Was muss einer mitbringen, damit er sich Singer/Songwriter nennen darf? Nach dem Protokoll verfahren hat der, der einen, komischerweise immer noch, ungewöhnlich klingenden Namen wählt, sich eine Westerngitarre schnappt und mit weinerlicher Stimme in Kneipen und Cafés pseudointellektuelle und -melancholische Texte ins Mikrofon flüstert. Das soll künstlerisch, bewegend und offenbar immer noch frisch sein.

Künstlerisch, bewegend und offenbar immer noch frisch muss aber nicht Projekt genannt werden, wenn es zutrifft, und sollte die Privilegien genießen, mit denen das Genre Singer/Songwriter konnotiert ist. Darf ich vorstellen: Me And Oceans.

Der in der künstlereigenen Information als Soloprojekt bezeichnete Kopf hinter den Klangkörpern, Fabian Schuetze, ist seit mehreren Jahren in verschiedenen Formationen zu hören. Der Gipfel seiner Klangkunst ist jedoch Me And Oceans und das realisiert er mit großer Reife, sowie künstlerischer Frische und Streichzartheit, dagegen ranzt der Kneipenklampfer mit seinen Phrasenschnitzeln nur ab.

Ich fühle mich am Anfang einer großen Reise mit einem Taschentuch bewunken, wenn ich zu der Musik die Augen schließe und die Ohren öffne. Auch wenn die Musikspuren zu Großteilen digital sind, so klingt sein eigen Werk zur Gänze organisch. Dabei entfremdet er auch gern und gern gehört den Zweck von Säuglingsspielzeug, et cetera und obwohl er die Tasten domptieren kann, so hat er das Gehör dafür, dass ein Sample manchmal erfrischender klingen kann.

Die Symbiose aus Text und Gesang ist eigentlich schon ein Kunstwerk für sich. Textlich verstehe ich es nicht zur Gänze, aber für das, was ich verstehe, muss das Phrasenschwein nicht gezückt werden, wie das bei anderen Solokünstlern oftmals der Fall ist. Zusammen mit der mit wenig auskommenden Musik ergibt Me And Oceans ein Werk, das es vermag, mich entweder zu begleiten oder zu lehren und gleichzeitig zu beidem mich zu unterhalten, ohne prätentiös zu werden. In diesen Klängen wohnt ein Besinnen auf das Wesentliche inne, jedoch wird mir beim Zuhören immer noch klar gemacht, dass das Leben auch sehr dramatische Elemente hervorbringt. Und es vor allem nicht immer linear verläuft, immer das Gleiche überall sein muss. Dass es nicht unbedingt der Fantasie entspringen muss, dass der Riese für dich singt.

Zum Schluss möchte ich noch feiern, dass Me And Oceans‚ im August erschienenes The Pond auch auf Vinyl erhältlich ist, und sich Fabian Schuetze nicht zu schade ist, in kleinen Orten zu spielen, von denen man vorher und nachher nie wieder etwas hört. Und selbst wenn man es sich nicht live ansehen kann, wie beispielsweise die Kasseler, so hat man die Möglichkeit das voranschreitende sich Umgestalten der Fenster zur kommenden Jahreszeit mit der dazu passenden Musik zu begleiten.