Die Herren von Massendefekt sollten jedem mit einem Herz für guten deutschen Punkrock ein Begriff sein. Die Düsseldorfer haben sich dieses Jahr dazu entschieden, nur drei Konzerte und ein paar Festivals zu spielen, um alsbald im Studio zu verschwinden.

Das letzte Album „Echos“ erschien im Februar 2016 und war eine Rock-Scheibe vom Feinsten. Sebis Reibeisenstimme verbunden mit dem starken Sound von Claus, Mike und Alex inklusive der eindringlichen Texte ist eine Story vom Feinsten. So ist es dann auch hoffentlich auf der irgendwann erscheinenden neuen Platte zu hören. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.

Auf ihrem Konzert während der S/W/N-Tour in Hamburg mit Radio Havanna im Schlepptau, habe ich Sebi zum Interview getroffen und mit ihm über Zukunftspläne, Bühnen-Outfits und vieles mehr gesprochen.

Fotos: Jasmin Reckers, noisiv.de

Warum habt ihr euch für eure Tour ausgerechnet Berlin, Hamburg und Bochum ausgesucht?

Sebi: Gute Frage. Frag mal unseren Booker (Iacht). Also Hamburg gehört immer dazu, Hamburg ist für uns wie ein kleines Heimspiel. Es funktioniert immer super, die Leute sind geil und wir sind gerne hier. Außerdem kann man danach schön feiern gehen, das ist wahrscheinlich auch ein Grund. Das Gleiche gilt eigentlich auch für Berlin. Und Bochum – wir haben den Ruhrpott ein bisschen außen vor gelassen wegen unseres Heimspiels in Düsseldorf.

Ihr macht diese Tour ja aus dem Grund, dass ihr bald an einem neuen Album weiterarbeiten wollt. Wie sieht es denn aus, steht schon etwas oder fangt ihr bei Null an?

Sebi: Ein paar Demos haben wir schon fertig, es fehlt noch viel Text und darum nur wenig Konzerte und ein paar Festivals. Danach dann ein bisschen aufs Songwriting konzentrieren und dann geht es im September/Oktober schon ins Studio.

Gibt es wieder tolle Features zu hören? Auf „Echos“ war zum Beispiel Mario von den Blackout Problems zu hören.

Sebi: Geplant ist noch nichts, aber das kommt noch. Schauen wir mal wo was passen könnte. Mal gucken, ob ein Freund Lust hat mitzumachen. Entscheiden wir dann.

Nochmal zurück zur Tour. Wie entsteht eine Set-List bei euch?

Sebi: Grundsätzlich nimmt man natürlich die Songs, wo man weiß, die kommen super an, weil sie so beliebt sind. Ein paar Songs dürfen da im Set einfach nicht fehlen, die sind immer dabei. Und dann überlegt man, wie man das Set noch ein bisschen abrunden kann. Was Neues einbauen, was hat man lange nicht gespielt. Wir versuchen aus jeder Ära oder aus jedem Album etwas mit einzubringen.

Überlegt ihr euch ein Bühnen-Outfit? Ist euch so etwas wichtig oder ist es immer das Gleiche?

Sebi: Mittlerweile haben wir alle schwarze Shirts an. Aber das ist eigentlich nicht zwingend so. Früher war es wild. Wir haben ja früher viel mit dem Wölli von den Toten Hosen gemacht und der hat uns anfangs auch viel gepusht. Durch seine Erfahrung mit den Toten Hosen, war es natürlich eine sehr bunte Ära und er hat versucht uns da ein bisschen rein zu drücken. Das waren so ganz komische Hosen mit Schlag, mit so Leoparden Dingern, das war ganz furchtbar eigentlich. Und dann gab es eine Zeit da haben wir dann angezogen was wir wollten und das ist eigentlich immer noch so und das ist halt ein einfaches schwarzes T-Shirt.

Aber ihr wechselt die schon zwischendurch? Es gibt ja Bands, da wird das vom 1. bis zum letzten Tour-Tag getragen.

Sebi: Nein, nein, wir haben schon mehrere! Das wäre echt ekelhaft. Hätte ich das Shirt von gestern Abend nochmal anziehen müssen, das wäre wahrscheinlich seeehr ekelhaft geworden.

Ihr hattet letztes Jahr 15-jähriges Jubiläum, zu dem es ein großes Konzert im Stahlwerk in Düsseldorf gab. Offenbar kann man sich da bald auf eine DVD freuen?

