Messer: Live im Molotow, Hamburg

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Im August veröffentlichten Messer ihr aktuelles und drittes Album „Jalousie“ – eine Sammlung großartiger Songs, in denen sie ihre ganz eigene Auffassung deutschsprachigen Post-Punks ausleben. Ihr Sound ist unverwechselbar, klug, voller Details und dabei so kraftvoll, dass es einem die Socken von den frisch gewaschenen Füßen auszieht.

Zum Release des neuen Albums ging die Gruppe um Sänger Hendrik Otremba natürlich auch auf Tour. Den Abschluss dieser Tour bildete das Konzert im Hamburger Molotow am vergangenen Samstag und die Zuschauerschaft pilgerte geradezu in den ausverkauften Kult-Club. Die klirrende Kälte, die sich vor dem Schaufenster breit machte? Egal! Messer! So!

Messer - Jalousie (Album-Cover)

Messer – Jalousie (Album-Review)

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Persona läutet experimentell ein

Persona: Live im Molotow, Hamburg

Doch, Moment! Ein Konzertabend fängt klassischerweise mit einem Support-Act an und das war auch hier der Fall. Der Solokünstler Persona übernahm das Warm-up und genauso geheimnisvoll, wie er selbst (im Internet fand ich exakt gar nichts zu ihm) ist auch seine Musik. Sehr elektronisch ist sie und fußt stark auf Loop-Machines auf. Monotonien prägen den Sound.

Man fühlt sich ein wenig, wie auf einem vollgedrogten Rave, wenn man die Musik, die er produziert, hört. Ob das gefällt? Das muss freilich jeder für sich selbst entscheiden. Meine Kragenweite war es nicht, allerdings darf man ihm durchaus zugute halten, dass er einen sehr eigenen Musikstil und eine ebenso eigene Auffassung dessen hat.

Messer spielen unglaublich scharf

Messer: Live im Molotow, Hamburg

Dann: Warten. Bloß nicht nach draußen gehen und die (gar nicht so lange) Zeit mit Zigaretten totschlagen – Kälte tut dem modernen Musik-Blogger von Welt nicht gut. Messer scheinen das zu wissen (zumindest bilde ich mir das selbstüberzeugt ein), denn schon bald betraten sie die Bühne. Sie bleiben jedoch nicht alleine, denn mit ihnen kam auch Stella Sommer auf die Bühne, die ebenfalls an der Entstehung von „Jalousie“ beteiligt war.

Messer: Live im Molotow, Hamburg

Mit dem Opener des Album „So sollte es sein“ geht es dann passenderweise auch los. Unheimliche Atmosphären erfüllen das Molotow. Die Spannung steigt und man wird sofort eingefangen; es gibt kein Entrinnen. Dann singen Otremba und Sommer gemeinsam und es passt einfach, wie die Faust aufs Auge. Kein Konzertauftakt auf Hochtouren. Keine scharrenden Hufe, die endlich losgelassen wurden. Stattdessen ein Beginn nach Messer-Art eben.

Die Intensität setzte sich fest, spätestens mit dem tanzbaren „Detektive“ ist kein Halten mehr. Das lag vor allem am umwerfenden Sound der Band. Mit Manu Chittka haben haben sie seit 2014 einen Percussionist mit an Bord, der inzwischen zum festen Bandgefüge gehört. Das ist optisch, wie auditiv gleichermaßen imponierend. Da quetschen sich halt einfach mal zwei Drummer hinten auf die Bühne und geben dem Messer-Sound eine unfassbare Vielseitigkeit. Noch besser: Es geht nichts unter! Man hört alles heraus! Und dieser Sound ist so tight, dass mir die Superlativen ausgehen.

Messer: Live im Molotow, Hamburg

Dazu kam Otrembas Stimme, die für mich einen großen Anteil am Messer-Sound hat, großartig rüber. Sie treibt nach vorne, ist laut und legt sich über das zunehmend stürmische Getose – egal, ob es ältere Stücke, wie „Angeschossen“ sind oder „Meine Lust“, „Der Mann der zweimal lebte“ und „Der Staub zwischen den Planeten“ (mit dem das reguläre Set beendet wurde) vom neuen Album. Dazu dann noch die vielgelobten Bass-Einlagen von Pogo McCartney, der seinen Künstlernamen nicht zu Unrecht trägt.

Messer: Live im Molotow, Hamburg

Das alles ging auch an der Crowd nicht vorbei, die nach jedem Song lauter jubelte. Otremba fiel das natürlich auf und er zeigte sich sichtlich dankbar. Gegenseitig trieb man sich auf Höchstleistungen. Dieses Konzert, es hätte nie enden müssen.

Irgendwann war es das dann aber doch nach den Zugaben „Die Hölle“, „Mutmaßungen über Hendrik“ und „Abel Nema“. Die Club-Musik und die Lichter gingen wieder an und ich wusste nicht wohin mit mir. Ich erlebte eine Achterbahnfahrt des klügsten und eindrucksvollsten Lärms, den es derzeit wohl gibt. Auch Tage später bin ich noch immer extrem beeindruckt von einem der großartigsten Konzerte, welches ich in diesem Jahr erleben durfte. Der Verdeutlichung wegen: Es sind derzeit annähernd 50.

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