mc_rene_2_by_noria_chaal

Foto: Noria Chaal

Ich weiß noch genau, wie ich das erste Mal auf MC Rene aufmerksam wurde: Das war 2003 durch den Track „Renexekution“ von Kool Savas und Eko Fresh auf der Juice CD – ich kannte damals noch keinen der Akteure. Ein Jahr später enthielt Sidos grandioses Debütalbum „Maske“ eine Hommage an Renes größten Hit „Spüre diesen Groove“. Hab ich auch nicht kapiert.

MC Rene - Khazraje (Album-Cover)

Etwas später tauchte dann dieser Mitschnitt einer ZDF-Doku auf YouTube auf, in dem man zwischen den Absoluten Beginnern sitzend auch einen gewissen Rene aus Braunschweig entdecken konnte. Als Kurt Hustle 2007 dann auf „Yo, Kurt“ fragte, ob MC Rene tot sei, wusste auch ich um die legendäre Figur im deutschen Rap.

Was man aus diesen Erinnerungsfetzen lernen kann: Rene El Khazraje ist prägend für deutschen Rap, wie Wenige sonst. Und er ist ebenso talentiert, wie umstritten. Das war er zumindest, könnte man sagen. Mit seinem Buch „Alles auf eine Karte“ und dem Album „Renessance“ aus dem letzten Jahr, welches zusammen mit Carl Krinx entstand, konnte er sich erstaunlicherweise rehabilitieren.

Nun kommt sein neues Album: „Khazraje“, diesmal entstanden zusammen mit Figub Brazlevic. Erst neulich konnte ich mich mit Rene unterhalten und habe nicht nur erfahren, dass er Fan der marokkanischen Gnawa-Musik, sondern auch recht glücklich über seinen Werdegang in den letzten zehn Jahren ist. Insgesamt wirkt der Mann auch einfach glücklich, entspannt und in sich ruhend.

„Wie Polaroids haben wir Inspirationen abfotografiert und zu Tracks gemacht.“ – MC Rene im Interview

Dieser MC Rene ist ein Schnacker, wie man hier in Hamburg so schön sagt. Man könnte ihm stundenlang zuhören und vermutlich noch nicht einmal Langeweile... Weiterlesen →

Genau diese Eigenschaften findet man nun auch auf seinem neuen Album wieder. Es klingt entspannt und unverkrampft und es macht vor allem glücklich. In Sachen Rap macht ihm eh keiner etwas vor und auch Figub sollte mittlerweile jedem Rap-Fan von Hamburg bis Marrakesch ein Begriff sein.

Sei es das als Intro fungierende „Yallah“, das funkig vor sich hin bouncende „Khazraje“ oder der Track „Wunderbare Jahre“, welcher auch im Queensbridge um die Jahrtausendwende Genicke gebrochen hätte: MC Rene weiß einfach, wie sich ein MC auf einem Beat anhören muss. Dass er auch noch genug zu erzählen hat, um die Zeilen sinnvoll zu füllen ist dann das Sahnehäubchen, ohne das es nur halb so gut munden würde.

„Khazraje“ ist einfach ein tolles Album von zwei überdurchschnittlich guten Künstlern. Obwohl MC Rene wohl nicht mehr in ähnliche Chart-Höhen wie die Beginner aufsteigen wird – geschenkt. Dafür klingt der Braunschweiger um längen authentischer und zufriedener.

[asa]B01J6POZ82[/asa]