Sebi: Ja, vielleicht. Wir haben auf jeden Fall das ganze Ding mitgefilmt. Geplant ist da schon eine DVD draus zu machen. Aber in welcher Form sie verwendet wird wissen wir noch nicht. Ob die separat kommt, ob die als Bonus für das nächste Album in einer Special Edition kommt oder so. Es ist auch noch nicht fertig. Es ist ja auch immer eine menge Arbeit die dahinter steckt. Aber geplant ist da was.

Allgemein ist in Düsseldorf bandmäßig ja viel los. Viele erfolgreiche Bands wie die Broilers, Die Toten Hosen und die Rogers kommen daher und ihr halt auch. Sind die Düsseldorfer so musikalisch oder woran liegt es?

Sebi: Ist geil ne? Ich finde das auch total gut! Mittlerweile ist dieser „Düsseldorf-Punkrock“ ja schon ein Begriff für sich. Wir haben da wirklich jede Menge gute Bands. Ich weiß nicht woran es liegt, wahrscheinlich weil die Stadt so schön ist. Die glücklichen Rheinländer – die schreiben schönen Punkrock!

Apropos Erfolg. Wenn du das Wort „Erfolgreich“ hörst, wer fällt dir da als erstes ein?

Sebi: Jetzt wo wir gerade darüber gesprochen haben: Broilers. Die sind ein gutes Beispiel. Da ging es in den letzten 5/6 Jahren ganz steil nach oben und jetzt spielen die in der ersten Liga mit. Aber verdient mitspielen! Ich weiß noch: wir haben so vor acht oder neun Jahren mit den Broilers in Oberhausen auf so einem ganz kleinen Festival in einem Skatepark gespielt. Da war da noch gar nicht dran zu denken, es war auch schon gut, natürlich. Und dann ging es auf einmal – also das ging ja wirklich schnell – steil bergauf.

Gibt es in eurer Band jemanden der die treibende Kraft darstellt? Jemanden der euch motiviert, wenn man mal einen Hänger hat oder so?

Sebi: Wenn man das so sieht, bin ich das wohl, glaube ich. Der Rest der Band, da nehme ich den Alex unseren Schlagzeuger mal raus, ist eher so der zurückhaltende Part. Nicht so medial unterwegs, nicht so unbedingt „Ich muss jetzt ein Interview geben“ und und und. Als ich das damals mit dem Gesang übernommen habe, wir hatten ja vorher einen anderen Sänger und ich hab nur Gitarre gespielt, wurde ich so ein bisschen in die Schiene rein gedrückt und es hat sich so etabliert. Ich denke, wenn sowas ist, dann bin das in erster Linie ich und in zweiter der Alex.

Worüber diskutiert ihr in eurer Band am häufigsten?

Sebi: Zeitdruck! Wie sollen wir das schaffen? Wir haben Abgabetermin – sowas.

Gibt es eine Hoffnung die ihr habt oder hattet, die ihr schon aufgegeben habt?

Sebi: Du hast wirklich kuriose Fragen! Aber nein, eigentlich ist unser Ziel ja Musik zu machen und sich immer weiter zu entwickeln. Das ist und war unser Ziel und das haben wir auch noch nicht aufgegeben und halten daran fest. Man merkt auch, dass es für uns auch immer ein Stückchen nach oben geht, Schritt für Schritt. Aber es ist nicht so, dass es so Schlag auf Schlag kommt. Aber es geht nach oben und da halten wir dran fest!

Möchtest du noch etwas loswerden?

Sebi: Ich grüße natürlich alle und sage, dass die Leute mehr auf Konzerte gehen sollen!

Das sehe ich natürlich genauso und bedanke mich für das nette Gespräch und den heißen Konzert-Abend. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder und freue mich schon ganz doll auf die neue Platte und viele neue Konzerte!

Wer Massendefekt diesen Sommer noch sehen möchte, hat auf folgenden Festivals die Chance dazu:

  • 01.07. Mission Ready Festival, Würzburg
  • 08.07. Rockaue, Bonn
  • 12.08. Großefehn Open Air, Großefehn
  • 18.08. Hütte Rockt, Georgsmarienhütte
  • 19.08. Rock am Beckenrand, Wolfshagen
  • 26.08. Reload Festival, Sulingen

Massendefekt live im Knust

Support-Act Radio Havanna