Mike & The Melvins

Foto: The Melvins

Seit über 30 Jahren gibt es The Melvins nun schon und wenn sie in all diesen Jahren eines bewiesen haben, dann, dass sie alles andere als massentauglich sind. Dieses Prädikat haben sie stets beibehalten und das zollt einem schon gehörigen Respekt ab. Fernab des Mainstreams ist sicherlich auch die Vorgehensweise, mehrere Alben in einem Kalenderjahr zu veröffentlichen. Natürlich macht die Band dieses Jahr genau das. Im Juni erscheint „Basses Loaded“, bei dem unter anderem Krist Novoselic von Nirvana mitgearbeitet hat. Bereits jetzt ist aber schon „Three Man and a Baby“ in Zusammenarbeit mit Mike Kunka, Bassist bei godheadSilo, erschienen.

Mike and The Melvins - Three Man and a Baby

Speziell dieses Album hat eine recht ungewöhnliche Enstehungsgeschichte. Die kreativen Arbeiten begannen bereits 1998 (das war vor 18 Jahren!), erst vor kurzem wurden diese aber endlich abgeschlossen. Auch, wenn man immer weit abseits des Mainstreams agiert, ändern sich persönliche musikalische Vorlieben natürlich, die dann auch in die eigene Musik hineinfließen. Insofern ist es natürlich spannend zu hören, inwiefern sich diese lange Zeitspanne bei der Ausarbeitung des Albums hörbar machen.

Generell lässt sich direkt eine Entwarnung aussprechen. Das Album ist konsistent inkonsistent, wie man es von den Melvins kennt. Buzz Osborne und seine Mannen sind Menschen, die musikalisch kreativ komplett anders denken, als die meisten anderen Musiker. Das wiederum führt zu vielen verschiedenen Ideen, die aus allen Himmelsrichtungen zu kommen scheinen. Einerseits wäre da das sehr okkultisch und bedrohlich wirkende „A Dead Pile of Worthless Junk“. Andererseits ist der Opener „Chicken ’n‘ Dump“ ein vergleichsweise zugänglicher und repetitiver Track, der einen etwas leichteren Einstieg in das Album ermöglicht – die Stoner-Rock-Einflüsse stellen hier beste Grüße aus.

Dass sich Mike & The Melvins auf diesem Album in recht sphärischen Gebieten bewegen, ist dann allerdings doch eine Konstante, die die meisten Tracks begleitet. In „Dead Canaries“ werden die Lyrics gefährlich geflüstert und in „Gravel“ trägt vor allem die röhrende Bassline die Atmosphäre des Songs. Überhaupt werden die Vocals oft stark antirhythmisch wiedergegeben, wodurch man stellenweise den Eindruck bekommt, dass man einer kult-ähnlichen Erzählung beiwohnt. Psychedelisch wird es dann vor allem in „Pound the Giants“, in dessen Mittelteil dann der Melvins-typische Gitarren-Noise abgefeuert wird.

Eine zweite Konstante, die das Album auszeichnet ist eine, die die Melvins schon seit Jahren auszeichnet: Die Musik ist alles andere als hörerfreundlich. Man muss sich etliche Male durch die 12 Songs hören, um diese überhaupt zu verstehen. Das wiederum schreckte schon immer viele Menschen von den Melvins ab und das wird sich durch dieses Album auch nicht ändern. Das ist aber auch nichts schlechtes, denn die Band hat ihre komplett eigene, nicht kategorisierbare Lücke gefunden, in der sie sich vollständig ausleben und austoben kann.

Diese Möglichkeiten nutzen sie seit jeher vollends aus und ihre Fans danken es ihnen, dass sie sich nicht um Massentauglichkeit scheren, sondern mit ihrer Musik stets ihren eigenen Weg gingen. Diese Wertschätzung wird sich auch „Three Man and a Baby“ verdienen. Andererseits heißt das natürlich auch, dass nicht allzu viele neue Hörer zur Band finden werden. Dies wiederum kann Mike & The Melvins aber an und für sich egal sein. Sie machen, was sich für sie richtig anfühlt – und das alleine ist bewundernswert genug.

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