische Blues-Rock des Duos ist deutlich lauter und offensiver, sie lassen ihren Stücken zudem sehr viel Zeit zur Entfaltung. Atmosphärisch fesselnd tragen sie sich durch ihr Set. Paul V May schließt seine Augen fast über die komplette Spielzeit hinweg und lässt sich von der Musik selbst so mitreißen, dass es eine Freude ist, hierbei zuzuschauen. Seitens des Publikums wird auch hier gebannt zugeschaut und -gehört. Der Respekt gegenüber den beiden bisherigen Acts ist allgegenwärtig – auch das ist mal eine schöne Abwechslung zum sonstigen Konzertalltag.

Das Finale stand ja aber noch bevor. Nach einer nun etwas längeren Umbaupause betreten Mark Lanegan und seine Band, in der übrigens sowohl Lyenn, als auch Duke Garwood an Bass respektive Gitarre mitwirken, die Bühne und der Applaus ist riesig. Lanegans neuem Album „Gargoyle“ entspringt auch gleich der Opener „Death’s Head Tattoo“, anschließend geht es mit „The Gravediggers Song“ und „Riot In My House“ weiter. Der Sound ist meines Erachtens nach super und seine Whiskey-Reibeisenstimme kommt sehr zur Geltung.

Wie man es von Lanegan kennt, klammert er sich regelrecht und stoisch an den Mikrofonständer, zwischen den Songs gibt er sich wortkarg – „Thank you“ ist das höchste der (dafür aber merkbar ehrlichen) Gefühle. Eine  große Rampensau wird er in diesem Leben nicht mehr, allerdings würde das auch überhaupt nicht ins Gesamtbild passen.

Während des Sets wird ein Großteil des neuen Albums gespielt, gespickt mit einigen älteren Songs, die quer durch seine Diskographie gehen und stellenweise an das Bandgefüge angepasst wurden, wie beispielsweise „Hit The City“. Wirklich überraschend war dann am Ende die Zugabe, als die Band sowohl „Atmosphere“, als auch „Love Will Tear Us Apart“ von Joy Division direkt aufeinander folgend spielten.

Diese beiden Songs waren das i-Tüpfelchen auf einen großartigen Konzertabend mit drei umwerfenden Künstlern respektive Bands. Drei verschiedene Musikstile, die aber wunderbar zusammen auf der Bühne existieren und ein Mark Lanegan, der nochmal irgendwie über all dem steht.

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