Messer

Foto: Katja Ruge

Die deutsche Szene ist im Bereich Post-Punk federführend. Die Vielfalt, die man hierzulande antrifft, ist umwerfend, beinahe einschüchternd. Auch Messer aus Münster gehören inzwischen zu den Vorzeige-Bands der hiesigen Bewegung, leben sie doch einen sehr eigenen, düsteren und detailreichen Musikstil. Mit „Jalousie“ erscheint am 19. August das neue und inzwischen dritte Album der Gruppe, die nach dem Weggang von Pascal Schaumburg mit dem neuen Gitarristen Pascal Wagner erneut zum großen Wurf ansetzen.

Messer - Jalousie (Album-Cover)

Dem Output, der seit jeher viele Elemente des 80s Post-Punk aufnimmt und zu einem eigenen Stil mixt, hat die Neubesetzung keinen Abbruch getan. Die Gitarren-Riffs öffnen der Musik weiterhin den Raum, den es einzunehmen gilt. Dazu kommen die prägnanten und mit Wiedererkennungswert gespickten Basslines von Pogo McCartney und die charakteristische Stimme von Sänger Hendrik Otremba. „Jalousie“ ist ein ganz klares Messer-Album im besten Sinne.

Der Opener „So sollte es sein“ bereitet bestens auf ein düsteres und einfangendes Album vor: „Es riecht nach Regen / Riecht nach Metall / Es schmeckt nach Blut in Deinem Mund / Wir schlagen auf, es ist vorbei / Und wir verlieren uns im Hall“. Die Stimmung ist kalt und produziert zusammen mit dem unbequemen Synthies-Intro sofort ein Gänsehautgefühl der ganz seltenen Art.

Tanzbarer und angriffslustiger wird es hingegen mit „Detektive“. Ein temporeiches Indie-Wave-Riff trägt den Song – der perfekte Song für jeden Post-Punk-esken Clubabend! Auch „Meine Lust“ schlägt in diese Kerbe, ist aber keinesfalls eine bloße Kopie des erstgenannten Tracks. Das Bewusstsein von Messer, mit unterschiedlichsten Songs in die gleiche Richtung zu gehen, ist eminent ausgebildet.

Nie vergisst man dabei allerdings, dass es sich bei „Jalousie“ um ein düsteres Album handelt. Die Themen, die zumeist menschliche Abgründe behandeln, nehmen einen hohen Stellenwert im Gesamtbild der Band ein. Seien es nun Songs, wie „Niemals“ oder „Die Hölle“ (dessen Sound derartig von den 80s beeinflusst ist, wie kein anderer des Albums) – die Texte regen zum genauen Mithören und zur Eigeninterpretation an.

Kommt her zu mir
Es ist so finster
Kommt spielt die Szene noch ein letztes Mal
Da draußen warten doch nur die Gespenster
Und ein Kind steht gefesselt am Marterpfahl

Messer – Im Jahr der Obsessionen

Die Klangbilder, die Messer produzieren, suchen in der heutigen Landschaft des deutschen Post-Punks vollkommen ihresgleichen. „Jalousie“ reiht sich hier bestens neben den vergangenen beiden Alben ein. Es beeindruckt auf jeder Ebene, wie sie es schaffen, klassische Versatzstücke des Wave und Post-Punk so zusammenzufügen, dass sie ein zeitgenössisches und großartiges Gesamtbild abgeben. Dabei lassen sich zumeist keine einzelnen Instrumentals innerhalb der Songs herausheben. Viel mehr funktioniert der Sound von Messer durch die Zusammensetzung der Einzelteile zu einem großen Ganzen.

Messer: Tourdaten

  • 28.10. – Essen, Zeche Carl
  • 29.10. – Bremen, Lagerhaus
  • 30.10. – Bielefeld, Forum
  • 31.10. – Kaiserslautern, Kammgarn
  • 01.11. – Wiesbaden, Schlachthof
  • 02.11. – Köln, Gebäude 9
  • 03.11. – Berlin, Frannz
  • 04.11. – Giessen, MuK
  • 05.11. – Stuttgart, Zwölfzehn
  • 06.11. – Wien, B72
  • 07.11. – München, Kranhalle
  • 08.11. – Dresden, Groovestation
  • 09.11. – Leipzig, Naumanns
  • 10.11. – Jena, Kassablanca
  • 11.11. – Hannover, Cafe Glocksee
  • 12.11. – Hamburg, Molotow
  • 03.12. – Münster, Gleis 22

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